Die Lage in den Ver­ei­nig­ten Staaten

 

Paul Le Blanc


Redak­tio­nel­le Vorbemerkung
Wir geben im Fol­gen­den den von uns aus dem US-ame­ri­ka­ni­schen Eng­lisch über­setz­ten Vor­trag wie­der, den Paul Le Blanc am 22. Mai 2026 bei der Ver­an­stal­tung „Trump, Trum­pis­mus und die USA. Wel­che Bedro­hun­gen, wel­che Gegen­wehr?“ im Mann­hei­mer Gewerk­schafts­haus gehal­ten hat. Orga­ni­sa­tor des gut besuch­ten Info­abends war das Akti­ons­bünd­nis „Wir zah­len nicht für Eure Kri­se!“. Zahl­rei­che Grup­pie­run­gen, dar­un­ter die ISO Rhein-Neckar, unter­stütz­ten die Zusam­men­kunft. Avan­ti² berich­te­te in Nr. 142 von Juni 2026.

H.N., 24. Juni 2026


In die­sem Vor­trag wer­de ich zunächst einen kur­zen Über­blick über den glo­ba­len Gesamt­kon­text geben, in dem wir uns befin­den. Anschlie­ßend wer­de ich eini­ge Anmer­kun­gen zum Phä­no­men Donald Trump und zu dem, was ich als „Trum­pis­mus“ bezeich­ne, machen. In die­sem Teil mei­nes Vor­trags wer­de ich ganz kurz auf die umstrit­te­ne Fra­ge ein­ge­hen, ob es sich hier um Faschis­mus han­delt. Abschlie­ßend wer­de ich auf den Auf­schwung gegen Trump und den Trum­pis­mus ein­ge­hen – auf eini­ge Stär­ken und Gren­zen die­ses Wider­stands und dar­auf, was die Zukunft brin­gen mag. Doch zunächst wol­len wir drei Aspek­te unse­res Gesamt­kon­texts skizzieren.

Veranstaltung mit Paul Le Blanc in Mannheim, 22. Mai 2026.  (Foto: Privat.)

Ver­an­stal­tung mit Paul Le Blanc in Mann­heim, 22. Mai 2026. (Foto: Privat.)

Aspekt Nr. 1: Wir befin­den uns in einer Über­gangs­pha­se. So wie wir vor drei Jahr­zehn­ten vom Zeit­al­ter des Kal­ten Krie­ges in das Zeit­al­ter der Glo­ba­li­sie­rung über­gin­gen, sind wir nun in ein Zeit­al­ter der Kri­se, des Cha­os und des Zer­falls ein­ge­tre­ten. Die Struk­tur und Dyna­mik der Welt­wirt­schaft füh­ren zu sich ver­schär­fen­den Ungleich­hei­ten, Insta­bi­li­tä­ten und Zer­stö­rungs­kräf­ten, die die Zukunft der mensch­li­chen Zivi­li­sa­ti­on in Fra­ge stel­len. Dies geht ein­her mit einem star­ken Rechts­ruck eines bedeu­ten­den Teils der herr­schen­den Klas­se, aber auch inner­halb der brei­ten Bevöl­ke­rung – obwohl dies von vie­len ande­ren in die­ser brei­ten Bevöl­ke­rung hef­tig bekämpft wird.

Der Rechts­extre­mis­mus von Donald Trump ist nur eine Aus­prä­gung eines grö­ße­ren, tie­fe­ren Trends. Der sich ver­schlech­tern­den Lebens­qua­li­tät für immer mehr der arbei­ten­den Mehr­hei­ten der Welt ste­hen wach­sen­der Auto­ri­ta­ris­mus, Irra­tio­na­li­tät und impe­ria­lis­ti­sche Gewalt gegenüber.

Am schwer­wie­gends­ten ist jedoch eine unmit­tel­ba­re Bedro­hung für das Über­le­ben der Mensch­heit: Eine rück­sichts­lo­se Markt­wirt­schaft, die dar­auf aus­ge­legt ist, die ohne­hin schon unglaub­lich rei­chen Eli­ten wei­ter zu berei­chern, steht in engem Zusam­men­hang mit der immensen Umwelt­zer­stö­rung – die unse­re Welt mit ver­hee­ren­den Über­schwem­mun­gen, Wald­brän­den, Umwelt­ver­schmut­zung, Kli­ma­wan­del und vie­lem mehr überschwemmt.

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Aspekt Nr. 2: Es hat eine tief­grei­fen­de Ero­si­on und einen teil­wei­sen Zusam­men­bruch der orga­ni­sier­ten Arbei­ter­be­we­gung gege­ben. Die Arbei­ter­be­we­gung der Ver­ei­nig­ten Staa­ten besteht als weit­ge­hend büro­kra­ti­sche und wir­kungs­lo­se Hül­le des­sen fort, was sie einst war. Damit ver­bun­den ist ein all­ge­mei­ner Zer­fall und das Ver­schwin­den der tra­di­tio­nel­len orga­ni­sier­ten Lin­ken in den Ver­ei­nig­ten Staa­ten. Dies kommt einer dra­ma­ti­schen Ero­si­on der orga­ni­sier­ten Quel­le prak­ti­scher poli­ti­scher Per­spek­ti­ven, gesam­mel­ter Erfah­run­gen sowie erfah­re­ner Kader und Orga­ni­sa­to­ren gleich.

