Kano­nen statt Butter?

Kriegs­tüch­tig­keit“ bekämpfen!

 

O. T.

Bun­des­kanz­ler Merz hat mit sei­ner Regie­rung das Ende des „zu kom­for­ta­blen Lebens“ aus­ge­ru­fen. Damit meint er natür­lich nicht sich selbst und sei­nes­glei­chen, die Rei­chen und Hyper­rei­chen. Wir sol­len Abstand neh­men vom Sozi­al­staat, von guter Gesund­heits­ver­sor­gung und siche­rer Ren­te. Dafür ist laut Merz kein Geld mehr da. Ist das nur eine frech erfun­de­ne Behaup­tung oder doch eher eine glat­te Lüge?

Auf Berliner Straßen, 1945/1946. Foto: Abraham Pisarek (1901-1983), Deutsche Fotothek, gemeinfrei (CC BY-SA 3.0 DE).. (Bildbearbeitung: Avanti².)

Auf Ber­li­ner Stra­ßen, 1945/1946. Foto: Abra­ham Pis­arek (1901-1983), Deut­sche Foto­thek, gemein­frei (CC BY-SA 3.0 DE).. (Bild­be­ar­bei­tung: Avanti².)

Zuneh­mend mehr Men­schen wis­sen zum Monats­en­de nicht mehr, wie sie ihren immer teu­rer wer­den­den All­tag bezah­len sol­len. Den­noch for­dert die Regie­rung von uns, den Gür­tel noch enger zu schnallen.

Die Begrif­fe „Ren­ten­re­form“, „Gesund­heits­re­form“, „Steu­er­re­form“ wer­den dabei von der Regie­rung als Code­wör­ter für den beab­sich­tig­ten Sozi­al­ab­bau benutzt, der alle abhän­gig Beschäf­tig­ten tref­fen wird. Gleich­zei­tig pum­pen Merz, Kling­beil & Co. Hun­der­te von Mil­li­ar­den Euros in die Auf­rüs­tung und in Krie­ge wie in der Ukraine.

Die Rüs­tungs­aus­ga­ben sol­len von der­zeit 82 Mil­li­ar­den Euro auf rund 240 Mil­li­ar­den Euro im Jahr 2029 stei­gen. Fast jeder zwei­te Euro des Bun­des­haus­halts wür­de dann direkt in die „Kriegs­tüch­tig­keit“ vor allem gegen „den Rus­sen“ fließen.

Kriegs­tüch­tig­keit“ – schon wieder?
Der von „Ver­tei­di­gungs­mi­nis­ter“ Pis­to­ri­us immer wie­der benutz­te Begriff der „Kriegs­tüch­tig­keit“ ist dem Wort­schatz des Ober­na­zis Goeb­bels entliehen.
Am 23. Juli 1944, als die Nie­der­la­ge der Wehr­macht bereits nicht mehr auf­zu­hal­ten war, erschien auf der Titel­sei­te der Nazi-Wochen­zei­tung Das Reich ein Leit­ar­ti­kel von Goeb­bels mit der Schlag­zei­le „Kriegs­tüch­tig wie nur je“. Dar­in beschwört er die „Kriegs­tüch­tig­keit“ Deutsch­lands und ver- langt, alle Kräf­te der „Nati­on“ für den „Sieg“ gegen Ruß­land zu mobilisieren.

Auch für heu­te sind damit Prio­ri­tä­ten klar benannt: Pan­zer statt Bil­dung, Rake­ten und Droh­nen statt Gesund­heit und Kano­nen statt Butter!

Letz­te­re For­mu­lie­rung erin­nert an den berüch­tig­ten Spruch eines wei­te­ren Ober­na­zis, näm­lich Göring, aus dem Som­mer 1936. „Kano­nen machen uns stark, But­ter macht uns nur fett“, so tön­te der sehr beleib­te Reichs­mar­schall damals in einer Radio­sen­dung und ließ sei­nen Phan­ta­sien zur Errei­chung der „Kriegs­tüch­tig­keit“ frei­en Lauf.

In der Rol­le als von Hit­ler bestimm­ter Koor­di­na­tor der Wirt­schaft und Chef der Luft­waf­fe nutz­te Göring die­se For­mu­lie­rung, um noch mas­si­ve­re Mili­tär­aus­ga­ben und gleich­zei­tig wei­te­re Ein­bu­ßen beim Lebens­stan­dard der Bevöl­ke­rung zu rechtfertigen.

Hoch­rüs­tung macht Rei­che reicher
Die­se erkenn­ba­ren Par­al­le­len zu aktu­el­len Ent­wick­lun­gen in Deutsch­land soll­ten uns alle auf­hor­chen las­sen. Sozi­al­ab­bau auf der einen Sei­te und Auf­rüs­tung wie Mili­ta­ri­sie­rung auf der ande­ren sind die bei­den Sei­ten der­sel­ben Medail­le und untrenn­bar mit­ein­an­der verbunden.

Zu die­sem The­ma bemerkt der deut­sche Poli­tik­wis­sen­schaft­ler und Armuts­for­scher Chris­toph But­ter­weg­ge: „Hoch­rüs­tung macht gene­rell die Rei­chen rei­cher und die Armen zahl­rei­cher. Weil dem Wohl- fahrts­staat fehlt, was ein Rüs­tungs­staat an Mehr­kos­ten ver­schlingt, folgt der mili­tär­po­li­ti­schen Zei­ten­wen­de nun fast zwangs­läu­fig auch eine sozi­al­po­li­ti­sche Zei­ten­wen- de. Zu befürch­ten ist daher eine fort­dau­ern­de Sen­kung des Lebens­stan­dards der Bevöl­ke­rungs­mehr­heit, die zuletzt Real­lohn­ver­lus­te hin­neh­men muss­te und durch stei­gen­de Mie­ten, Ener­gie­preis­explo­si­on und Infla­ti­on stark belas­tet wur­de.“ (www.imi-online.de/download/ruestungs_factsheet_2026 _kl.pdf.)

Nicht nur die genann­ten Fol­gen des Sozi­al­ab­baus, son­dern auch die krie­ge­ri­schen Fol­gen des Wett­rüs­tens und der unge­brems­ten Mili­ta­ri­sie­rung machen es drin­gend erfor­der­lich, die Pro­tes­te gegen den geplan­ten Sozi­al­kahl­schlag und die gegen die Kriegs­ge­fahr im gemein­sa­men Wider­stand aller Betrof­fe­nen zusammenzuführen.

Aus Avan­ti² Rhein-Neckar Juli/August 2026
Tagged , , , , . Bookmark the permalink.