Eine bes­se­re Welt ist nötig

Star­kes Früh­jahrs­se­mi­nar der ISO Rhein-Neckar

 

B. N.

Sozia­lis­mus oder Bar­ba­rei?“ – Die­se Fra­ge stell­ten wir uns bei unse­rem Früh­jahrs­se­mi­nar am 25. April 2026 in Mannheim.

Stichworte unserer Seminardiskussion, 25. April 2026. (Foto: B. N.)

Stich­wor­te unse­rer Semi­nar­dis­kus­si­on, 25. April 2026. (Foto: B. N.)

Wir began­nen mit der Bar­ba­rei: Wie viel­fäl­tig sie sich doch in allen mög­li­chen Berei­chen des gesell­schaft­li­chen Lebens aus­drückt. Der Refe­rent des ers­ten Blocks cha­rak­te­ri­sier­te die aktu­el­le bar­ba­risch-poli­ti­sche Lage als Zuspit­zung der kapi­ta­lis­ti­schen Wider­sprü­che. In ihr ver­stär­ken sich eine Viel­zahl an Kri­sen gegenseitig.

Öko­no­mi­sche Kri­se und sozia­le Ungleich­heit, Kli­ma­ka­ta­stro­phe und Natur­zer­stö­rung, Aus­beu­tung von Mensch und Natur, Ent­frem­dung im Kon­su­mis­mus, kul­tu­rel­le Ver­ar­mung, Krie­ge und geo­po­li­ti­sche Konflikte.

Spal­tung und Kon­zen­tra­ti­on von Macht
Ver­schärft wer­den die­se Kri­sen durch die poli­ti­schen Ver­bin­dun­gen mit der auto­ri­tä­ren bis faschis­ti­schen Rech­ten. Sie ant­wor­ten dar­auf mit einer wei­te­ren Ver­ein­ze­lung und Ent­so­li­da­ri- sie­rung im Neo­li­be­ra­lis­mus oder Auto­ri­ta­ris­mus, mit Spal­tung und Herr­schaft mit­hil­fe von Ras­sis­mus und Frau­en­feind­lich­keit, mit Sozi­al­ab­bau und Angrif­fen auf die arbei­ten­de Klas­se und ihre Organisationen.

Die enor­me Anhäu­fung von Reich­tum bei einem win­zi­gen Bruch­teil der Mensch­heit ver­leiht die­sem eine enor­me Macht, nicht zuletzt durch Tech-Kon­zer­ne. Sie beein­flus­sen nicht nur extrem die Mei­nungs­bil­dung, son­dern über­neh­men durch ihre Über­wa­chungs- und Kriegs­tech­ni­ken auch die Kon­trol­le über ein­zel­ne Men­schen, gan­ze Bevöl­ke­rungs­grup­pen und Staa­ten in krie­ge­ri­schen Auseinandersetzungen.

Den Kopf in den Sand ste­cken ist kei­ne Opti­on. Glück­li­cher­wei­se hat­ten wir nach die­sem eher depri­mie­ren­den ers­ten Semi­nar-Teil ja noch unse­ren Sozia­lis­mus-Block geplant, der uns wie­der Hoff­nung schöp­fen ließ. Dies­mal hör­ten wir kein Refe­rat, son­dern erbau­ten uns gemein­sam unse­re Visi­on von einer sozia­lis­ti­schen Welt – jedoch nicht als Luft­schloss, son­dern als Vor­stel­lung davon, wie ein revo­lu­tio­nä­rer Über­gang aus­se­hen könnte.

Unse­re Visi­on und unser Weg
Wie kann eine sozia­lis­ti­sche Gesell­schaft aus­se­hen, wie ihre Poli­tik und ihre Wirt­schaft? Wir stie­ßen dabei auf gro­ße Begrif­fe wie Plan­wirt­schaft, Räte­de­mo­kra­tie oder Selbst­or­ga­ni­sa­ti­on. Inspi­riert vom Öko­so­zia­lis­ti­schen Mani­fest der IV. Inter­na­tio­na­le fan­den wir Kon­kre­ti­sie­run­gen, in wel­chen Kämp­fen sich auf eine sozia­lis­ti­sche Gesell­schaft hin­wir­ken lässt. Kämp­fe um die Ver­ge­sell­schaf­tung von Betrie­ben, von Gemein­gü­tern und öffent­li­chen Diens­ten geben einen Ausblick.

ie deu­ten die Mög­lich­kei­ten an, die ent­ste­hen, wenn die gesell­schaft­li­che Pro­duk­ti­on und Repro­duk­ti­on nicht mehr von den Pro­fit­in­ter­es­sen ein­zel­ner Super­rei­cher abhän­gig sind, son­dern in demo­kra­ti­scher Wei­se nach den Bedürf­nis­sen der Betei­lig­ten geplant wird.

In unse­rer Koope­ra­ti­on wur­de uns auch die Bedeu­tung zwi­schen­mensch­li­cher und emo­tio­nal-psy­chi­scher Merk­ma­le immer bewuss­ter, die in lin­ken und sozia­lis­ti­schen Kon­tex­ten ger­ne mal „ver­ges­sen“ wer­den: Empa­thie, Mut, Respekt, Soli­da­ri­tät und Lie­be gehö­ren zur sozia­lis­ti­schen Bewe­gung eben­so wie Arbeits­kampf, Gene­ral­streik und Revolution.

Unse­re Klas­se stärken
Inten­siv setz­ten wir uns mit dem Begriff der Arbeit aus­ein­an­der. Die ent­frem­de­te Arbeit im Kapi­ta­lis­mus wird nicht aus der direk­ten Not­wen­dig­keit her­aus ver­rich­tet, son­dern ver­mit­telt durch den finan­zi­el­len Zwang, sich selbst einen Lohn und dem Herrn (dem Kapi­ta­lis­ten) den maxi­ma­len Pro­fit zu erwirtschaften.

Was ist dage­gen „gute“ Arbeit? Sie ist gesell­schaft­lich sinn­voll und ermög­licht Tätig­kei­ten, die den Men­schen in einer Gesell­schaft ein erfüll­tes Leben ermög­li­chen. Und sie ist selbst­be­stimmt und solidarisch.

Dafür lohnt es sich zu kämp­fen – im Hier und Jetzt. Natür­lich mit dem Ziel einer demo­kra­tisch nach Bedar­fen geplan­ten Wirt­schaft, womit wir die Ver­bin­dung zu den „gro­ßen Begrif­fen“ am Anfang unse­rer Aus­ein­an­der­set­zung her­stel­len konnten.

So vie­le Ideen und Mög­lich­kei­ten – nun sind sie „nur noch“ umzu­set­zen. Unser Früh­jahrs­se­mi­nar emp­fan­den wir dabei als eine wah­re Stär­kung und Ermutigung.

Manch­mal tut es in die­sen Zei­ten doch gut, sich dar­an zu erin­nern, wie anders unser Leben in der Gesell­schaft doch sein könn­te. Zumin­dest kön­nen wir unse­ren klei­nen Teil dazu bei­tra­gen, uns von der Bar­ba­rei zu ent­fer­nen und uns dem Sozia­lis­mus zu nähern.

Aus Avan­ti² Rhein-Neckar Juni 2026
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