Im spä­ten 20. Jahr­hun­dert waren die bei­den Haupt­strö­mun­gen der Lin­ken im Wesent­li­chen refor­mis­tisch und mit der libe­ral-kapi­ta­lis­ti­schen Demo­kra­ti­schen Par­tei ver­floch­ten. Die eine war das sozi­al­de­mo­kra­ti­sche Milieu, des­sen Kern die Sozia­lis­ti­sche Par­tei bil­de­te. Die ande­re war das sta­li­nis­ti­sche und post­sta­li­nis­ti­sche Milieu, des­sen Kern die Kom­mu­nis­ti­sche Par­tei bildete.

Hin­zu kam eine Viel­zahl unab­hän­gi­ger Mar­xis­ten, lin­ker Pazi­fis­ten, Trotz­kis­ten und Möch­te­gern-Trotz­kis­ten, eine einst star­ke Basis­be­we­gung der Mao­is­ten sowie auf­ein­an­der­fol­gen­de Wel­len einer sehr brei­ten, etwas nebu­lö­sen, aber leb­haft akti­ven „Neu­en Lin­ken“. Ich glau­be, dass die­ses facet­ten­rei­che Spek­trum vor allem auf­grund sei­ner kom­ple­xen Ver­flech­tung mit der brei­te­ren Arbei­ter­be­we­gung an Kohä­renz und Gewicht gewann.

Mit dem Über­gang vom Kal­ten Krieg zum Zeit­al­ter der Glo­ba­li­sie­rung, mit dem Ver­blas­sen und der Ero­si­on der lin­ken Sub­kul­tur sowie mit der Über­al­te­rung und dem Weg­fall von Kadern und Orga­ni­sa­to­ren gelang es den Orga­ni­sa­tio­nen der tra­di­tio­nel­len Lin­ken nicht, sich ange­mes­sen zu erneu­ern und zu ver­jün­gen, sodass sie nur noch als frag­men­ta­ri­sche Über­res­te weiterbestanden.

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Aspekt Nr. 3: Die gegen­wär­ti­ge Ära der Kri­se, des Cha­os und des Zer­falls hat unwei­ger­lich eine radi­ka­li­sie­ren­de Wir­kung auf neue Schich­ten jun­ger Men­schen gehabt, die im Wesent­li­chen Teil einer pre­kä­ren, aber wach­sen­den Arbei­ter­klas­se sind. Dies spie­gel­te sich in der Occu­py-Wall-Street-Bewe­gung, der Black-Lives-Mat­ter-Bewe­gung, einer facet­ten­rei­chen Frau­en­be­frei­ungs­be­we­gung sowie in neu­en For­men der gewerk­schaft­li­chen Orga­ni­sie­rung und Streik­ak­tio­nen wider. Es zeig­te sich in den Wahl­kämp­fen von Ber­nie San­ders und ande­ren bedeu­ten­den Wahl­kam­pa­gnen, die dar­auf abziel­ten, die sozia­lis­ti­sche Idee in den Main­stream der US-Poli­tik zu brin­gen, meist im Rah­men der Demo­kra­ti­schen Par­tei. Dies spie­gelt sich auch im erheb­li­chen Wachs­tum der Demo­cra­tic Socia­lists of Ame­ri­ca (DSA) wider – mit einer Mit­glie­der­zahl von 100.000. Obwohl von sozi­al­de­mo­kra­ti­schem Refor­mis­mus beein­flusst, ist die DSA ein Anzie­hungs­punkt für eine Viel­zahl radi­ka­ler Strömungen.

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Veranstaltung mit Paul Le Blanc in Mannheim, 22. Mai 2026.  (Foto: Privat.)

Ver­an­stal­tung mit Paul Le Blanc in Mann­heim, 22. Mai 2026. (Foto: Privat.)

Und nun zu Trump und dem Trum­pis­mus. Jeden Tag berich­tet eine Flut von Schlag­zei­len über neue und oft miss­glück­te Ent­wick­lun­gen im Zusam­men­hang mit der Trump-Regie­rung: schreck­li­che, aber oft unge­schick­te Poli­tik der impe­ria­lis­ti­schen Expan­si­on und Über­grif­fig­keit – von Gaza über Vene­zue­la bis hin zum Iran-Fias­ko, zu Dro­hun­gen nicht nur gegen Kuba, son­dern auch gegen Grön­land und sogar Kana­da; die Ver­schär­fung der bru­ta­len (aber offen­bar nicht auf Dau­er trag­ba­ren) Unter­drü­ckung von Ein­wan­de­rern; zuneh­men­de Skan­da­le im Zusam­men­hang mit den unsach­ge­mäß geführ­ten Akten einer mani- pula­ti­ven und ein­fluss­rei­chen Per­son, die zu Trumps engs­ten Freun­den zähl­te – dem ver­stor­be­nen Sexu­al­straf­tä­ter Jef­frey Epstein; und eine Wirt­schafts­po­li­tik, die unver­hoh­len dar­auf aus­ge­rich­tet ist, Mil­li­ar­dä­ren zu nüt­zen, nun aber ver­hee­ren­de Fol­gen für die meis­ten Ame­ri­ka­ner hat. Sol­che Din­ge tra­gen zum Zer­fall des Regimes bei – zum Nach­teil von Trumps Unter­stüt­zung in der Bevöl­ke­rung und sei­ner Regie­rungs­fä­hig­keit. Doch hier möch­te ich mich nicht auf die jüngs­ten Schlag­zei­len kon­zen­trie­ren, son­dern auf die zugrun­de lie­gen­de Ideo­lo­gie und die sozia­len Kräf­te hin­ter dem Trump-Regime sowie auf eine Unter­su­chung unse­res wach­sen­den Wider­stands gegen Trump.

