Mann­heim: Raz­zia bei 76-jäh­ri­gem kur­di­schen Vereinsvorsitzenden

 

Roland Schus­ter

Die kur­di­sche Nach­rich­ten­agen­tur ANF berich­tet in einem Arti­kel vom 26. Juni 2020 von skan­da­lö­sen Haus­durch­su­chun­gen bei Reprä­sen­tan­ten des Kur­di­schen Gemein­schafts­zen­trum Ludwigshafen/Mannheim e.V.

Kurdische AktivistInen bewachen die türkisch-syrische Grenze bei Kobane im November 2014. Foto: Photothèque Rouge/Chris Den Hond.

Kur­di­sche Akti­vis­tI­nen bewa­chen die tür­kisch-syri­sche Gren­ze bei Koba­ne im Novem­ber 2014. Foto: Pho­to­t­hè­que Rouge/Chris Den Hond.

Nach die­sen Anga­ben durch­such­te die Poli­zei am ver­gan­ge­nen Diens­tag die Woh­nun­gen des 76-jäh­ri­gen Akti­vis­ten Halis Doğan und drei wei­te­rer Per­so­nen. Bei der Raz­zia sol­len per­sön­li­che Gegen­stän­de beschlag­nahmt wor­den sein. Doğan war von 1999 bis 2000 in der Tür­kei Her­aus­ge­ber der Zei­tung Özgür Bakış und muss­te des­we­gen vor neun­zehn Jah­ren die Tür­kei ver­las­sen. Zur Zeit lebt er in einer Gemein­de bei Mannheim.

Ermitt­lungs­ver­fah­ren gegen vier Personen
Auch im Exil enga­giert sich Doğan wei­ter und ist jah­re­lang Ko-Vor­sit­zen­der des Kur­di­schen Gemein­schafts­zen­trum Ludwigshafen/Mannheim e.V. gewe­sen. Auf Anord­nung der Staats­an­walt­schaft Karls­ru­he wur­den laut ANF neben Halis Doğan auch Ermitt­lungs­ver­fah­ren gegen die dama­li­ge Ko-Vor­sit­zen­de Gül­han Yüce­ka­ya und die Vor­stands­mit­glie­der Davut Kara­dağ und Sey­fet­tin Yıl­dız ein­ge­lei­tet. Laut ANF sol­len nach Poli­zei­an­ga­ben das Zei­gen von Fah­nen und Sym­bo­len, wel­che der PKK zuge­ord­net wer­den, der Grund für die Ermitt­lun­gen sein. Dies sei bei zwei Kul­tur­ver­an­stal­tun­gen am 27. Novem­ber und am 9. Dezem­ber 2019 in Mann­heim geschehen. 

Poli­zei stürmt Woh­nung um fünf Uhr morgens
Zur Raz­zia bei ihm zu Hau­se um fünf Uhr mor­gens berich­tet Doğan: „Als die Poli­zei die Woh­nung stürm­te, schlie­fen wir. Mei­ne Frau fürch­te­te sich sehr und hat­te einen Ner­ven­zu­sam­men­bruch. Ich pro­tes­tier­te mit den Wor­ten: ‚Sie haben die Grau­sam­keit der tür­ki­schen Poli­zei übernommen.‘“

Sogar Pro­zess­ak­ten wur­den mitgenommen
Die Durch­su­chung habe ins­ge­samt drei Stun­den gedauert.

Es wur­den Bücher und Bil­der von Abdul­lah Öca­lan, Fah­nen des Kur­di­schen Roten Halb­monds Hey­va Sor, Pro­zess­ak­ten aus der Tür­kei, die Akten der Ver­fah­ren, die ich beim Euro­päi­schen Gerichts­hof für Men­schen­rech­te EGMR gegen die Tür­kei ange­strengt hat­te, Doku­men­te des Kur­di­schen Natio­nal­kon­gress KNK, Doku­men­te des Ver­eins, mein Han­dy und vie­le wei­te­re Din­ge beschlagnahmt.“

Doğan kün­digt Rechts­mit­tel gegen die Durch­su­chung an.

Unver­ständ­nis für die Strafermittlungen
In Krei­sen der kur­di­schen Com­mu­ni­ty herrscht gro­ßes Unver­ständ­nis über die Straf­er­mitt­lun­gen der Karls­ru­her Staats­an­walt­schaft. Dass das Zei­gen von kur­di­schen Fah­nen und Sym­bo­len als „Unter­stüt­zung für einer ter­ro­ris­ti­schen Ver­ei­ni­gung“ gewer­tet wird, ist in die­sen Krei­sen nicht nach­voll­zieh­bar. Deutsch­land mache sich damit zum Hand­lan­ger tür­ki­scher Poli­tik. Am 23. Juni exe­ku­tier­te die Tür­kei drei bekann­te Frau­en­recht­le­rin­nen in einem Wohn­haus in Helin­ce in Rojava/Nordsyrien. Das war ein­deu­tig ein von der Tür­kei ange­ord­ne­tes Kriegs­ver­bre­chen. „Wo bleibt hier der Pro­test der deut­schen Regie­rung. War­um wird wie­der ein­mal mit zwei­er­lei Maß gemes­sen?“ - so die Reak­tio­nen vie­ler kur­di­scher Menschen. 

Quel­le: ANF News 26/06/2020 u.a.

sie­he LINK:
https://kommunalinfo-mannheim.de/2020/06/28/razzia-bei-76-jaehrigem-kurdischen-vereinsvorsitzenden-in-mannheim/

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