Paul Le Blanc
Redaktionelle Vorbemerkung
Wir geben im Folgenden den von uns aus dem US-amerikanischen Englisch übersetzten Vortrag wieder, den Paul Le Blanc am 22. Mai 2026 bei der Veranstaltung „Trump, Trumpismus und die USA. Welche Bedrohungen, welche Gegenwehr?“ im Mannheimer Gewerkschaftshaus gehalten hat. Organisator des gut besuchten Infoabends war das Aktionsbündnis „Wir zahlen nicht für Eure Krise!“. Zahlreiche Gruppierungen, darunter die ISO Rhein-Neckar, unterstützten die Zusammenkunft. Avanti² berichtete in Nr. 142 von Juni 2026.
H.N., 24. Juni 2026
In diesem Vortrag werde ich zunächst einen kurzen Überblick über den globalen Gesamtkontext geben, in dem wir uns befinden. Anschließend werde ich einige Anmerkungen zum Phänomen Donald Trump und zu dem, was ich als „Trumpismus“ bezeichne, machen. In diesem Teil meines Vortrags werde ich ganz kurz auf die umstrittene Frage eingehen, ob es sich hier um Faschismus handelt. Abschließend werde ich auf den Aufschwung gegen Trump und den Trumpismus eingehen – auf einige Stärken und Grenzen dieses Widerstands und darauf, was die Zukunft bringen mag. Doch zunächst wollen wir drei Aspekte unseres Gesamtkontexts skizzieren.

Veranstaltung mit Paul Le Blanc in Mannheim, 22. Mai 2026. (Foto: Privat.)
Aspekt Nr. 1: Wir befinden uns in einer Übergangsphase. So wie wir vor drei Jahrzehnten vom Zeitalter des Kalten Krieges in das Zeitalter der Globalisierung übergingen, sind wir nun in ein Zeitalter der Krise, des Chaos und des Zerfalls eingetreten. Die Struktur und Dynamik der Weltwirtschaft führen zu sich verschärfenden Ungleichheiten, Instabilitäten und Zerstörungskräften, die die Zukunft der menschlichen Zivilisation in Frage stellen. Dies geht einher mit einem starken Rechtsruck eines bedeutenden Teils der herrschenden Klasse, aber auch innerhalb der breiten Bevölkerung – obwohl dies von vielen anderen in dieser breiten Bevölkerung heftig bekämpft wird.
Der Rechtsextremismus von Donald Trump ist nur eine Ausprägung eines größeren, tieferen Trends. Der sich verschlechternden Lebensqualität für immer mehr der arbeitenden Mehrheiten der Welt stehen wachsender Autoritarismus, Irrationalität und imperialistische Gewalt gegenüber.
Am schwerwiegendsten ist jedoch eine unmittelbare Bedrohung für das Überleben der Menschheit: Eine rücksichtslose Marktwirtschaft, die darauf ausgelegt ist, die ohnehin schon unglaublich reichen Eliten weiter zu bereichern, steht in engem Zusammenhang mit der immensen Umweltzerstörung – die unsere Welt mit verheerenden Überschwemmungen, Waldbränden, Umweltverschmutzung, Klimawandel und vielem mehr überschwemmt.
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Aspekt Nr. 2: Es hat eine tiefgreifende Erosion und einen teilweisen Zusammenbruch der organisierten Arbeiterbewegung gegeben. Die Arbeiterbewegung der Vereinigten Staaten besteht als weitgehend bürokratische und wirkungslose Hülle dessen fort, was sie einst war. Damit verbunden ist ein allgemeiner Zerfall und das Verschwinden der traditionellen organisierten Linken in den Vereinigten Staaten. Dies kommt einer dramatischen Erosion der organisierten Quelle praktischer politischer Perspektiven, gesammelter Erfahrungen sowie erfahrener Kader und Organisatoren gleich.
Im späten 20. Jahrhundert waren die beiden Hauptströmungen der Linken im Wesentlichen reformistisch und mit der liberal-kapitalistischen Demokratischen Partei verflochten. Die eine war das sozialdemokratische Milieu, dessen Kern die Sozialistische Partei bildete. Die andere war das stalinistische und poststalinistische Milieu, dessen Kern die Kommunistische Partei bildete.