Bevor wir die Ideo­lo­gie unter­su­chen, die manch­mal als Trum­pis­mus bezeich­net wird, soll­ten wir inne­hal­ten und über die Mit­tel­mä­ßig­keit nach­den­ken, mit deren Namen die­ser „Ismus“ iden­ti­fi­ziert wird.

Zu Trumps Eigen­schaf­ten gehö­ren zwei­fel­los Arro­ganz und Bigot­te­rie, und er ist berüch­tigt dafür, ein grund­sätz­lich unehr­li­cher Mensch zu sein, mit einer Nei­gung zum Tyran­ni­sie­ren und Prah­len. Er ist ein sich selbst ver­mark­ten­der „Drauf- gän­ger“, der zwang­haft sei­ne Erfol­ge her­vor­hebt, aber auch behaup­tet, wei­ter gekom­men zu sein und mehr erreicht zu haben, als das tat­säch­lich der Fall ist. Als igno­ran­ter Mann, der sei­ne Unwis­sen­heit ver­herr­licht (mit der aggres­si­ven Behaup­tung „Ich lese kei­ne Bücher!“), gibt er vor, weit mehr zu wis­sen, als er tat­säch­lich weiß. Er über­treibt die Wert­schät­zung, die ihm die Men­schen ent­ge­gen­brin­gen, und schreibt sich Erfol­ge zu, die nicht sei­ne eige­nen sind.

Sein Sta­tus als Mil­li­ar­där hat all dem, was zur nar­ziss­ti­schen Selbst­in­sze­nie­rung der Per­son Trump gehört, zusätz­li­chen Glanz, Res­sour­cen und Auto­ri­tät ver­lie­hen. Er ist durch und durch und mit gro­ßem Stolz ein Kapi­ta­list, und es gibt vier­und­drei­ßig Ver­ur­tei­lun­gen wegen schwe­rer Straf­ta­ten, die vie­le dazu ver­an­las­sen, ihn als Gau­ner zu bezeichnen.

Eini­ge Kri­ti­ker behaup­ten, Trump sei ein Faschist. Ande­re bezwei­feln, dass er kon­se­quent und kohä­rent genug ist, um die Rol­le eines Beni­to Mus­so­li­ni oder eines Adolf Hit­ler zu spie­len. Der Begriff „Faschist“ ist zwei­fel­los zu einer frei ver­wen­de­ten Belei­di­gung gewor­den, die auf Ideen, Prak­ti­ken und Men- schen ange­wen­det wird, die wir ver­ab­scheu­en. Trump selbst ver­wen­det ihn (und ver­mischt ihn mit Begrif­fen wie „Mar­xis­ten“, „Kom­mu­nis­ten“, „Ter­ro­ris­ten“ und „sehr böse Men­schen“), um Fein­de anzu­pran­gern, die im Gerichts­saal, in den Main­stream-Medi­en, in der Regie­rung und in der Demo­kra­ti­schen Par­tei lauern.

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Protest gegen Trump in San Francisco, 19. November 2016. (Foto: Gemeinfrei. CC BY-SA 4.0.)

Pro­test gegen Trump in San Fran­cis­co, 19. Novem­ber 2016. (Foto: Gemein­frei. CC BY-SA 4.0.)

Wie dis­zi­pli­niert und ziel­stre­big ist Trump als poli­ti­scher Füh­rer? Er lässt sich kaum posi­tiv mit einem Win­s­ton Chur­chill oder einem Ronald Rea­gan ver­glei­chen, geschwei­ge denn mit einem Mus­so­li­ni oder einem Hit­ler. Was jedoch als „Trum­pis­mus“ bezeich­net wer­den kann, geht über die Dys­funk­tio­na­li­tät, die Kor­rup­ti­on und das ver­zwei­fel­te, aber gefähr­li­che Her­um­tau­meln die­ses altern­den Man­nes und sei­nes Regimes hinaus.

Meh­re­re wesent­li­che Ele­men­te tra­gen dazu bei, das zu defi­nie­ren, was wir als Trum­pis­mus bezeich­nen. Ein Ele­ment ist bewaff­net und gefähr­lich: die Kräf­te, die sich am 6. Janu­ar 2021 zusam­men­schlos­sen, um das Kapi­tol zu stür­men, dar­un­ter die Proud Boys, die Oath Kee­pers, mili­tan­te Tei­le der Tea-Par­ty-Bewe­gung, moder­ne Anhän­ger der alten Kon­fö­de­rier­ten Staa­ten sowie ver­schie­de­ne Nazi- und White-Supre­macist-Grup­pen. Die­se einst mar­gi­na­li­sier­ten Ele­men­te dran­gen in den poli­ti­schen Main­stream vor und sind unter der akti­ven För­de­rung durch Trump und ande­re in sei­nem Umfeld erheb­lich gewach­sen. Doch die­ser geris­se­ne, hab­gie­ri­ge, zutiefst begrenz­te Mensch und sei­ne Gefolgs­leu­te waren kaum in der Lage, sie zu kontrollieren.

