Pro­fi­te statt Gesundheit“

Sehr gelun­ge­ner ISO-Info­abend im Juni 2026

 

R. G.

Die Regie­rung Merz/Klingbeil setzt ihren als „Reform­po­li­tik“ getarn­ten Gene­ral­an­griff auf die arbei­ten­de Klas­se fort. Am 29. April 2026 hat sie den Ent­wurf zum GKV-Bei­trags­satz­sta­bi­li­sie­rungs­ge­setz beschlos­sen. Beson­ders betrof­fen sind Ver­si­cher­te und Gesund­heits­be­schäf­tig­te. Grund genug, sich in unse­rem Info­abend mit die­ser „Reform“ zu befassen.

Protestaktion des BR UMM in Mannheim, 10. Juni 2026. (Foto: H. S.)

Pro­test­ak­ti­on des BR UMM in Mann­heim, 10. Juni 2026. (Foto: H. S.)

Unser Refe­rent ord­ne­te die „Gesund­heits­re­form“ 2026 als Fort­set­zung der seit Jahr­zehn­ten von Regie­run­gen und Kapi­tal geführ­ten Angrif­fe auf die Lebens- und Arbeits­be­din­gun­gen der arbei­ten­de Klas­se ein.

Reform“ für Profite
Die „Refor­mer“ begrün­den ihre Kür­zungs­po­li­tik mit den stei­gen­den Aus­ga­ben des Gesund­heits­sys­tems. Dabei haben sich die­se in den letz­ten Jah­ren – auch durch die Kür­zun­gen der Ver­gan­gen­heit – im Ver­gleich zum Brut­to­in­lands­pro­dukt nur unwe­sent­lich erhöht.

Wäh­rend hun­der­te Mil­li­ar­den Euro für den Auf­rüs­tungs- und Kriegs­kurs bereit­ge­stellt wer­den, gibt es angeb­lich kei­nen fi- nan­zi­el­len Spiel­raum für höhe­re Bun­des­zu­schüs­se zur Gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung (GKV).

Unter ande­rem wer­den die Zuzah­lun­gen zu Medi­ka­men­ten, Heil­mit­teln und Kran­ken­haus­ta­gen erhöht. Die bei­trags­freie Fami­li­en­ver­si­che­rung wird ein­ge­schränkt. Mit der „Teil­krank­schrei­bung“ wird der Druck auf arbeits­un­fä­hig Erkrank­te wei­ter erhöht und eine ers­te „Auf­wei­chung“ der Lohn­fort­zah­lung durchgesetzt.

Reform“ als Kürzungsdiktat
Zwar soll auch die Phar­ma­bran­che durch die „Reform“ künf­tig weni­ger Mil­li­ar­den Euro für Medi­ka­men­te erhal­ten. Doch vor allem wer­den Kran­ken­häu­ser, Pra­xen und die Kran­ken­kas­sen einem Kür­zungs­dik­tat unter­wor­fen. Es dro­hen Ein­spa­run­gen im Per­so­nal- und Leis­tungs­be­reich, die zu Las­ten der Gesund­heits­be­schäf­tig­ten und der Pati­en­ten­ver­sor­gung gehen.

Die „Gesund­heits­re­form“ erhöht den wirt­schaft­li­chen Druck auf Kran­ken­häu­ser und Pra­xen. Dies führt zu wei­te­ren Kli­nik­schlie­ßun­gen und Pri­va­ti­sie­run­gen zu Guns­ten von Inves­to­ren und Gesund­heits­kon­zer­nen. Gleich­zei­tig wer­den Behand­lung und Pfle­ge noch stär­ker der „Wirt­schaft­lich­keit“ untergeordnet.

Nicht zuletzt pro­fi­tie­ren Pri­va­te Kran­ken­ver­si­che­run­gen (PKV). Denn, wenn die Leis­tun­gen der GKV gekürzt wer­den, schlie­ßen jene, die es sich leis­ten kön­nen, mehr Zusatz­ver­si­che­run­gen ab.

Kei­ne „Reform“ der Einnahmen
Die „Reform“ kürzt die Aus­ga­ben, aber ver­än­dert nichts an der Einnahmenseite.

Die GKV zahlt wei­ter­hin für staat­li­che Auf­ga­ben – laut einer Stu­die des Ber­li­ner IGES-Insti­tuts – mehr als 50 Mil­li­ar­den Euro. Hin­zu kom­men etwa 100 Mil­li­ar­den Euro für die Behand­lung arbeits­be­ding­ter Erkran­kun­gen, die die Unter­neh­men bezah­len müssten.

Das Zwei­klas­sen-Sys­tem der PKV bleibt bestehen. Beam­te wer­den auch in Zukunft pri­vat ver­si­chert sein. Gut­ver­die­nen­de dür­fen in die PKV wech­seln oder müs­sen auf­grund der Bei­trags­be­mes­sungs­gren­ze nicht ihr gesam­tes Ein­kom­men ver­bei­tra­gen. Nicht zuletzt sind Unter­neh­mens­ge­win­ne, Miet­ein­nah­men, Ver­mö­gen und Kapi­tal­erträ­ge auch in Zukunft beitragsfrei.

Kein prä­ven­ti­ver Gesundheitsschutz
Prä­ven­ti­on – also vor­beu­gen­der Gesund­heits­schutz – kommt auch in Zukunft zu kurz. Gesell­schaft­li­che Ursa­chen für Erkran­kun­gen wie Kli­ma­ver­än­de­run­gen, Ver­ein­sa­mung, Dis­kri­mi­nie­rung, Stress, Umwelt­gif­te, schlech­te Lebens­mit­tel und unzu­rei­chen­de Bil­dung hin­sicht­lich Ernäh­rung und Gesund­heit wer­den nicht bes­ei- tigt, eben­so­we­nig die Gefähr­dun­gen in der Arbeitswelt.

Wider­stand organisieren
Um Wider­stand orga­ni­sie­ren zu kön­nen, muss über die Zie­le die­ser „Reform­po­li­tik” auf­ge­klärt wer­den. Abwar­ten hilft nicht. Über­all soll­te ver­sucht wer­den, mit ande­ren aktiv zu wer­den. Ange­sichts des weit­ge­hen­den Schwei­gens der Gewerk­schafts­vor­stän­de ist es dabei beson­ders wich­tig, betrieb­li­che und gewerk­schaft­li­che Initia­ti­ven und Aktio­nen zu unter­stüt­zen. Die nächs­ten Mög­lich­kei­ten dazu sind die Aktio­nen von ver.di.

Kur­zer Austausch
Im hit­ze­be­dingt rela­tiv kur­zen Aus­tausch ging es auch um die Fra­ge, wie ange­sichts von Sozi­al­ab­bau, Auf­rüs­tung, Kli­ma­zer­stö­rung und Rechts­ruck Wider­stand ent­wi­ckelt wer­den kann. Die Teil­neh­men­den waren sich dar­in einig, dass Beharr­lich­keit und Geduld nötig sind, da sich kei­ne kurz­fris­ti­gen Erfol­ge abzeich­nen. Umso wich­ti­ger sind unse­re gemein­sa­men Info­aben­de mit soli­da­ri­schen, infor­ma­ti­ven und bestär­ken­den Diskussionen.

Aus Avan­ti² Rhein-Neckar Juli/August 2026
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