Hinzu kam eine Vielzahl unabhängiger Marxisten, linker Pazifisten, Trotzkisten und Möchtegern-Trotzkisten, eine einst starke Basisbewegung der Maoisten sowie aufeinanderfolgende Wellen einer sehr breiten, etwas nebulösen, aber lebhaft aktiven „Neuen Linken“. Ich glaube, dass dieses facettenreiche Spektrum vor allem aufgrund seiner komplexen Verflechtung mit der breiteren Arbeiterbewegung an Kohärenz und Gewicht gewann.
Mit dem Übergang vom Kalten Krieg zum Zeitalter der Globalisierung, mit dem Verblassen und der Erosion der linken Subkultur sowie mit der Überalterung und dem Wegfall von Kadern und Organisatoren gelang es den Organisationen der traditionellen Linken nicht, sich angemessen zu erneuern und zu verjüngen, sodass sie nur noch als fragmentarische Überreste weiterbestanden.
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Aspekt Nr. 3: Die gegenwärtige Ära der Krise, des Chaos und des Zerfalls hat unweigerlich eine radikalisierende Wirkung auf neue Schichten junger Menschen gehabt, die im Wesentlichen Teil einer prekären, aber wachsenden Arbeiterklasse sind. Dies spiegelte sich in der Occupy-Wall-Street-Bewegung, der Black-Lives-Matter-Bewegung, einer facettenreichen Frauenbefreiungsbewegung sowie in neuen Formen der gewerkschaftlichen Organisierung und Streikaktionen wider. Es zeigte sich in den Wahlkämpfen von Bernie Sanders und anderen bedeutenden Wahlkampagnen, die darauf abzielten, die sozialistische Idee in den Mainstream der US-Politik zu bringen, meist im Rahmen der Demokratischen Partei. Dies spiegelt sich auch im erheblichen Wachstum der Democratic Socialists of America (DSA) wider – mit einer Mitgliederzahl von 100.000. Obwohl von sozialdemokratischem Reformismus beeinflusst, ist die DSA ein Anziehungspunkt für eine Vielzahl radikaler Strömungen.
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Veranstaltung mit Paul Le Blanc in Mannheim, 22. Mai 2026. (Foto: Privat.)
Und nun zu Trump und dem Trumpismus. Jeden Tag berichtet eine Flut von Schlagzeilen über neue und oft missglückte Entwicklungen im Zusammenhang mit der Trump-Regierung: schreckliche, aber oft ungeschickte Politik der imperialistischen Expansion und Übergriffigkeit – von Gaza über Venezuela bis hin zum Iran-Fiasko, zu Drohungen nicht nur gegen Kuba, sondern auch gegen Grönland und sogar Kanada; die Verschärfung der brutalen (aber offenbar nicht auf Dauer tragbaren) Unterdrückung von Einwanderern; zunehmende Skandale im Zusammenhang mit den unsachgemäß geführten Akten einer mani- pulativen und einflussreichen Person, die zu Trumps engsten Freunden zählte – dem verstorbenen Sexualstraftäter Jeffrey Epstein; und eine Wirtschaftspolitik, die unverhohlen darauf ausgerichtet ist, Milliardären zu nützen, nun aber verheerende Folgen für die meisten Amerikaner hat. Solche Dinge tragen zum Zerfall des Regimes bei – zum Nachteil von Trumps Unterstützung in der Bevölkerung und seiner Regierungsfähigkeit. Doch hier möchte ich mich nicht auf die jüngsten Schlagzeilen konzentrieren, sondern auf die zugrunde liegende Ideologie und die sozialen Kräfte hinter dem Trump-Regime sowie auf eine Untersuchung unseres wachsenden Widerstands gegen Trump.
Bevor wir die Ideologie untersuchen, die manchmal als Trumpismus bezeichnet wird, sollten wir innehalten und über die Mittelmäßigkeit nachdenken, mit deren Namen dieser „Ismus“ identifiziert wird.
Zu Trumps Eigenschaften gehören zweifellos Arroganz und Bigotterie, und er ist berüchtigt dafür, ein grundsätzlich unehrlicher Mensch zu sein, mit einer Neigung zum Tyrannisieren und Prahlen. Er ist ein sich selbst vermarktender „Drauf- gänger“, der zwanghaft seine Erfolge hervorhebt, aber auch behauptet, weiter gekommen zu sein und mehr erreicht zu haben, als das tatsächlich der Fall ist. Als ignoranter Mann, der seine Unwissenheit verherrlicht (mit der aggressiven Behauptung „Ich lese keine Bücher!“), gibt er vor, weit mehr zu wissen, als er tatsächlich weiß. Er übertreibt die Wertschätzung, die ihm die Menschen entgegenbringen, und schreibt sich Erfolge zu, die nicht seine eigenen sind.