Tat­säch­lich kann die rie­si­ge und viel­fäl­ti­ge „Make Ame­ri­ca Gre­at Again“-Bewegung ins­ge­samt nicht als unter sei­ner Kon­trol­le ste­hend ver­stan­den wer­den. In Tei­le die­ser Pro-Trump-Wäh­ler­schaft hat sich etwas ein­ge­mischt, das als „christ­li­cher Natio­na­lis­mus“ bezeich­net wird. Die­ser lehnt die in der Unab­hän­gig­keits­er­klä­rung ver­an­ker­ten Idea­le der radi­ka­len Demo­kra­tie ab und behaup­tet, die USA sei­en von Chris­ten gegrün- det wor­den, die eine christ­li­che Nati­on auf der Grund­la­ge von Got­tes Wil­len errich­ten woll­ten – so wie ihn rechts­ge­rich­te­te Fun­da­men­ta­lis­ten defi­nie­ren, die den Gedan­ken einer Demo­kra­tie der Gleich­be­rech­ti­gung als eine mit dem Chris­ten­tum unver­ein­ba­re Häre­sie betrachten.

Ein wei­te­res wesent­li­ches Ele­ment des Trum­pis­mus fin­det sich in einem ganz ande­ren Zusam­men­schluss kon­ser­va­ti­ver Orga­ni­sa­tio­nen und Per­sön­lich­kei­ten, die im Rah­men des „Pro­ject 2025“ der Heri­ta­ge Foun­da­ti­on zusam­men­ge­führt wur­den. Die in den 1970er Jah­ren gegrün­de­te Heri­ta­ge Foun­da- tion dient seit der Prä­si­dent­schaft Rea­gans als Zen­trum für kon­ser­va­ti­ve Wis­sen­schaft­ler, Intel­lek­tu­el­le und poli­ti­sche Entscheidungsträger.

Ihr jüngs­tes gro­ßes Pro­jekt war das 900-sei­ti­ge Werk „Man­da­te for Lea­der­ship: The Con­ser­va­ti­ve Pro­mi­se“, das als Leit­fa­den für die Poli­tik­ge­stal­tung einer zwei­ten Trump-Regie- rung die­nen soll. In der Selbst­be­schrei­bung heißt es: „Die­ses Buch ist das Ergeb­nis der Arbeit von mehr als 400 Wis­sen­schaft­lern und Poli­tik­ex­per­ten aus der gesam­ten kon­ser­va­ti­ven Bewe­gung und dem gan­zen Land. Zu den Mit­wir­ken­den zäh­len ehe­ma­li­ge gewähl­te Amts­trä­ger, welt­be­kann­te Öko­no­men sowie Ver­tre­ter aus vier Präsidentschaftsregierungen.“

Das Fazit die­ses kon­ser­va­ti­ven Mani­fests ist eine Ver­tei­di­gung des unge­zü­gel­ten Kapi­ta­lis­mus. Das vor­ran­gi­ge Ziel des US-Prä­si­den­ten, so wird uns gesagt, soll­te dar­in bestehen, „das dyna­mi­sche Genie der frei­en Markt­wirt­schaft“ zu ent­fes­seln. Dies geht Hand in Hand mit Vor­schlä­gen zur Errich­tung eines zen­tra­lis­ti­schen auto­ri­tä­ren Regimes, um eine brei­te Palet­te rech­ter Poli­tik­maß­nah­men durchzusetzen.

Ein wesent­li­ches Ele­ment des Trum­pis­mus war die Repu­bli­ka­ni­sche Par­tei. Füh­ren­de Per­sön­lich­kei­ten und Mit­ar­bei­ter die­ser Par­tei – wie es auch beim kon­ser­va­ti­ven Main­stream ins- gesamt der Fall war – waren ursprüng­lich kei­ne Trump-Anhänger.

Ein sach­kun­di­ger ehe­ma­li­ger repu­bli­ka­ni­scher Funk­tio­när erklär­te jedoch, dass er und ande­re wie er, um Wah­len zu gewin­nen, „Argu­men­te vor­brach­ten, an die kei­ner von uns glaub­te“, und „die Men­schen dazu brach­ten, sich über Pro­ble­me zu ärgern, die wir weder lösen woll­ten noch lösen konn­ten“. Er gesteht, dass dabei oft ein stil­ler und unaus­ge­spro­che­ner Ras­sis­mus zum Ein­satz kam. „Die­se Tak­ti­ken blie­ben nicht nur unbe­hin­dert, son­dern wur­den durch ein rechts­ge­rich­te­tes Medi­en­öko­sys­tem, mit dem wir unter einer Decke steck­ten und das sei­ne eige­nen ruch­lo­sen Moti­ve hat­te, noch ver­stärkt – es sam­mel­te Klicks und Auf­ru­fe durch das Schü­ren von Wut, ohne die Absicht, etwas zu lie­fern, das den All­tag der ein­fa­chen Men­schen berei­chern könnte.“

Ein ande­rer ehe­ma­li­ger repu­bli­ka­ni­scher Funk­tio­när betont, es sei ein Irr­tum, Trump als jeman­den zu betrach­ten, der die Repu­bli­ka­ni­sche Par­tei „geka­pert“ habe. Statt­des­sen sei Trump „die logi­sche Kon­se­quenz des­sen, was aus der Repu­bli­ka­ni­schen Par­tei in den letz­ten − etwa fünf­zig − Jah­ren gewor­den ist“, ein natür­li­ches Pro­dukt der Kei­me von Ras­sis­mus, Selbst­täu­schung und Wut, die zum Wesen der Repu­bli­ka­ni­schen Par­tei gewor­den sind.

