Frau­en als Opfer des Ukraine-Kriegs

 

N. B.

Der Krieg in der Ukrai­ne hat für die Bevöl­ke­rung ver­hee­ren­de Aus­wir­kun­gen. Frau­en dür­fen im Gegen­satz zu den meis­ten Män­nern das Land verlassen.

Krieg bedeu­tet jedoch für Frau­en zusätz­lich zu der direk­ten Gefahr durch mili­tä­ri­sche Angrif­fe beson­de­re Las­ten und Bedrohungen.

Belas­ten­de Sor­ge­ar­beit
Die Ver­sor­gung von Kin­dern und ande­ren Bedürf­ti­gen wird größ­ten­teils von Frau­en über­nom­men. In Zei­ten des Krie­ges sind sie dabei noch mehr auf sich gestellt und müs­sen mit exis­ten­zi­el­len Nöten umge­hen. Sor­ge­ar­beit im Krieg ist enorm gefähr­lich und belastend.

Protest in Mannheim gegen den Ukraine-Krieg, 26. Februar 2022. (Foto: helmut-roos@web.de.)

Pro­test in Mann­heim gegen den Ukrai­ne-Krieg, 26. Febru­ar 2022. (Foto: helmut-roos@web.de.)

Sexua­li­sier­te Gewalt
Die Gefahr sexua­li­sier­ter Gewalt nimmt durch den Krieg zu. Die Trau­ma­ti­sie­rung vie­ler Sol­da­ten und exis­ten­zi­el­le Ängs­te mögen dabei eine nicht uner­heb­li­che Rol­le spie­len. Ins­be­son­de­re aber ver­schär­fen sich Abhän­gig­kei­ten, und Frau­en sind der durch den Krieg ver­viel­fach­ten Gewalt zuneh­mend schutz­los aus­ge­lie­fert. Sie wer­den mit­un­ter dazu gezwun­gen, ihren Kör­per als „Zah­lungs­mit­tel“ für ver­meint­li­che Hel­fer einzusetzen.

Zuneh­men­der Menschenhandel
Auch Men­schen­han­del und Zwangs­pro­sti­tu­ti­on neh­men in Krie­gen enorm zu. So gibt es bereits zahl­rei­che Berich­te über Zwangs­pro­sti­tu­ti­on flüch­ten­der Frau­en aus der Ukraine.

Dabei sind nicht alle Frau­en glei­cher­ma­ßen die­sen Gefah­ren aus­ge­setzt. Wer mit genü­gend Kapi­tal aus­ge­stat­tet ist, kann sich im Aus­land schnell ein rela­tiv selbst­be­stimm­tes Leben auf­bau­en. Frau­en der arbei­ten­den Klas­se aus pre­kä­ren Ver­hält­nis­sen haben die­se Mög­lich­keit nicht. Ihre Abhän­gig­keit von Hil­fe macht sie beson­ders ver­letz­bar und gefährdet.

Dis­kri­mi­nie­rung Geflüch­te­ter
Noch dras­ti­scher ist die Lage der von Ras­sis­mus betrof­fe­nen Frau­en. Ras­sis­tisch dis­kri­mi­nier­te Men­schen wur­den und wer­den von ukrai­ni­schen Streit­kräf­ten und Frei­wil­li­gen immer wie­der an der Aus­rei­se aus der Ukrai­ne gehin­dert. In Polen waren und sind sie ras­sis­ti­schen Angrif­fen aus­ge­setzt. Wer nicht „ukrai­nisch genug“ aus­sieht, wird mit­un­ter auch in Deutsch­land von der Poli­zei aus Zügen mit ukrai­ni­schen Geflüch­te­ten „aus­sor­tiert“.

Im Gegen­satz zu Geflüch­te­ten mit ukrai­ni­schem Pass sind migran­ti­sche Stu­die­ren­de, Rom*nja und Arbeitsmigrant*innen ohne ukrai­ni­schen Pass auch in Deutsch­land den regu­lä­ren struk­tu­rel­len Dis­kri­mi­nie­run­gen aus­ge­setzt. Sie dür­fen nicht arbei­ten, erhal­ten eine Wohn­sitz­auf­la­ge und müs­sen als Dritt­staat­an­ge­hö­ri­ge einen Asyl­an­trag mit gerin­gen Erfolgs­aus­sich­ten stellen.

Siche­re Asylunterkünfte?
Für die nach Deutsch­land geflüch­te­ten Frau­en ist die Gefahr sexua­li­sier­ter Gewalt kei­nes­wegs gebannt. In den Asyl­un­ter­künf­ten gibt es in der Regel kei­ne Rück­zugs­mög­lich­kei­ten oder Schutz­räu­me. Hin­zu kommt die Iso­la­ti­on in Erst­auf­nah­me­ein­rich­tun­gen und in abge­le­ge­nen kom­mu­na­len Unter­künf­ten. Vom Krieg und von der Flucht trau­ma­ti­sier­te Frau­en kön­nen hier kaum Schutz und Sicher­heit finden.

Not­wen­di­ge Soli­da­ri­tät
Seit Beginn des rus­si­schen Angriffs­kriegs und der aktu­el­len Flucht­be­we­gung hat sich viel wich­ti­ge und gute prak­ti­sche Unter­stüt­zung für die Geflüch­te­ten ent­wi­ckelt. Gleich­zei­tig braucht es aber struk­tu­rel­le Unter­stüt­zung und Veränderung:
• Unbü­ro­kra­ti­sche dezen­tra­le Unter­brin­gung nach den Bedar fen der Menschen
• Wirk­sa­me Gewalt­schutz­kon­zep­te auch in Asylunterkünften
• Über­set­zun­gen von Infor­ma­tio­nen und Hil­fe bei Behör­den gängen 
• Durch­bre­chung der sozia­len Isolation
• Anbin­dung an Kin­der­be­treu­ungs­ein­rich­tun­gen, an Schu­len, an Deutsch­kur­se und sozia­le Netzwerke
• Recht auf Arbeit für alle.

Über­hol­ter Kapitalismus
Der Ukrai­ne-Krieg ist nur ein wei­te­rer Beleg für die Gefähr­lich­keit des längst über­hol­ten herr­schen­den Wirt­schafts- und Gesell­schafts­sys­tems, in dem die einen über die ande­ren ver­fü­gen und sich an ihnen berei­chern können.

Die For­de­rung „Nie wie­der Krieg!“ kann erst in einer Welt end­lich Rea­li­tät wer­den, die die kapi­ta­lis­ti­sche Klas­sen­ge­sell­schaft durch eine sozia­lis­ti­sche Demo­kra­tie über­wun­den hat.

Aus Avan­ti² Rhein-Neckar Mai 2022
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