Sein Status als Milliardär hat all dem, was zur narzisstischen Selbstinszenierung der Person Trump gehört, zusätzlichen Glanz, Ressourcen und Autorität verliehen. Er ist durch und durch und mit großem Stolz ein Kapitalist, und es gibt vierunddreißig Verurteilungen wegen schwerer Straftaten, die viele dazu veranlassen, ihn als Gauner zu bezeichnen.
Einige Kritiker behaupten, Trump sei ein Faschist. Andere bezweifeln, dass er konsequent und kohärent genug ist, um die Rolle eines Benito Mussolini oder eines Adolf Hitler zu spielen. Der Begriff „Faschist“ ist zweifellos zu einer frei verwendeten Beleidigung geworden, die auf Ideen, Praktiken und Men- schen angewendet wird, die wir verabscheuen. Trump selbst verwendet ihn (und vermischt ihn mit Begriffen wie „Marxisten“, „Kommunisten“, „Terroristen“ und „sehr böse Menschen“), um Feinde anzuprangern, die im Gerichtssaal, in den Mainstream-Medien, in der Regierung und in der Demokratischen Partei lauern.
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Protest gegen Trump in San Francisco, 19. November 2016. (Foto: Gemeinfrei. CC BY-SA 4.0.)
Wie diszipliniert und zielstrebig ist Trump als politischer Führer? Er lässt sich kaum positiv mit einem Winston Churchill oder einem Ronald Reagan vergleichen, geschweige denn mit einem Mussolini oder einem Hitler. Was jedoch als „Trumpismus“ bezeichnet werden kann, geht über die Dysfunktionalität, die Korruption und das verzweifelte, aber gefährliche Herumtaumeln dieses alternden Mannes und seines Regimes hinaus.
Mehrere wesentliche Elemente tragen dazu bei, das zu definieren, was wir als Trumpismus bezeichnen. Ein Element ist bewaffnet und gefährlich: die Kräfte, die sich am 6. Januar 2021 zusammenschlossen, um das Kapitol zu stürmen, darunter die Proud Boys, die Oath Keepers, militante Teile der Tea-Party-Bewegung, moderne Anhänger der alten Konföderierten Staaten sowie verschiedene Nazi- und White-Supremacist-Gruppen. Diese einst marginalisierten Elemente drangen in den politischen Mainstream vor und sind unter der aktiven Förderung durch Trump und andere in seinem Umfeld erheblich gewachsen. Doch dieser gerissene, habgierige, zutiefst begrenzte Mensch und seine Gefolgsleute waren kaum in der Lage, sie zu kontrollieren.
Tatsächlich kann die riesige und vielfältige „Make America Great Again“-Bewegung insgesamt nicht als unter seiner Kontrolle stehend verstanden werden. In Teile dieser Pro-Trump-Wählerschaft hat sich etwas eingemischt, das als „christlicher Nationalismus“ bezeichnet wird. Dieser lehnt die in der Unabhängigkeitserklärung verankerten Ideale der radikalen Demokratie ab und behauptet, die USA seien von Christen gegrün- det worden, die eine christliche Nation auf der Grundlage von Gottes Willen errichten wollten – so wie ihn rechtsgerichtete Fundamentalisten definieren, die den Gedanken einer Demokratie der Gleichberechtigung als eine mit dem Christentum unvereinbare Häresie betrachten.
Ein weiteres wesentliches Element des Trumpismus findet sich in einem ganz anderen Zusammenschluss konservativer Organisationen und Persönlichkeiten, die im Rahmen des „Project 2025“ der Heritage Foundation zusammengeführt wurden. Die in den 1970er Jahren gegründete Heritage Founda- tion dient seit der Präsidentschaft Reagans als Zentrum für konservative Wissenschaftler, Intellektuelle und politische Entscheidungsträger.
