Hoch die inter­na­tio­na­le Solidarität!

Anti­ka­pi­ta­lis­ti­sches Jugend­camp in Süddeutschland

 

O. R.

Eine Woche lang kamen im Juli in Süd­deutsch­land über 300 jun­ge Genoss:innen aus mehr als 20 Län­dern zusam­men. Jedes Jahr orga­ni­siert die Jugend der IV. Inter­na­tio­na­le ein Som­mer­camp. 2026 war die Bewe­gung für den Sozia­lis­mus (BfS) an der Rei­he, unter­stützt von unse­ren jün­ge­ren Genoss:innen der ISO. Für die ISO hat­te das Som­mer­camp eine beson­de­re Bedeu­tung: Danach grün­de­te sich hier­zu­lan­de eine neue Jugend­or­ga­ni­sa­ti­on in Soli­da­ri­tät mit der IV. Inter­na­tio­na­le – der Rote Stachel.

Im Fol­gen­den geben wir einen von uns gekürz­ten und über­ar­bei­te­ten Bericht von Eylem und Emil Schnei­der vom BfS wieder.


Delegationstreffen beim Sommercamp, Ende Juli 2026. (Foto: © Noam Ben Taleb.)

Dele­ga­ti­ons­tref­fen beim Som­mer­camp, Ende Juli 2026. (Foto: © Noam Ben Taleb.)

Eine lan­ge Woche neigt sich dem Ende zu. Obwohl die meis­ten Genoss:innen müde von der inten­si­ven Woche sind, blo­ckie­ren sie sym­bo­lisch die Rei­se­bus­se der Dele­ga­tio­nen, die das Camp bereits am Frei­tag­abend ver­las­sen. Ande­re fei­ern noch ein­mal, als ob am nächs­ten Tag nicht noch das gan­ze Camp abge­baut wer­den müss­te. Denn gemein­sam haben die ver­blie­be­nen Genoss:innen die übrig­ge­blie­be­ne Camp- wäh­rung genutzt, um die gesam­te Bar auf­zu­kau­fen, sodass an die­sem Abend alle Geträn­ke gra­tis sind. Wäh­rend die­se klit­ze­klei­nen Schrit­te in Rich­tung klas­sen- und geld­lo­se Gesell­schaft pas­sie­ren, zer­bre­chen sich ande­re noch den Kopf dar- über, wie sie am nächs­ten Tag wei­ter­fah­ren sollen.

Oase inmit­ten des kapi­ta­lis­ti­schen Alltags
Das Camp kommt an die­sem Frei­tag­abend lang­sam zu sei­nem Ende. Über 300 Genoss:innen wer­den nach einer Woche geleb­ter Soli­da­ri­tät mit jun­gen Genoss:innen aus vie­len ver­schie­de­nen Län­dern in ihren All­tag zurück­keh­ren. Für vie­le wird es wie jedes Jahr eine schwie­ri­ge Rück­kehr in den kal­ten, kapi­ta­lis­ti­schen All­tag sein. Doch genau­so gibt es immer wie­der Kraft, zurück­zu­kom­men und wei­ter­zu­kämp­fen – inspi­riert durch die Per­spek­ti­ven, die das Camp jedes Jahr bie­tet. Genau­so bleibt die Vor­freu­de auf das nächs­te Som­mer­camp in Frankreich.
Über eine Woche hin­weg haben wir uns in Work­shops, Vor­trä­gen, Tref­fen von Dele­ga­tio­nen und von Grup­pen mit beson­de­ren Unter­drü­ckungs­er­fah­run­gen aus­ge­tauscht und wei- ter­ge­bil­det. Ange­sichts des Auf­stiegs der extre­men Rech­ten, dem que­er­feind­li­chen und anti­fe­mi­nis­ti­schen Rück­schlag, dem auto­ri­tä­ren Staats­um­bau durch die soge­nann­te Mit­te, der ras­sis­ti­schen Gewalt an den Gren­zen und inner­halb von Staa­ten, der Auf­rüs­tung, den impe­ria­lis­ti­schen Raub­zü­gen, den Geno­zi­den und ins­be­son­de­re der eska­lie­ren­den Kli­ma­kri­se, tritt die Not­wen­dig­keit der inter­na­tio­na­len Ver­net­zung und eines revo­lu­tio­nä­ren, öko­so­zia­lis­ti­schen Umbaus der bestehen­den Ord­nung immer deut­li­cher zutage.

Viel­fäl­ti­ges poli­ti­sches Programm
Das Camp-Pro­gramm umfass­te ver­schie­de­ne Akti­vi­tä­ten, Arbeits­grup­pen, Vor­trä­ge, Mee­tings und ande­re Ver­an­stal­tun­gen, bei denen poli­ti­sche Dis­kus­sio­nen in vie­len ver­schie­de­nen For­ma­ten statt­fan­den. Wir dis­ku­tier­ten ver­schie­de­ne theo­re­ti­sche Ana­ly­sen. Jeder Tag hat­te ein bestimm­tes Über­the­ma: Anti­im­pe­ria­lis­mus, Anti­fa­schis­mus, Femi­nis­mus, que­e­re Befrei­ung, Öko­so­zia­lis­mus, Anti­ras­sis­mus, Arbeitskämpfe/Gewerkschaften und Strategie/Partei/Organisation.

Dane­ben gab es auch prak­ti­sche Arbeits­grup­pen, in denen bei­spiels­wei­se das Anfüh­ren eines Demo­blocks gelernt wer­den konn­te. Ins­ge­samt war das Pro­gramm wie immer sehr dicht, inspi­rie­rend, aber auch herausfordernd.

Inter­na­tio­na­le Vernetzung
Wie jedes Jahr bedau­ern wir den Man­gel an Res­sour­cen, der dazu führt, dass das Camp deut­lich mehr Men­schen aus Euro­pa als aus ande­ren Erd­tei­len mobi­li­siert. Die Teil­nah­me von ein­zel­nen Genoss:innen aus Argen­ti­ni­en, Bra­si­li­en, Mexi­ko, Hong Kong, Indo­ne­si­en, Lett­land, den Phil­ip­pi­nen, der Tür­kei und der Ukrai­ne wur­de des­halb umso mehr geschätzt. Die wäh­rend des Camps geschaf­fe­ne Ver­net­zung wird hof­fent­lich vie­le Jah­re hal­ten – auch jen­seits des Sommercamps.

Aus Avan­ti² Rhein-Neckar Okto­ber 2026
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