Unab­hän­gig davon, was mit Trump geschieht, wird uns das über­ge­ord­ne­te Phä­no­men des Trum­pis­mus noch eini­ge Zeit beglei­ten. „Trump ist nicht die Krank­heit, er ist das Sym­ptom“, so beschrieb es Chris Hedges. „Trump bau­te tat­säch­lich auf einem Unbe­ha­gen auf, das in den Ver­ei­nig­ten Staa­ten bereits weit ver­brei­tet war.“
Es han­delt sich um ein glo­ba­les Phä­no­men, an dem ein­fluss­rei­che Bewe­gun­gen und mit­un­ter auch Regie­run­gen in einer Viel­zahl von Län­dern betei­ligt sind: Argen­ti­ni­en, Bra­si­li­en, Frank­reich, Grie­chen­land, Ungarn, Indi­en, Ita­li­en, Russ­land, die Tür­kei, die USA und wei­te­re. Zur Beschrei­bung der aktu­el­len Ent­wick­lun­gen wird eine Kom­bi­na­ti­on ver­schie­de­ner Begrif­fe ver­wen­det – Rechts­po­pu­lis­mus, auto­ri­tä­rer, frem­den­feind- licher Ultra­na­tio­na­lis­mus usw. –, die alle dar­auf abzie­len, des­sen kom­ple­xen Inhalt zu erfassen.

Manch­mal wird der Begriff „Faschis­mus“ ver­wen­det, doch scheint es im gegen­wär­ti­gen Moment pas­sen­der, dies als „Faschis­mus im Ent­ste­hen“ zu begrei­fen. Wir haben es mit etwas zu tun, das noch kein faschis­ti­sches Regime ist. Es gibt Raum für Pro­tes­te und Orga­ni­sie­rung gegen das, wofür Trump steht. Es gibt brei­te Kräf­te, nicht nur auf der Lin­ken, die sich ihm ent­ge­gen­stel­len. Libe­ra­le und Gemä­ßig­te der Demo­kra­ti­schen Par­tei haben bei der Orga­ni­sa­ti­on der jüngs­ten Pro­tes­te mit­ge­hol­fen und sehen den Trum­pis­mus als Bedro­hung für die Sta­bi­li­tät und für jedes kohä­ren­te, dau­er­haf­te Sys­tem. Wir Lin­ken müs­sen mit eini­gen die­ser Kräf­te zusam­men­ar­bei­ten, wo Über­ein­stim­mung besteht, aber ab einem bestimm­ten Punkt müs­sen wir über das hin­aus­ge­hen, wofür eini­ge die­ser Leu­te ste­hen, denn sie sind Teil des Problems.

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Um dem Trum­pis­mus wirk­sam Wider­stand zu leis­ten, müs­sen wir ihn ver­ste­hen – doch um das ange­mes­sen zu tun, müs­sen wir über den Trum­pis­mus hin­aus­bli­cken. Von den Libe­ra­len und Gemä­ßig­ten der Demo­kra­ti­schen Par­tei bis hin zu den gemä­ßigt kon­ser­va­ti­ven Repu­bli­ka­nern hat sich das alte poli­ti­sche Estab­lish­ment in den letz­ten Jahr­zehn­ten dis­kre­di­tiert: Pro­ble­me igno­rie­ren, Pro­ble­me ange­hen, Pro­ble­me nicht ange­hen, unfä­hig sein, Pro­ble­me anzu­ge­hen, die einer gro­ßen Zahl von Men­schen scha­den und einer gro­ßen Zahl von Men­schen Angst machen.

Der ame­ri­ka­ni­sche Traum, an den die Mehr­heit der US-Ame­ri­ka­ner glaub­te und von dem sie hoff­te, ihn end­lich genie­ßen zu kön­nen, ist zer­bro­chen und scheint zu ver­blas­sen. Die Demo­kra­ten und die Repu­bli­ka­ner der alten Gar­de waren nicht in der Lage, sich dem zu stel­len. Sie haben dar­über gelo­gen und gesagt: „Oh nein, alles ist in Ord­nung.“ Aber die Men­schen wuss­ten, dass nicht alles in Ord­nung war, und dies führ­te zu einer Radi­ka­li­sie­rung inner­halb der US-Bevöl­ke­rung, inner­halb der US-Arbei­ter­klas­se, inner­halb der Wählerschaft.

Ein wei­te­rer Aspekt der Erfah­run­gen der Arbei­ter­klas­se ist, dass die Arbei­ter­be­we­gung, die Gewerk­schaf­ten, die mit der Demo­kra­ti­schen Par­tei ver­bun­den waren, sich zuneh­mend als unfä­hig erwie­sen, den Arbei­tern zu hel­fen. Die Gewerk­schaf­ten wur­den immer mehr als wich­ti­ge Kraft von der US-ame­ri­ka­ni­schen wirt­schaft­li­chen und poli­ti­schen Büh­ne verdrängt.