Ihr jüngstes großes Projekt war das 900-seitige Werk „Mandate for Leadership: The Conservative Promise“, das als Leitfaden für die Politikgestaltung einer zweiten Trump-Regie- rung dienen soll. In der Selbstbeschreibung heißt es: „Dieses Buch ist das Ergebnis der Arbeit von mehr als 400 Wissenschaftlern und Politikexperten aus der gesamten konservativen Bewegung und dem ganzen Land. Zu den Mitwirkenden zählen ehemalige gewählte Amtsträger, weltbekannte Ökonomen sowie Vertreter aus vier Präsidentschaftsregierungen.“
Das Fazit dieses konservativen Manifests ist eine Verteidigung des ungezügelten Kapitalismus. Das vorrangige Ziel des US-Präsidenten, so wird uns gesagt, sollte darin bestehen, „das dynamische Genie der freien Marktwirtschaft“ zu entfesseln. Dies geht Hand in Hand mit Vorschlägen zur Errichtung eines zentralistischen autoritären Regimes, um eine breite Palette rechter Politikmaßnahmen durchzusetzen.
Ein wesentliches Element des Trumpismus war die Republikanische Partei. Führende Persönlichkeiten und Mitarbeiter dieser Partei – wie es auch beim konservativen Mainstream ins- gesamt der Fall war – waren ursprünglich keine Trump-Anhänger.
Ein sachkundiger ehemaliger republikanischer Funktionär erklärte jedoch, dass er und andere wie er, um Wahlen zu gewinnen, „Argumente vorbrachten, an die keiner von uns glaubte“, und „die Menschen dazu brachten, sich über Probleme zu ärgern, die wir weder lösen wollten noch lösen konnten“. Er gesteht, dass dabei oft ein stiller und unausgesprochener Rassismus zum Einsatz kam. „Diese Taktiken blieben nicht nur unbehindert, sondern wurden durch ein rechtsgerichtetes Medienökosystem, mit dem wir unter einer Decke steckten und das seine eigenen ruchlosen Motive hatte, noch verstärkt – es sammelte Klicks und Aufrufe durch das Schüren von Wut, ohne die Absicht, etwas zu liefern, das den Alltag der einfachen Menschen bereichern könnte.“
Ein anderer ehemaliger republikanischer Funktionär betont, es sei ein Irrtum, Trump als jemanden zu betrachten, der die Republikanische Partei „gekapert“ habe. Stattdessen sei Trump „die logische Konsequenz dessen, was aus der Republikanischen Partei in den letzten − etwa fünfzig − Jahren geworden ist“, ein natürliches Produkt der Keime von Rassismus, Selbsttäuschung und Wut, die zum Wesen der Republikanischen Partei geworden sind.
Unabhängig davon, was mit Trump geschieht, wird uns das übergeordnete Phänomen des Trumpismus noch einige Zeit begleiten. „Trump ist nicht die Krankheit, er ist das Symptom“, so beschrieb es Chris Hedges. „Trump baute tatsächlich auf einem Unbehagen auf, das in den Vereinigten Staaten bereits weit verbreitet war.“
Es handelt sich um ein globales Phänomen, an dem einflussreiche Bewegungen und mitunter auch Regierungen in einer Vielzahl von Ländern beteiligt sind: Argentinien, Brasilien, Frankreich, Griechenland, Ungarn, Indien, Italien, Russland, die Türkei, die USA und weitere. Zur Beschreibung der aktuellen Entwicklungen wird eine Kombination verschiedener Begriffe verwendet – Rechtspopulismus, autoritärer, fremdenfeind- licher Ultranationalismus usw. –, die alle darauf abzielen, dessen komplexen Inhalt zu erfassen.
Manchmal wird der Begriff „Faschismus“ verwendet, doch scheint es im gegenwärtigen Moment passender, dies als „Faschismus im Entstehen“ zu begreifen. Wir haben es mit etwas zu tun, das noch kein faschistisches Regime ist. Es gibt Raum für Proteste und Organisierung gegen das, wofür Trump steht. Es gibt breite Kräfte, nicht nur auf der Linken, die sich ihm entgegenstellen. Liberale und Gemäßigte der Demokratischen Partei haben bei der Organisation der jüngsten Proteste mitgeholfen und sehen den Trumpismus als Bedrohung für die Stabilität und für jedes kohärente, dauerhafte System. Wir Linken müssen mit einigen dieser Kräfte zusammenarbeiten, wo Übereinstimmung besteht, aber ab einem bestimmten Punkt müssen wir über das hinausgehen, wofür einige dieser Leute stehen, denn sie sind Teil des Problems.
