Spa­ni­en, Juli 1936:

Faschis­mus oder sozia­le Revolution*

 

Dani­el Minvielle

Vor 90 Jah­ren, am 17. Juli 1936, ver­such­te ein Mili­tär­putsch, die repu­bli­ka­ni­sche Regie­rung der „Fren­te Popu­lar“ zu stür­zen. Bereits am 18. Juli gin­gen in Bar­ce­lo­na, Madrid und vie­len ande­ren Städ­ten die Arbeiter:innen auf die Stra­ße, stell­ten sich dem Mili­tär ent­ge­gen, besetz­ten die Kaser­nen und setz­ten dem „Pro­nun­cia­mi­en­to“ ein Ende. Eine sozia­le Revo­lu­ti­on begann …

Wäh­rend sich der fol­gen­de Bür­ger­krieg zwi­schen den Lagern der „Repu­bli­ka­ner“ und der „Faschis­ten“ über fast drei Jah­re hin­zog, hat­te die seit Anfang der 1930er Jah­re in Spa­ni­en bestehen­de revo­lu­tio­nä­re Situa­ti­on eine neue Stu­fe erreicht.

Explo­si­ves sozio­öko­no­mi­sches und poli­ti­sches Umfeld
Zu Beginn des 20. Jahr­hun­derts war Spa­ni­en – abge­se­hen vom Bas­ken­land und Kata­lo­ni­en – kaum indus­tria­li­siert. Zwei bis drei Mil­lio­nen Arbei­ter waren in den Fabri­ken, im Öffent­li­chen Dienst und in den Berg­wer­ken von Astu­ri­en und Anda­lu­si­en beschäf­tigt. Der Groß­teil der Bevöl­ke­rung leb­te von einer archai­schen Land­wirt­schaft, die von Groß­grund­be­sit­zern mit rie­si­gen Län­de­rei­en aus­ge­beu­tet wur­de. Die herr­schen­de Klas­se umfass­te sowohl vor allem Groß­grund­be­sit­zer und eini­ge Indus­trie­ka­pi­ta­lis­ten als auch Finan­ziers. Sie inves­tier­te in Ban­ken, Indus­trien sowie in spe­ku­la­ti­ve Finanz- und Grundstücksgeschäfte.

Dop­pelt para­si­tär, roya­lis­tisch und extrem kon­ser­va­tiv klam­mer­te sie sich umso mehr an ihre Pri­vi­le­gi­en, je mehr eine chro­ni­sche poli­ti­sche Kri­se das Land erschüt­ter­te. Spo­ra­di­sche Auf­stän­de auf dem Land wur­den von der Guar­dia Civil eben­so blu­tig nie­der­ge­schla­gen wie Gene­ral­streiks, die gan­ze Städ­te lahmlegten.

Zwei Gewerk­schafts­bün­de orga­ni­sier­ten die Arbei­ter- und Bau­ern­be­we­gung: die CNT, eine anarcho-syn­di­ka­lis­ti­sche Gewerk­schaft, die der FAI (Ibe­ri­sche Anar­chis­ti­sche Föde­ra­ti­on) ange­hör­te, und die UGT (All­ge­mei­ne Arbei­ter­uni­on), die mit der PSOE (Sozia­lis­ti­sche Arbei­ter­par­tei Spa­ni­ens) ver­bun­den war.

Die Bour­geoi­sie konn­te auf die uner­schüt­ter­li­che Unter­stüt­zung des Kle­rus und der Armee zäh­len. Die katho­li­sche Kir­che, die Hüte­rin der Staats­re­li­gi­on, kon­trol­lier­te das Bil­dungs­we­sen. Sie war eine der größ­ten Grund­be­sit­ze­rin­nen und eine der größ­ten Anteils­eig­ne­rin­nen an Ban­ken und Berg­wer­ken. Das Offi­ziers­korps, Zufluchts­ort für „Papa-Söh­ne“ der Olig­ar­chie, hat­te sich auf Mili­tär- put­sche spe­zia­li­siert. Der jüngs­te „Pro­nun­cia­mi­en­to“ brach­te 1923 neben dem Mario­net­ten­kö­nig Alfons XIII. den Gene­ral Pri­mo de Rive­ra an die Macht. Er war ein Dik­ta­tor, der sei­ne Befeh­le von den „Bera­tern des Königs“ ent­ge­gen­nahm, den Ver­tre­tern der obers­ten Schich­ten der Oligarchie.

