Gene­ral­an­griff auf die arbei­ten­de Klasse

Wo bleibt der gemein­sa­me Widerstand?

 

H. N.

Es heißt, dass jedes Land die Regie­rung bekommt, die es ver­dient. Zyni­ker wer­den die­sem Spruch ange­sichts des Agie­rens der Regie­rung Merz-Kling­beil sicher vor­be­halt­los zustim­men. Fakt ist, dass Bun­des­re­gie­rung & Kapi­tal die Zeit für einen Gene­ral­an­griff auf die arbei­ten­de Klas­se für reif halten.

Transparent gegen Pflegenotstand (Foto: Privat)

Trans­pa­rent gegen Pfle­ge­not­stand (Foto: Privat)

Bekannt­lich sol­len zen­tra­le sozi­al- und tarif­po­li­ti­sche Errun­gen­schaf­ten demon­tiert und so die Lebens­grund­la­gen der gro­ßen Mehr­heit der Bevöl­ke­rung mas­siv wei­ter ver­schlech­tert werden.

Die von den Pro­fi­in­ter­es­sen der Kon­zer­ne & Kapi­ta­lis­ten dik­tier­ten und medi­al als „alter­na­tiv­los“ pro­pa­gier­ten Regie­rungs­vor­ha­ben sind weder mit dem Sozi­al­staats­ge­bot des Grundge- set­zes noch mit den Inter­es­sen unse­rer Klas­se vereinbar.

Par­al­lel zu die­sem zuneh­mend ent­hemm­ten Trei­ben über­bie­ten sich Kapi­tal­ver­bän­de und Unter­neh­mens­füh­run­gen mit der Bekannt­ga­be immer neu­er Ankün­di­gun­gen und For­de­run­gen – im „Inter­es­se der Wett­be­werbs­fä­hig­keit unse­rer Wirt­schaft“. Auf Deutsch: „Die Rei­chen sol­len noch rei­cher wer­den und alle Hemm­nis­se der Pro­fit­ma­xi­mie­rung sol­len fallen.“

Unse­re Chan­ce Résistance
Von A wie Als­tom bis hin zu Z wie Zahn­rad­fa­brik Fried­richs­ha­fen – fast täg­lich ver­kün­den die Bos­se neue Hiobs­bot­schaf­ten für die Beschäf­tig­ten und die gesam­te Gesell­schaft. Abbau, Aus­glie­de­run­gen, BR-Mob­bing, Lohn­sen­kun­gen, Miss­ach­tung von Geset­zen, Tarif­flucht, Umstel­lung auf Kriegs­gü­ter, Ver­la­ge­run­gen und Werks­schlie­ßun­gen – nichts ist mehr tabu.

Die­se Pro­zes­se zer­stö­ren sozia­le Wer­te, wert­vol­les Fach­wis­sen und wirt­schaft­li­che Exis­ten­zen. Sie beschleu­ni­gen Erwerbs­lo­sig­keit und Mas­sen­ver­ar­mung einer­seits und noch mehr Anhäu­fung von Reich­tum bei Mil­lio­nä­ren und Mil­li­ar­dä­ren andererseits.

Die­se Situa­ti­on ist uner­träg­lich und extrem gefähr­lich. Sie beschleu­nigt den poli­ti­schen Rechts­ruck und ver­tieft die Spal­tung und Läh­mung der arbei­ten­den Klasse.
Es ist also höchs­te Zeit, dass wir in den Gewerk­schaf­ten für den Auf­bau einer wirk­sa­men Pro­test- und Wider­stands­be­we­gung ein­tre­ten. Sie soll­te mit der Orga­ni­sie­rung über­be­trieb­li­cher Soli­da­ri­tät gegen Abbau und loka­ler Bünd­nis­se gegen Sozi- alkahl­schlag anfan­gen, die regio­na­le und bun­des­wei­te demo­kra­ti­sche Ver­net­zung aller akti­ons­wil­li­gen Kräf­te vor­an­trei­ben und die Schaf­fung einer sozia­len Abwehr­front anstre­ben. Ihre Auf­ga­be ist, an abge­spro­che­nen Ter­mi­nen zu Pro­tes­ten und Streiks in der Arbeits­welt und in der Öffent­lich­keit auf­zu­ru­fen und den Spuk des Abbaus zu beenden.


