Trump, Trum­pis­mus und die USA

Wel­che Bedro­hun­gen, wel­che Gegenwehr?

 

R. G.

Dies war das The­ma der gut besuch­ten Ver­an­stal­tung, die das Akti­ons­bünd­nis „Wir zah­len nicht für Eure Kri­se!“ am 22.5.2026 im Mann­hei­mer DGB-Jugend­raum durch­führ­te. Refe­rent war der US-His­to­ri­ker, Autor und sozia­lis­ti­sche Akti­vist Paul Le Blanc. Unter­stützt wur­de der Info­abend von zahl­rei­chen Grup­pie­run­gen, dar­un­ter der ISO Rhein-Neckar.

Veranstaltung mit Paul Le Blanc (li.) in Mannheim, 22. Mai 2026. (Foto: Foto: Privat.)

Ver­an­stal­tung mit Paul Le Blanc (li.) in Mann­heim, 22. Mai 2026. (Foto: Foto: Privat.)

Le Blanc wur­de 1947 in Penn­syl­va­nia (USA) gebo­ren. Sei­ne Eltern waren gewerk­schaft­li­che Akti­vis­ten. Er stu­dier­te Geschich­te und Phi­lo­so­phie. Unter ande­rem war er gegen den Viet­nam­krieg und in der Mit­tel­ame­ri­ka-Soli­da­ri­tät aktiv. Seit vie­len Jahr­zehn­ten ist er sozia­lis­tisch organisiert.

Leb­haft und in kla­rer Spra­che beschrieb Le Blanc die gesell­schaft­li­chen Rah­men­be­din­gun­gen in den USA, den Trum­pis­mus und den brei­ten Wider­stand gegen Trump. Inter­es­sant und ver­blüf­fend zugleich war dabei, wie ähn­lich – trotz aller Unter­schie­de – die Ent­wick­lung in Deutsch­land ist.

Kri­sen, Cha­os und Rechtsruck
Le Blanc beschreibt die aktu­el­le Welt­la­ge als eine Pha­se des Über­gangs, die durch Kri­sen, Cha­os und Zer­fall geprägt ist. In die­ser Pha­se ver­stärkt der glo­ba­le Kapi­ta­lis­mus immer mehr die Ungleich­heit und die „Zer­stö­rungs­kräf­te, die die Zukunft mensch­li­cher Zivi­li­sa­ti­on in Fra­ge stellen“.

Wie in vie­len ande­ren Län­dern gibt es auch in den USA einen mas­si­ven Rechts­ruck inner­halb bedeu­ten­der Tei­le der herr­schen­den Klas­se sowie in Tei­len der brei­ten Bevöl­ke­rung. Zudem hat das alte poli­ti­sche Estab­lish­ment – die Demo­kra­ten und die Repu­bli­ka­ner – sei­ne Glaub­wür­dig­keit verspielt.

Auch die US-ame­ri­ka­ni­sche Arbei­ter­be­we­gung befin­det sich in einer tie­fen Kri­se. Sie ist zu oft eine büro­kra­ti­sche Hül­le und unfä­hig, „den Arbei­ten­den zu hel­fen“. Damit ver­bun­den ist die Kri­se der poli­ti­schen Lin­ken. Deren Haupt­strö­mun­gen, die Sozi­al- demo­kra­tie und die sta­li­nis­ti­sche KP, sind eng mit der Demo­kra­ti­schen Par­tei ver­bun­den. Die unab­hän­gi­ge Lin­ke ist zer­split­tert, hat zum Teil resi­gniert und konn­te kaum neue Gene­ra­tio­nen gewin­nen. Trump konn­te all dies für sich nut­zen, um gro­ße Tei­le der Bevöl­ke­rung und der herr­schen­den Klas­se anzuziehen.

Trump und der Trumpismus?
Für Le Blanc ist der Trum­pis­mus durch meh­re­re Ele­men­te gekenn­zeich­net. Eines ist bewaff­net und gewalt­tä­tig. Es besteht aus Ras­sis­ten, Faschis­ten und Tei­len der Make-Ame­ri­ca-Gre­at-Again-Bewe­gung. Ein wei­te­res ist der christ­li­che Natio­na­lis­mus. Schließ­lich gibt es die Rechts­kon­ser­va­ti­ven um das Pro­ject 2025 der Heri­ta­ge Foun­da­ti­on. Deren Ziel ist ein ent­fes­sel­ter Kapi­ta­lis­mus, der durch ein zen­tra­lis­tisch-auto­ri­tä­res Regime abge­si­chert wird.

Le Blanc geht davon aus, dass es den Trum­pis­mus – unab­hän­gig von Trump – noch län­ger geben wird. Um ihn zu bekämp­fen ist es wich­tig, ihn zu ana­ly­sie­ren und zu ver­ste­hen. Dabei wird er oft als faschis­tisch cha­rak­te­ri­siert. Doch die­se Ana­ly­se hält Le Blanc für falsch. Schließ­lich gibt es immer noch Raum für Wider­stand und vie­le Kräf­te stel­len sich Trump ent­ge­gen – auch sol­che, die nicht zur poli­ti­schen Lin­ken gehören.

Wider­stand gegen Trump
Seit dem Jahr 2025 gibt es eine Wel­le von Pro­tes­ten gegen Trumps Poli­tik. Dar­un­ter die gro­ßen „Hands-off“- und „No-Kings“-Demonstrationen. Die­se Mas­sen­ak­tio­nen haben sich bis ins Früh­jahr 2026 fort­ge­setzt. In Los Ange­les, Min­nea­po­lis und ande­ren Städ­ten konn­ten sie Trumps Ver­such, den Wider­stand mit Gewalt ein­zu­schüch­tern, erfolg­reich bekämpfen.

Bei die­sen Pro­tes­ten waren auch gemä­ßig­te und kon­ser­va­ti­ve Kräf­te betei­ligt. Le Blanc ist davon über­zeugt, dass in die­sem Fall die poli­ti­sche Lin­ke auch mit die­sen Kräf­ten zusam­men­ar­bei­ten soll. Aber sie muss bereit sein, über die poli­ti­schen Zie­le die­ser Kräf­te hin­aus­zu­ge­hen. Denn die­se sind letzt­end­lich Teil des Pro­blems und haben mit ihrer Poli­tik Trumps Erfolg erst mög­lich gemacht.

Es gibt Hoffnung
Le Blancs Vor­trag bot für die vier­zig Teil­neh­men­den reich­lich Stoff und Anre­gung. So wur­den in der Dis­kus­si­on unter­schied­li­che The­men ange­spro­chen. Zum Bei­spiel ob es in den USA auf der Lin­ken cha­ris­ma­ti­sche Füh­rungs­per­so­nen gibt, wel­che Chan­cen sozia­lis­ti­sche Posi­tio­nen haben oder wie der Trum­pis­mus über­wun­den wer­den kann.

Lei­der fehl­te die Zeit, alle The­men ver­tie­fend zu dis­ku­tie­ren. Den­noch gelang es Paul Le Blanc, eines deut­lich zu machen: Es gibt Hoff­nung – auch in den USA. Neue Gene­ra­tio­nen und Schich­ten radi­ka­li­sie­ren und orga­ni­sie­ren sich – ihm zufol­ge – vor allem in den Demo­cra­tic Socia­lists of Ame­ri­ca. Sie suchen nach ihrem Weg. Die alten sozia­lis­ti­schen Aktivist:innen soll­ten ihnen zuhö­ren und ihnen ihre Erfah­run­gen und ihr Wis­sen anbieten.

Aus Avan­ti² Rhein-Neckar Juni 2026
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