Men­schen, die lei­den und deren Leben zuneh­mend aus den Fugen gerät, suchen nach Lösun­gen. Die Lösun­gen, die die Demo­kra­ti­sche Par­tei und die alte Ver­si­on der Repu­bli­ka­ni­schen Par­tei anbie­ten, funk­tio­nie­ren nicht mehr.

Trump prä­sen­tier­te eine neue Sicht­wei­se, die bis­her nicht zum poli­ti­schen Main­stream in den USA gehör­te. Er mach­te alle mög­li­chen über­zo­ge­nen Ver­spre­chun­gen, wäh­rend er Men­schen mit ande­rer Haut­far­be und Ein­wan­de­rer atta­ckier­te und zum Sün­den­bock mach­te, indem er behaup­te­te, sie sei­en das Pro­blem. Trump wur­de als der Mann dar­ge­stellt, der die­ses Pro­blem „lösen“ würde.

Ein gro­ßer Teil der ame­ri­ka­ni­schen Bevöl­ke­rung – wenn auch kei­ne Mehr­heit – hat sich von die­ser Sicht­wei­se ange­zo­gen gefühlt. Auch ein Teil der herr­schen­den Klas­se der USA (nicht die gesam­te, aber ein Teil) ist zu dem Schluss gekom­men, dass Trumps auto­ri­tä­re Poli­tik dazu bei­tra­gen kann, eine gewis­se Sta­bi­li­tät auf­recht­zu­er­hal­ten. Die Insta­bi­li­tät bedroht ihre Pro­fi­te und ihr Sys­tem, daher sind sie bereit, sich ihm anzuschließen.

Eine sol­che Situa­ti­on gab es in der Zeit des Viet­nam­kriegs in den 1960er und frü­hen 1970er Jah­ren nicht in glei­cher Wei­se. Damals konn­ten die Men­schen Illu­sio­nen über die lang­fris­ti­ge Trag­fä­hig­keit des Sys­tems hegen – Illu­sio­nen, die heu­te schwe­rer auf­recht­zu­er­hal­ten sind. Dies wirkt sich dar­auf aus, wel­che Art von Poli­ti­kern die Men­schen heu­te eher unter­stüt­zen und nach wel­chen Lösun­gen sie suchen. Dies führt zu einer kom­ple­xe­ren Situa­ti­on, als einer, die ver­mut­lich ein­fach durch die Been­di­gung des Krie­ges und die Ein­füh­rung von Bür­ger­rechts- geset­zen zur För­de­rung der Chan­cen­gleich­heit für alle gelöst wer­den könn­te. Auf die­se Kom­ple­xi­tät wer­den wir in weni­gen Augen­bli­cken zurückkommen.

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Wäh­rend eines Groß­teils des zwan­zigs­ten Jahr­hun­derts war die orga­ni­sier­te Lin­ke eine dyna­mi­sche Kraft von beträcht­li­cher Bedeu­tung in den USA. Unter den Arbei­ten­den und Unter­drück­ten mobi­li­sier­te sie wirk­sa­me Kämp­fe, die ech­te Sie­ge erran­gen. Sie weck­te Hoff­nun­gen auf wei­te­re wirk­sa­me Kämp­fe, die die Men­schen­rech­te vor­an­brin­gen, das Leben der Mehr­heit der arbei­ten­den Klas­se ver­bes­sern und eine bes­se­re Welt her­vor­brin­gen wür­den. Unter den Rei­chen und Mäch­ti­gen weck­te sie Angst und Wut.

Bis zum Ende des zwan­zigs­ten Jahr­hun­derts war die orga­ni­sier­te Lin­ke jedoch weit­ge­hend in der Demo­kra­ti­schen Par­tei auf­ge­gan­gen. Ein Teil ihrer Rhe­to­rik, vie­le ihrer Wer­te und ein Groß­teil ihrer Reform­agen­da (oft in abge­schwäch­ter Form) waren nun in die­ser Par­tei zu fin­den. Ein auf­rich­ti­ges und kon­kre­tes Bekennt­nis, die wirt­schaft­li­che Dik­ta­tur des Kapi­ta­lis­mus durch die wirt­schaft­li­che Demo­kra­tie des Sozia­lis­mus zu erset­zen, stand jedoch nicht mehr zur Debatte.

Tat­säch­lich sind die mäch­tigs­ten Kräf­te, die die Demo­kra­ti­sche Par­tei domi­nie­ren, eng mit der kapi­ta­lis­ti­schen Wirt­schaft ver­floch­ten, und da der Kapi­ta­lis­mus in eine Ära des Zer­falls und Ver­falls ein­ge­tre­ten ist, hat­ten sie kei­ne wirk­li­chen Lösun­gen anzu­bie­ten. Abge­se­hen von Wahl­kampf­rhe­to­rik sind sie unfä­hig, eine dau­er­haf­te Alter­na­ti­ve zum Trum­pis­mus zu bie­ten. Seit Jahr­zehn­ten haben sie die Inter­es­sen der arbei­ten­den Klas­se ver­ra­ten, um die kapi­ta­lis­ti­sche Pro­fi­ta­bi­li­tät auf­recht­zu­er­hal­ten, und damit ver­hee­ren­den Scha­den an der Basis der arbei­ten­den Klas­se angerichtet.

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Frauenmarsch gegen Trump in Washington, 21. Januar 2017. (Foto: Gemeinfrei. CC BY-SA 2.0.)

