13. bun­des­wei­te Kon­fe­renz „Betriebs­rä­te im Visier“

„Gerech­tig­keit erkämpfen!“

 

H. N.

Am 10. Okto­ber 2026 fand die 13. Bun­des­kon­fe­renz „Betriebs­rä­te im Visier“ im Mann­hei­mer Gewerk­schafts­haus statt. Ein anspruchs­vol­les Pro­gramm erwar­te­te die aus nah und fern ange­reis­ten zahl­rei­chen Teilnehmer:innen, dar­un­ter erfreu­li­cher­wei­se auch vie­le neue Gesichter.

Konferenz „Betriebsräte im Visier“ in Mannheim, 10.10.2026. (Foto: Helmut Roos.)

Kon­fe­renz „Betriebs­rä­te im Visier“ in Mann­heim, 10.10.2026. (Foto: Hel­mut Roos.)

Die dies­jäh­ri­gen Betriebs­rats­wah­len haben laut der Ein­la­dung zu die­ser Tagung durch das Komi­tee „Soli­da­ri­tät gegen BR-Mob­bing!“ eine „wei­te­re Radi­ka­li­sie­rung der Bekämp­fung von akti­ven, gewerk­schaft­li­chen Kolleg:innen gezeigt“.

Die Gruß­wor­te des DGB Baden-Würt­tem­berg, der IG Metall (IGM) Mann­heim und von ver.di Rhein-Neckar unter­stri­chen daher nicht nur die Bedeu­tung der Kon­fe­renz, son­dern auch die Not­wen­dig­keit des Kampfs gegen das Bos­sing und Mob­bing von Betriebsräten.

Ein ers­ter inhalt­li­cher Schwer­punkt der Zusam­men­kunft von ehren- und haupt­amt­lich Akti­ven aus Ein­zel­ge­werk­schaf­ten wie EVG, IGBCE, IGM, GEW und ver.di sowie dem Dach­ver­band DGB befass­te sich mit dem The­ma „Wie haben wir trotz Angrif­fen erfolg­reich die BR-Wah­len 2026 bestritten?“.

Bei­spie­le erfolg­rei­cher Gegen­wehr
In die­sem Zusam­men­hang war der Bericht von Betriebs­rä­ten des Wein­hei­mer Boden­be­lags­her­stel­lers nora sys­tems schon des­halb span­nend, weil der „Skan­dal bei nora“ 2012 zur Grün­dung des Mann­hei­mer Soli­ko­mi­tees geführt hat­te. Damals koope­rier­ten eine unter­neh­mens­hö­ri­ge BR-Mehr­heit und die Geschäfts­lei­tung bei der Kün­di­gung des kämp­fe­ri­schen Betriebs­rats Hel­mut Schmitt.

Nicht zuletzt dank der star­ken Unter­stüt­zung des Komi­tees konn­te Hel­mut wie­der in das Unter­neh­men zurück­keh­ren. Das war eine ent­schei­den­de Vor­aus­set­zung, um die Zusam­men­set­zung des BR-Gre­mi­ums im Inter­es­se der Beleg­schaft zu verändern.

Bereits bei den vor­letz­ten BR-Wah­len konn­te die basis­ori­en­tier­te IGBCE-Lis­te eine Mehr­heit der Man­da­te errin­gen. Durch ihre sys­te­ma­ti­sche und kon­se­quen­te Tätig­keit gelang es den Kol­leg: innen, nicht nur den gewerk­schaft­li­chen Orga­ni­sa­ti­ons­grad im Betrieb deut­lich zu stei­gern, son­dern 2026 sogar alle 13 BR-Sit­ze zu erringen!

Nicht min­der bemer­kens­wert waren die Aus­füh­run­gen von Isa­bel­la Paa­pe, IGM-Betriebs­rä­tin bei Sie­mens Ener­gy in Erlan­gen. Am 12. Novem­ber 2025 wur­de ihr frist­los unter faden­schei­ni­gen Vor­wän­den gekün­digt. Wegen ihres uner­müd­li­chen Ein­sat­zes für die Inter­es­sen ihrer Kolleg:innen war sie bereits zuvor abge­mahnt worden.

Sehr reflek­tiert schil­der­te Isa­bel­la, wie es ihr gelang, das Blatt zu wen­den und ihre Rück­kehr in das Unter­neh­men zu erstrei­ten – mit einem enga­gier­ten Kreis von Unterstützer:innen, einer erfah­re­nen Rechts­ver­tre­tung und einer offen­si­ven Öffent- lich­keits­ar­beit. Ein groß­ar­ti­ger und mut­ma­chen­der Erfolg im Wider­stand gegen BR-Mob­bing und Gewerkschaftsbekämpfung!

Konferenz „Betriebsräte im Visier“ in Mannheim, 10.10.2026. (Foto: Helmut Roos.)