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Um dem Trumpismus wirksam Widerstand zu leisten, müssen wir ihn verstehen – doch um das angemessen zu tun, müssen wir über den Trumpismus hinausblicken. Von den Liberalen und Gemäßigten der Demokratischen Partei bis hin zu den gemäßigt konservativen Republikanern hat sich das alte politische Establishment in den letzten Jahrzehnten diskreditiert: Probleme ignorieren, Probleme angehen, Probleme nicht angehen, unfähig sein, Probleme anzugehen, die einer großen Zahl von Menschen schaden und einer großen Zahl von Menschen Angst machen.
Der amerikanische Traum, an den die Mehrheit der US-Amerikaner glaubte und von dem sie hoffte, ihn endlich genießen zu können, ist zerbrochen und scheint zu verblassen. Die Demokraten und die Republikaner der alten Garde waren nicht in der Lage, sich dem zu stellen. Sie haben darüber gelogen und gesagt: „Oh nein, alles ist in Ordnung.“ Aber die Menschen wussten, dass nicht alles in Ordnung war, und dies führte zu einer Radikalisierung innerhalb der US-Bevölkerung, innerhalb der US-Arbeiterklasse, innerhalb der Wählerschaft.
Ein weiterer Aspekt der Erfahrungen der Arbeiterklasse ist, dass die Arbeiterbewegung, die Gewerkschaften, die mit der Demokratischen Partei verbunden waren, sich zunehmend als unfähig erwiesen, den Arbeitern zu helfen. Die Gewerkschaften wurden immer mehr als wichtige Kraft von der US-amerikanischen wirtschaftlichen und politischen Bühne verdrängt.
Menschen, die leiden und deren Leben zunehmend aus den Fugen gerät, suchen nach Lösungen. Die Lösungen, die die Demokratische Partei und die alte Version der Republikanischen Partei anbieten, funktionieren nicht mehr.
Trump präsentierte eine neue Sichtweise, die bisher nicht zum politischen Mainstream in den USA gehörte. Er machte alle möglichen überzogenen Versprechungen, während er Menschen mit anderer Hautfarbe und Einwanderer attackierte und zum Sündenbock machte, indem er behauptete, sie seien das Problem. Trump wurde als der Mann dargestellt, der dieses Problem „lösen“ würde.
Ein großer Teil der amerikanischen Bevölkerung – wenn auch keine Mehrheit – hat sich von dieser Sichtweise angezogen gefühlt. Auch ein Teil der herrschenden Klasse der USA (nicht die gesamte, aber ein Teil) ist zu dem Schluss gekommen, dass Trumps autoritäre Politik dazu beitragen kann, eine gewisse Stabilität aufrechtzuerhalten. Die Instabilität bedroht ihre Profite und ihr System, daher sind sie bereit, sich ihm anzuschließen.
Eine solche Situation gab es in der Zeit des Vietnamkriegs in den 1960er und frühen 1970er Jahren nicht in gleicher Weise. Damals konnten die Menschen Illusionen über die langfristige Tragfähigkeit des Systems hegen – Illusionen, die heute schwerer aufrechtzuerhalten sind. Dies wirkt sich darauf aus, welche Art von Politikern die Menschen heute eher unterstützen und nach welchen Lösungen sie suchen. Dies führt zu einer komplexeren Situation, als einer, die vermutlich einfach durch die Beendigung des Krieges und die Einführung von Bürgerrechts- gesetzen zur Förderung der Chancengleichheit für alle gelöst werden könnte. Auf diese Komplexität werden wir in wenigen Augenblicken zurückkommen.
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Während eines Großteils des zwanzigsten Jahrhunderts war die organisierte Linke eine dynamische Kraft von beträchtlicher Bedeutung in den USA. Unter den Arbeitenden und Unterdrückten mobilisierte sie wirksame Kämpfe, die echte Siege errangen. Sie weckte Hoffnungen auf weitere wirksame Kämpfe, die die Menschenrechte voranbringen, das Leben der Mehrheit der arbeitenden Klasse verbessern und eine bessere Welt hervorbringen würden. Unter den Reichen und Mächtigen weckte sie Angst und Wut.
