Schluss jetzt. Pro­test, Wider­stand, Streik!“ (I)

Kämp­fe­ri­sche IGM-Vor­hut aus Untertürkheim

 

H. N.

Das Mer­ce­des-Benz-Werk Unter­türk­heim hat auf­grund sei­ner Tra­di­ti­on eine beson­de­re Stel­lung. Nicht nur für die Ent­wick­lung und die Pro­duk­ti­on von Kraft­fahr­zeu­gen, son­dern immer wie­der auch für die Ent­wick­lung der IG Metall.

Screenshot "Offener Brief der Vertrauenskörperleitungen bei Mercedes Benz".

Screen­shot “Offe­ner Brief der Ver­trau­ens­kör­per­lei­tun­gen bei Mer­ce­des Benz”.

Aktu­ell machen die IGM-Ver­trau­ens­leu­te (VL) des Werks erneut von sich reden. Ihre Reak­ti­on auf die zuneh­men­den Angrif­fe der Kon­zern­spit­ze und der Bun­des­re­gie­rung ist klar: „Schluss jetzt. Pro­test, Wider­stand, Streik! Die Bos­se wol­len Klas­sen­kampf? Kön­nen sie haben!“:

Arbei­ten für weni­ger Geld“?
In ihrer Reso­lu­ti­on vom 19. Juni 2026 kri­ti­sie­ren sie scharf, dass fast täg­lich Kon­zern­vor­stän­de Arbeits­platz­ab­bau und Kür­zun­gen zulas­ten der Beschäf­tig­ten ankün­di­gen. Auch die Regie­rung bekämpft die Beschäf­tig­ten, indem sie den 8-Stun­den­tag abschaf­fen will: „Wir sol­len län­ger arbei­ten, für das glei­che Geld oder sogar für noch weniger.“

Zusätz­lich“, so die VL-Erklä­rung, „plant sie [die Regie­rung] die ‚Ren­te mit 70‘. Wir sol­len arbei­ten, bis wir ster­ben. Das Bür­ger­geld wird zur […] ‚Grund­si­che­rung‘. Wir sol­len also gezwun­gen sein, auch noch die letz­te mies bezahl­te Stel­le anzu­tre­ten, wenn die Bos­se unse­ren Job vernichten.“

Und wei­ter in aller Deut­lich­keit: „Das Gesund­heits­sys­tem wird kaputt­ge­spart und medi­zi­ni­sche Ver­sor­gung zuneh­mend zu einem Pri­vi­leg für Reiche.“

Auf­rüs­tung und Sozialabbau
In offe­nem Gegen­satz zu der fak­ti­schen Zustim­mung der Gewerk­schafts­spit­zen zur Auf­rüs­tung schrei­ben die Unter­türk­hei­mer VL: „Das Geld, was in den Sozi­al­kas­sen durch die Spar­maß­nah­men fehlt, fließt auch in die Auf­rüs­tung. Unse­re Jugend soll wie­der für die Pro­fi­te der Kon­zer­ne in den Krieg ziehen.“

Den Klas­sen­ge­gen­satz zwi­schen Kapi­tal und Arbeit benen­nen die Kolleg:innen wie folgt: „Sie wol­len auf unse­re Kos­ten ihre Kri­se über­win­den und noch rei­cher wer­den. Wir dage­gen wol­len einen guten Job, sozia­le Sicher­heit und Frie­den. Doch das gibt es nicht von selbst. Sich selbst leid­tun, auf eine ‚Alter­na­ti­ve für Deutsch­land‘ hof­fen oder Bit­ten und Bet­teln bei der Regie­rung hilft nicht.“

Des­halb rufen die IGM-VL dazu auf, Demons­tra­tio­nen und Streiks zu organisieren.

Die Reso­lu­ti­on der Unter­türk­hei­mer Metaller:innen kri­ti­siert also aus­drück­lich Mer­ce­des-Kon­zern­vor­stand wie Regie­rung. Sie for­dert von der IG Metall gewerk­schaft­li­chen Wider­stand und eine dem­entspre­chen­de Ori­en­tie­rung auch von ande­ren Ver­trau­ens­kör­pern und Belegschaften.

Gegen die Gier der Bos­se“
Immer­hin haben danach fünf IGM-Orts­ju­gend­aus­schüs­se im Bezirk Baden-Würt­tem­berg und die JAV Mer­ce­des-Benz Unter­türk­heim die­se Posi­tio­nie­rung als Blau­pau­se benutzt und sich „den Wor­ten der Ver­trau­ens­leu­te aus Unter­türk­heim“ angeschlossen:

• „ Bes­se­re Poli­tik braucht unse­ren gewerk­schaft­li­chen und po liti­schen Kampf! Des­halb war­ten wir nicht, bis uns jemand bit­tet zu pro­tes­tie­ren. Wir fan­gen damit an!
• Wir dis­ku­tie­ren wie­der stär­ker poli­tisch mit unse­ren Kol­leg:- innen vor Ort im Betrieb. Wer sei­ne Lage erkannt hat, wie soll der auf­zu­hal­ten sein?
• Wir nut­zen jede Gele­gen­heit, um die Bos­se und ihre Regie­rung zu kri­ti­sie­ren. Zukünf­tig gibt es kei­ne Jugend­ver­samm­lung, kei­ne JAV-Sit­zung, kei­ne OJA-Sit­zung ohne poli­ti­sche Diskussion.
• Auch wenn wir am Anfang weni­ge oder allein sind: Wenn wir die Stim­me erhe­ben und Hal­tung zei­gen, wer­den wir mehr.
• Sobald die Stim­mung in der Beleg­schaft reif ist, orga­ni­sie­ren wir Pro­test – im Betrieb und in der Stadt.
• Wir enga­gie­ren uns in unse­rer Gewerk­schaft und for­dern Demons­tra­tio­nen gegen die Gier der Bos­se, gegen die Regie­rung und für eine bes­se­re Zukunft – bis hin zum Streik. Und wenn die Gewerk­schafts­spit­zen zögern, dann machen wir es selbst.“

Gene­ral­streik gegen Generalangriff“
Bei der Pro­test-Akti­on in Stutt­gart am 3. Juli 2026 leg­te der stell­ver­tre­ten­de Unter­türk­hei­mer BR-Vor­sit­zen­de Micha­el Clauss nach: „Das ist ein Gene­ral­an­griff auf unse­re Stan­dards bei Mer­ce­des, aber auch auf unse­re Stan­dards, was die Sozi­al­leis­tun­gen und unse­re Zukunft […] anbe­trifft. […] Die­ser Gene­ral­an­griff braucht eins – eine Gene­ral­mo­bil­ma­chung, und das wer­den wir jetzt tun. […] Wir wer­den gemein­sam eine Gene­ral­ver­tei­di­gung fah­ren. Und weil die­ses Wort ja immer sehr umstrit­ten ist in Deutsch­land: Einen Gene­ral­streik muss man nicht aus­ru­fen. Der pas­siert halt dann, und wenn ihr das wollt, dann kriegt Ihr’s halt.“

Aus Avan­ti² Rhein-Neckar Sep­tem­ber 2026
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