Frau­en­marsch gegen Trump in Washing­ton, 21. Janu­ar 2017. (Foto: Gemein­frei. CC BY-SA 2.0.)

Im ver­gan­ge­nen Jahr gab es Wel­len von Pro­test­de­mons­tra­tio­nen. Die ers­te gro­ße fand im April 2025 unter dem Mot­to „Hands Off“ statt. „Hands Off“ vom Gesund­heits­sys­tem, vom Bil­dungs­sys­tem und von ver­schie­de­nen ande­ren Din­gen, die vom Trump-Regime demon­tiert oder ange­grif­fen wer­den. Dar­auf folg­ten klei­ne­re, aber den­noch mas­si­ve Mai­kund­ge­bun­gen, die sich vor allem auf sozia­le und wirt­schaft­li­che The­men in den Ver­ei­nig­ten Staa­ten kon­zen­trier­ten, aber auch eini­ge Bezü­ge zur Außen­po­li­tik hat­ten – Paläs­ti­na, Ukrai­ne und so weiter.

Die größ­ten Demons­tra­tio­nen von allen waren die „No Kings“-Demonstrationen: Es kam zu einer mas­si­ven Wel­le der Wut, der Empö­rung und der Spott über Trumps Anma­ßun­gen, beliebt und mäch­tig zu sein und so wei­ter. Die Men­schen rie­fen: „Kei­ne Köni­ge!“, und vie­le war­fen ihm vor, ein Faschist, ein Tota­li­ta­rist, ein Dik­ta­tor zu sein. Sicher­lich ist er auto­ri­tär. Es herrsch­te Einig­keit dar­über, die Prin­zi­pi­en der revo­lu­tio­nä­ren Unab­hän­gig­keits­er­klä­rung und der eher kon­ser­va­ti­ven US-Ver­fas­sung zu ver­tei­di­gen – bei­des tritt er mit Füßen. Die­se Mas­sen­ak­tio­nen des Wider­stands haben sich bis ins Früh­jahr 2026 fortgesetzt.

Pro-Trump-Kräf­te sind nicht annä­hernd in der Lage, etwas in die­sem Aus­maß zu mobi­li­sie­ren. Trump behaup­tet, ein über­wäl­ti­gen­des Man­dat des US-ame­ri­ka­ni­schen Vol­kes zu haben, und das ist eine Lüge. Er mag zwar die Mehr­heit der Wahl­män­ner­stim­men gewon­nen haben, aber sicher­lich kei­ne erd­rutsch­ar­ti­ge Mehr­heit. Und er hat kei­ne abso­lu­te Mehr­heit unter dem ame­ri­ka­ni­schen Volk erhal­ten. Er konn­te 2024 zwar mehr Stim­men der Bevöl­ke­rung auf sich ver­ei­nen als sei­ne Kon­kur­ren­ten, doch sein Man­dat ist hauch­dünn. Und ich glau­be, dass er sei­ne eige­ne Unter­stüt­zer­ba­sis mit einer Poli­tik unter­gräbt, die uns allen schadet.

Mas­sen­mo­bi­li­sie­run­gen auf den Stra­ßen von Los Ange­les, Min­nea­po­lis, Chi­ca­go und anders­wo haben die kon­zer­tier­ten und gewalt­tä­ti­gen Bemü­hun­gen der in die­se Städ­te ent­sand­ten Trump-Kräf­te zunich­te gemacht, die dar­auf abziel­ten, den Wider­stand gegen die Poli­tik des Trum­pis­mus ein­zu­schüch­tern und zu über­wäl­ti­gen. Die­se Poli­tik wird von einem har­ten Kern von Trump-Anhän­gern unter­stützt, in der Über­zeu­gung, dass dies Ame­ri­ka wie­der groß machen wird. Doch die Her­zen und Köp­fe der Mehr­heit sind nicht in die­sem rech­ten har­ten Kern zu fin­den. Chan­cen­gleich­heit für alle und ein bes­se­res Leben für alle – die Din­ge, die für den ame­ri­ka­ni­schen Traum von zen­tra­ler Bedeu­tung waren – ste­hen der­zeit nicht auf der Tages­ord­nung. Immer mehr Men­schen sehen sich mit die­ser Rea­li­tät kon­fron­tiert und den­ken ihre Situa­ti­on auf neue Wei­se durch. Es fin­det eine Radi­ka­li­sie­rung statt.

Ein Teil davon hat eine rechts­au­tori­tä­re Rich­tung ein­ge­schla­gen, aber es sind der­zeit auch mehr lin­ke Ideen im Umlauf als noch zu Beginn die­ses Jahr­hun­derts. Im Wahl­kampf und in der Bil­dungs­ar­beit hat Ber­nie San­ders die Idee des Sozia­lis­mus als Lösung vor­an­ge­trie­ben. Das Glei­che gilt für eine radi­ka­le Grup­pe von Abge­ord­ne­ten im Kon­gress. Am dra­ma- tischs­ten war, dass Zohr­an Mamda­ni, der offen als demo­kra­ti­scher Sozia­list kan­di­dier­te, mit über­wäl­ti­gen­der Mehr­heit zum Bür­ger­meis­ter von New York City gewählt wurde.