Bis zum Ende des zwanzigsten Jahrhunderts war die organisierte Linke jedoch weitgehend in der Demokratischen Partei aufgegangen. Ein Teil ihrer Rhetorik, viele ihrer Werte und ein Großteil ihrer Reformagenda (oft in abgeschwächter Form) waren nun in dieser Partei zu finden. Ein aufrichtiges und konkretes Bekenntnis, die wirtschaftliche Diktatur des Kapitalismus durch die wirtschaftliche Demokratie des Sozialismus zu ersetzen, stand jedoch nicht mehr zur Debatte.
Tatsächlich sind die mächtigsten Kräfte, die die Demokratische Partei dominieren, eng mit der kapitalistischen Wirtschaft verflochten, und da der Kapitalismus in eine Ära des Zerfalls und Verfalls eingetreten ist, hatten sie keine wirklichen Lösungen anzubieten. Abgesehen von Wahlkampfrhetorik sind sie unfähig, eine dauerhafte Alternative zum Trumpismus zu bieten. Seit Jahrzehnten haben sie die Interessen der arbeitenden Klasse verraten, um die kapitalistische Profitabilität aufrechtzuerhalten, und damit verheerenden Schaden an der Basis der arbeitenden Klasse angerichtet.
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Frauenmarsch gegen Trump in Washington, 21. Januar 2017. (Foto: Gemeinfrei. CC BY-SA 2.0.)
Im vergangenen Jahr gab es Wellen von Protestdemonstrationen. Die erste große fand im April 2025 unter dem Motto „Hands Off“ statt. „Hands Off“ vom Gesundheitssystem, vom Bildungssystem und von verschiedenen anderen Dingen, die vom Trump-Regime demontiert oder angegriffen werden. Darauf folgten kleinere, aber dennoch massive Maikundgebungen, die sich vor allem auf soziale und wirtschaftliche Themen in den Vereinigten Staaten konzentrierten, aber auch einige Bezüge zur Außenpolitik hatten – Palästina, Ukraine und so weiter.
Die größten Demonstrationen von allen waren die „No Kings“-Demonstrationen: Es kam zu einer massiven Welle der Wut, der Empörung und der Spott über Trumps Anmaßungen, beliebt und mächtig zu sein und so weiter. Die Menschen riefen: „Keine Könige!“, und viele warfen ihm vor, ein Faschist, ein Totalitarist, ein Diktator zu sein. Sicherlich ist er autoritär. Es herrschte Einigkeit darüber, die Prinzipien der revolutionären Unabhängigkeitserklärung und der eher konservativen US-Verfassung zu verteidigen – beides tritt er mit Füßen. Diese Massenaktionen des Widerstands haben sich bis ins Frühjahr 2026 fortgesetzt.
Pro-Trump-Kräfte sind nicht annähernd in der Lage, etwas in diesem Ausmaß zu mobilisieren. Trump behauptet, ein überwältigendes Mandat des US-amerikanischen Volkes zu haben, und das ist eine Lüge. Er mag zwar die Mehrheit der Wahlmännerstimmen gewonnen haben, aber sicherlich keine erdrutschartige Mehrheit. Und er hat keine absolute Mehrheit unter dem amerikanischen Volk erhalten. Er konnte 2024 zwar mehr Stimmen der Bevölkerung auf sich vereinen als seine Konkurrenten, doch sein Mandat ist hauchdünn. Und ich glaube, dass er seine eigene Unterstützerbasis mit einer Politik untergräbt, die uns allen schadet.
Massenmobilisierungen auf den Straßen von Los Angeles, Minneapolis, Chicago und anderswo haben die konzertierten und gewalttätigen Bemühungen der in diese Städte entsandten Trump-Kräfte zunichte gemacht, die darauf abzielten, den Widerstand gegen die Politik des Trumpismus einzuschüchtern und zu überwältigen. Diese Politik wird von einem harten Kern von Trump-Anhängern unterstützt, in der Überzeugung, dass dies Amerika wieder groß machen wird. Doch die Herzen und Köpfe der Mehrheit sind nicht in diesem rechten harten Kern zu finden. Chancengleichheit für alle und ein besseres Leben für alle – die Dinge, die für den amerikanischen Traum von zentraler Bedeutung waren – stehen derzeit nicht auf der Tagesordnung. Immer mehr Menschen sehen sich mit dieser Realität konfrontiert und denken ihre Situation auf neue Weise durch. Es findet eine Radikalisierung statt.