Kon­fe­renz „Betriebs­rä­te im Visier“ in Mann­heim, 10.10.2026. (Foto: Hel­mut Roos.)

Tes­la und das „Recht des Stärkeren“
„Musks Tes­la-Impe­ri­um eine rechts­freie Zone?“ – so lau­te­te die Fra­ge­stel­lung für den zwei­ten the­ma­ti­schen Schwer­punkt der Kon­fe­renz. Jan­nes Bojert, Lei­ter des Teas­la-Teams der IGM, stell­te sehr fun­diert den hart­nä­cki­gen Kampf für einen der Beleg­schaft ver­pflich­te­ten Betriebs­rat und die Tarif­bin­dung dar.

Mit aus­ge­klü­gel­ten Machen­schaf­ten orga­ni­sier­te das Tes­la-Manage­ment unter direk­ter Mit­wir­kung Musks, des reichs­ten Manns der Welt, erfolg­reich ein „Deep Uni­on Bus­ting“. Die IG Metall-Lis­te „Tes­la Workers GFFB“ lan­de­te daher trotz einer mas­si­ven und gut durch­dach­ten Kam­pa­gne nur auf dem zwei­ten Platz, aber der Kampf geht weiter.

In der anschlie­ßen­den emo­tio­nal und den­noch soli­da­risch geführ­ten Ple­nums­dis­kus­si­on mel­de­ten sich zahl­rei­che Kolleg:innen aus den unter­schied­lichs­ten Berei­chen (Bil­dung, Dienst­leis­tun­gen, Gesund­heit, Indus­trie, Ver­kehr …) zu Wort. Sie mach­ten einer­seits deut­lich, wie sehr die begrenz­ten Rech­te aus dem Betriebs­ver­fas­sungs­ge­setz mitt­ler­wei­le sei­tens der Bos­se und ihrer Hand­lan­ger miss­ach­tet wer­den. Ande­rer­seits wur­de klar, dass Auf­ge­ben kei­ne Opti­on ist.

Not­wen­dig­keit der star­ken Gegenmacht
Der drit­te und abschlie­ßen­de Teil der Tagung soll­te Ant­wor­ten fin­den auf die letzt­lich ent­schei­den­de Fra­ge „Was hilft uns, betrieb­li­che Gegen­macht zu stärken?“.
Alex­an­der Mohr­lang (IGM-Vor­stand) prä­sen­tier­te inter­es­san­te Vor­schlä­ge, wie sich Gewerk­schaf­ten in „Zei­ten des rechts­au­tori­tä­ren Tech-Kapi­ta­lis­mus“ gegen die „Über­macht“ des Groß- kapi­tals behaup­ten kön­nen. Die gewerk­schafts­po­li­ti­sche Fokus- sie­rung auf „Wett­be­werbs­fä­hig­keit“ hat sei­ner Ansicht nach in die Sack­gas­se geführt. Statt­des­sen soll­ten Gewerk­schaf­ten von kon­kre­ten mensch­li­chen Erfah­run­gen in der Arbeits­welt aus­ge­hen und The­men wie „Gesund­heit und Arbeit“ sowie „All­tag und Zukunft“ aufgreifen.

In Ergän­zung dazu unter­such­te Mohr­langs Kol­le­gin Han­na Kai­ser aus einem psy­cho­lo­gisch begrün­de­ten Blick­win­kel, wie „kol­lek­ti­ves Han­deln trotz Repres­si­on“ mög­lich ist. Das Zusam­men­wir­ken in dezen­tral orga­ni­sier­ten „koope­ra­ti­ven Sys­te­men“ ermög­licht ihr zufol­ge mehr psy­chi­sche Wider­stands­kraft und Sta­bi­li­tät in den durch BR-Mob­bing ver­ur­sach­ten Krisensituationen.

Ein abschlie­ßen­der Impuls­vor­trag des Soli­ko­mi­tees beton­te, dass Betriebs­rä­te und Gewerk­schaf­ten „mit einem anhal­ten­den, zuneh­mend bedroh­li­che­ren poli­ti­schen Rechts­ruck sowie einem mas­siv ver­schärf­ten Klas­sen­kampf von oben kon­fron­tiert“ sind. Die­ser „aktu­el­len Bedro­hung“ muss des­halb „unse­re demo­kra­ti­sche Gegen­macht in der Arbeits­welt und der gesam­ten Gesell­schaft viel ent­schie­de­ner und ein­heit­li­cher als bis­her“ ent­ge­gen­ge­stellt werden.

Am 16. Okto­ber 2027 fin­det in Mann­heim die 14. Bun­des­kon­fe­renz „Betriebs­rä­te im Visier“ statt.

Aus Avan­ti² Rhein-Neckar Novem­ber 2026
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