Das ist wirk­lich bodenlos!“
Rede von Sebas­ti­an Höhn (stv. BR-Vor­sit­zen­der des Uni­kli­ni­kums Mann­heim) bei der Pro­test­kund­ge­bung am 25. Juni 2026.

Ich bin ehr­lich fassungslos!

Seit unse­rer ers­ten Kund­ge­bung gegen die geplan­ten Kür­zun­gen im Kran­ken­haus am 10. Juni, sind wei­te­re, deut­lich wei­ter­rei­chen­de Kür­zungs­plä­ne bekannt geworden.

Wür­den die­se umge­setzt, hät­te das dra­ma­ti­sche Fol­gen für die Qua­li­tät der Pati­en­ten­ver­sor­gung, sowie die Arbeits­be- din­gun­gen im Krankenhaus!
Durch die geplan­te Strei­chung von Per­so­nal­vor­ga­ben und deren Finan­zie­rung wür­den wir in einem Streich zurück­ge­wor- fen in die schlimms­ten Zei­ten des Pflegenotstands.

Drin­gend benö­tig­te Pfle­ge­kräf­te wer­den so nicht gewon­nen, viel schlim­mer, so wer­den Pfle­ge­kräf­te aus dem Beruf gedrängt. Das weni­ge Ver­trau­en in die Poli­tik, das Beschäf­tig­te nach der ‚Kon­zer- tier­ten Akti­on Pfle­ge‘ (letz­te Gro­ße Koali­ti­on) auf­ge­baut haben, wird gera­de wie­der kolos­sal ver­spielt. Die jetzt infra­ge gestell­ten Maß­nah­men waren sicher nicht per­fekt aber durch­aus klei­ne Schrit­te in die rich­ti­ge Richtung.

Das zeigt mir ein­mal mehr, wie wich­tig es ist, dass wir heu­te hier sind und klar und deut­lich sagen: So nicht! Nicht mit uns! Wir ver­las­sen uns nicht auf Sonn­tags­re­den, son­dern auf unse­re eige­ne Stär­ke! Wir wer­den uns die Ver­bes­se­run­gen der letz­ten Jah­re nicht kampf­los weg­neh­men lassen!

Kon­kret geht es dar­um, dass das Pfle­ge­bud­get abge­schafft wer­den soll und die Pfle­ge wie­der in das Fall­pau­scha­len-Sys­tem (DRG) inte­griert wer­den soll.

Die DRG erzeu­gen einen per­ma­nen­ten Kos­ten­druck, der in der Ver­gan­gen­heit zu einem mas­si­ven Per­so­nal­ab­bau geführt hat. Zu Recht wur­de die Pfle­ge die­sem Sys­tem ent­zo­gen! Eigent­lich müss­ten alle Berufs­grup­pen dem DRG ent­zo­gen werden!

Des­halb: DRG abschaf­fen, statt eine Rol­le rückwärts!

Zwei­tens soll die von ver.di, der Deut­schen Kran­ken­haus­ge­sell­schaft und dem Deut­schen Pfle­ge­rat ent­wi­ckel­te Pfle­ge­per­so­nal­be­darf-Rege­lung (PPR2.0) wie­der zurück­ge­nom­men werden.

Ein Instru­ment zur Ermitt­lung einer bedarfs­ge­rech­ten Per­so­nal­be­mes­sung wird abge­stellt, noch bevor es rich­tig in Kraft getre­ten ist.

Drit­tens, und das ist wirk­lich boden­los, soll sogar die Pfle­ge­per­so­nal­un­ter­gren­zen-Ver­ord­nung ent­fal­len. Das ist die Un- ter­gren­ze, um Pati­en­ten­ge­fähr­dung zu ver­hin­dern! Wird die­se − unse­rer Mei­nung nach viel zu schlech­te − Rege­lung abge­schafft, wer­den Pati­en­ten­schä­den bil­li­gend in Kauf genom­men sowie das Wohl­erge­hen von Patient:innen aufs Spiel gesetzt.

Wir kämp­fen wei­ter dafür, dass kran­ke Men­schen sicher ver­sorgt wer­den und unse­re Arbeits­be­din­gun­gen uns nicht krank machen!“

Aus Avan­ti² Rhein-Neckar Juli/August 2026
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