Ein Teil davon hat eine rechtsautoritäre Richtung eingeschlagen, aber es sind derzeit auch mehr linke Ideen im Umlauf als noch zu Beginn dieses Jahrhunderts. Im Wahlkampf und in der Bildungsarbeit hat Bernie Sanders die Idee des Sozialismus als Lösung vorangetrieben. Das Gleiche gilt für eine radikale Gruppe von Abgeordneten im Kongress. Am drama- tischsten war, dass Zohran Mamdani, der offen als demokratischer Sozialist kandidierte, mit überwältigender Mehrheit zum Bürgermeister von New York City gewählt wurde.
All dies hat große Auswirkungen gehabt. Die Art und Weise, wie diese Persönlichkeiten den Sozialismus definieren, ist tendenziell vage und unklar, und meiner Meinung nach gehen sie manchmal zu weit in den Kompromissen, die sie mit dem politischen Establishment und dem kapitalistischen System eingehen. Aber die Idee des Sozialismus, der wirtschaftlichen Demokratie, einer Wirtschaft, die von der Mehrheit der Menschen (also der arbeitenden Klasse) kontrolliert wird, ist Teil der Lösung. Das ist für manche Menschen schwer zu begreifen oder zu akzeptieren, aber die Realitäten sind derzeit im Fluss, und es herrscht enorme Unzufriedenheit.
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Wie die jüngsten Demonstrationen zeigen, wächst die Ablehnung gegenüber Trumps sogenannten Lösungen, die in Wirklichkeit nur Scheinlösungen sind. Dieser Prozess mag einige der schlimmsten Aspekte von Trumps Politik stoppen oder zurückdrängen. Doch solche Proteste und Akte des Widerstands allein werden die zugrunde liegenden Probleme nicht lösen. Diese Probleme bleiben bestehen.
Einige Menschen, die sich an den Protesten und dem Widerstand beteiligen, hegen immer noch Illusionen in Bezug auf die Demokratische Partei. Doch in den Augen einer beträchtlichen Anzahl von Menschen ist das keine glaubwürdige Lösung für die Probleme, mit denen wir konfrontiert sind. Der Massenkampf, der ausgebrochen ist, ist sehr ermutigend. Liberale und Gemäßigte der Demokratischen Partei haben natürlich bei der Organisation der jüngsten Proteste mitgeholfen, und gemeinsam mit noch konservativeren Kräften sehen sie den Trumpismus als Bedrohung für die Stabilität und für jedes kohärente, dauerhafte System.
Wir von der politischen Linken müssen, soweit möglich und wo Übereinstimmung besteht, mit einigen dieser Kräfte zusammenarbeiten. Aber ab einem bestimmten Punkt müssen wir über das hinausgehen, wofür einige dieser Leute stehen, denn sie sind Teil des Problems. Sie haben durch ihre eigenen Grenzen und Unzulänglichkeiten dazu beigetragen, Trump ins Amt zu bringen. Wir Sozialisten müssen sozialistische Perspektiven auf eine Weise vertreten, die für die Menschen Sinn ergibt. Dies muss mit konkreten Kämpfen verbunden sein, um die Situation zu verbessern und die Interessen der arbeitenden Klasse hier und jetzt zu schützen. Man muss sich jedoch bewusst sein, dass dies nur erste Schritte sind und wir noch viel weiter gehen müssen.
Das derzeitige Wirtschaftssystem wird die Verbesserungen und Schutzmaßnahmen, für die wir kämpfen, weiterhin untergraben – und diejenigen, die das derzeitige System kontrollieren, werden alles in ihrer Macht Stehende tun, um unsere Bemühungen zur Durchsetzung eines menschenwürdigen Lebens für alle zu untergraben und zunichte zu machen. Stattdessen brauchen wir eine Wirtschaftsdemokratie: Das ist es, was Sozialismus ausmacht.
Die Massenproteste müssen weitergehen, reichen aber allein nicht aus. Kämpfe zur Verbesserung der Lebensbedingungen der Menschen hier und jetzt sind notwendig, aber die Menschen müssen verstehen, dass diese – für sich genommen – nicht genügen werden. Wenn massenhaft Menschen durch ihre eigenen Lebenserfahrungen zu dieser Einsicht gelangen, wird ein revolutionärer Durchbruch möglich. Ich glaube, dass ein solcher Durchbruch davon abhängen wird, ob die linken und sozialistischen Kräfte in den Vereinigten Staaten in der Lage sind, so zu wachsen und zu reifen, dass sie dazu beitragen können, dies zu verwirklichen.