All dies hat gro­ße Aus­wir­kun­gen gehabt. Die Art und Wei­se, wie die­se Per­sön­lich­kei­ten den Sozia­lis­mus defi­nie­ren, ist ten­den­zi­ell vage und unklar, und mei­ner Mei­nung nach gehen sie manch­mal zu weit in den Kom­pro­mis­sen, die sie mit dem poli­ti­schen Estab­lish­ment und dem kapi­ta­lis­ti­schen Sys­tem ein­ge­hen. Aber die Idee des Sozia­lis­mus, der wirt­schaft­li­chen Demo­kra­tie, einer Wirt­schaft, die von der Mehr­heit der Men­schen (also der arbei­ten­den Klas­se) kon­trol­liert wird, ist Teil der Lösung. Das ist für man­che Men­schen schwer zu begrei­fen oder zu akzep­tie­ren, aber die Rea­li­tä­ten sind der­zeit im Fluss, und es herrscht enor­me Unzufriedenheit.

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Wie die jüngs­ten Demons­tra­tio­nen zei­gen, wächst die Ableh­nung gegen­über Trumps soge­nann­ten Lösun­gen, die in Wirk­lich­keit nur Schein­lö­sun­gen sind. Die­ser Pro­zess mag eini­ge der schlimms­ten Aspek­te von Trumps Poli­tik stop­pen oder zurück­drän­gen. Doch sol­che Pro­tes­te und Akte des Wider­stands allein wer­den die zugrun­de lie­gen­den Pro­ble­me nicht lösen. Die­se Pro­ble­me blei­ben bestehen.

Eini­ge Men­schen, die sich an den Pro­tes­ten und dem Wider­stand betei­li­gen, hegen immer noch Illu­sio­nen in Bezug auf die Demo­kra­ti­sche Par­tei. Doch in den Augen einer beträcht­li­chen Anzahl von Men­schen ist das kei­ne glaub­wür­di­ge Lösung für die Pro­ble­me, mit denen wir kon­fron­tiert sind. Der Mas­sen­kampf, der aus­ge­bro­chen ist, ist sehr ermu­ti­gend. Libe­ra­le und Gemä­ßig­te der Demo­kra­ti­schen Par­tei haben natür­lich bei der Orga­ni­sa­ti­on der jüngs­ten Pro­tes­te mit­ge­hol­fen, und gemein­sam mit noch kon­ser­va­ti­ve­ren Kräf­ten sehen sie den Trum­pis­mus als Bedro­hung für die Sta­bi­li­tät und für jedes kohä­ren­te, dau­er­haf­te System. 
Wir von der poli­ti­schen Lin­ken müs­sen, soweit mög­lich und wo Über­ein­stim­mung besteht, mit eini­gen die­ser Kräf­te zusam­men­ar­bei­ten. Aber ab einem bestimm­ten Punkt müs­sen wir über das hin­aus­ge­hen, wofür eini­ge die­ser Leu­te ste­hen, denn sie sind Teil des Pro­blems. Sie haben durch ihre eige­nen Gren­zen und Unzu­läng­lich­kei­ten dazu bei­getra­gen, Trump ins Amt zu brin­gen. Wir Sozia­lis­ten müs­sen sozia­lis­ti­sche Per­spek­ti­ven auf eine Wei­se ver­tre­ten, die für die Men­schen Sinn ergibt. Dies muss mit kon­kre­ten Kämp­fen ver­bun­den sein, um die Situa­ti­on zu ver­bes­sern und die Inter­es­sen der arbei­ten­den Klas­se hier und jetzt zu schüt­zen. Man muss sich jedoch bewusst sein, dass dies nur ers­te Schrit­te sind und wir noch viel wei­ter gehen müssen.

Das der­zei­ti­ge Wirt­schafts­sys­tem wird die Ver­bes­se­run­gen und Schutz­maß­nah­men, für die wir kämp­fen, wei­ter­hin unter­gra­ben – und die­je­ni­gen, die das der­zei­ti­ge Sys­tem kon­trol­lie­ren, wer­den alles in ihrer Macht Ste­hen­de tun, um unse­re Bemü­hun­gen zur Durch­set­zung eines men­schen­wür­di­gen Lebens für alle zu unter­gra­ben und zunich­te zu machen. Statt­des­sen brau­chen wir eine Wirt­schafts­de­mo­kra­tie: Das ist es, was Sozia­lis­mus ausmacht.

Die Mas­sen­pro­tes­te müs­sen wei­ter­ge­hen, rei­chen aber allein nicht aus. Kämp­fe zur Ver­bes­se­rung der Lebens­be­din­gun­gen der Men­schen hier und jetzt sind not­wen­dig, aber die Men­schen müs­sen ver­ste­hen, dass die­se – für sich genom­men – nicht genü­gen wer­den. Wenn mas­sen­haft Men­schen durch ihre eige­nen Lebens­er­fah­run­gen zu die­ser Ein­sicht gelan­gen, wird ein revo­lu­tio­nä­rer Durch­bruch mög­lich. Ich glau­be, dass ein sol­cher Durch­bruch davon abhän­gen wird, ob die lin­ken und sozia­lis­ti­schen Kräf­te in den Ver­ei­nig­ten Staa­ten in der Lage sind, so zu wach­sen und zu rei­fen, dass sie dazu bei­tra­gen kön­nen, dies zu verwirklichen.

Aus Theo­rie­bei­la­ge Avan­ti² Rhein-Neckar Juli/August 2026
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