Die­ses Regie­rungs­duo ließ die unte­ren Bevöl­ke­rungs­klas­sen die Kos­ten für einen mage­ren wirt­schaft­li­chen Auf­schwung tra­gen. Doch mit der Welt­wirt­schafts­kri­se von 1929 brach die Aus­lands­nach­fra­ge nach Agrar- und Berg­bau­pro­duk­ten ein. Es kam zur Rezes­si­on, zu einem sprung­haf­ten Anstieg der Arbeits­lo­sig­keit und zu wach­sen­den sozia­len Unru­hen, die alles zu zer­stö­ren drohten.

Im Janu­ar 1930 gab die Olig­ar­chie nach und „ent­ließ“ Pri­mo de Rive­ra. Sein Nach­fol­ger ver­such­te, das „ein­fa­che Volk“ mit einer Ver­fas­sungs­re­form zu besänf­ti­gen. Ver­geb­lich. Die Macht­ha­ber orga­ni­sier­ten dar­auf­hin Kom­mu­nal­wah­len und setz­ten dar­auf, dass sie in den länd­li­chen Gebie­ten, die als unter dem Ein­fluss der Pries-ter ste­hend gal­ten, den Sieg davon­tra­gen. Doch es waren die repu­bli­ka­ni­schen und sozia­lis­ti­schen Lis­ten, die die Nase vorn hat­ten. Die Spit­zen des Staa­tes berie­ten sich, und am 14. April 1930 fiel die Ent­schei­dung: Alfons XIII. pack­te sei­ne Kof­fer, die Repu­blik wur­de ausgerufen.

Sofort wur­de eine pro­vi­so­ri­sche Regie­rung der „natio­na­len Ein­heit“ gebil­det. Ihr gehör­ten zwei Mon­ar­chis­ten an, dar­un­ter Zamo­ra als Prä­si­dent, ein libe­ra­ler Ban­kier aus Bar­ce­lo­na, Olwer, ein lin­ker repu­bli­ka­ni­scher Intel­lek­tu­el­ler, Manu­el Aza­ña, sowie drei Sozia­lis­ten, dar­un­ter Fran­cis­co Lar­go Cabal­le­ro, Gene­ral­se­kre­tär der UGT. Die Wah­len zu den ver­fas­sungs­ge­ben­den Cor­tes [Ver­samm­lun­gen] bestä­tig­ten im Juni 1930 die von den Repu­bli­ka­nern und Sozia­lis­ten bei den Kom­mu­nal­wah­len errun­ge­ne Mehrheit.

April 1931: „la bel­la niña“ und die sozia­le Revolution
Die Aus­ru­fung der Repu­blik wur­de von der Bevöl­ke­rung mit gro­ßer Begeis­te­rung auf­ge­nom­men. Man nann­te sie „la bel­la niña“, das schö­ne Kind … Doch die Revo­lu­ti­on erfolg­te nur an den Wahl­ur­nen, weil die spa­ni­sche Bour­geoi­sie Todes­angst vor einer ech­ten Revo­lu­ti­on hat­te und der Volks­re­vol­te ein Ven­til bie­ten woll­te. An den Wider­sprü­chen, die die Gesell­schaft unter­gra­ben und die die Repu­blik auf kei­nen Fall lösen konn­te, hat­te sich nichts geändert.

Indem die spa­ni­sche Bour­geoi­sie die Pha­se der indus­tri­el­len Ent­wick­lung „über­sprang“, um direkt zur Pha­se des Finanz­pa­ra­si­tis­mus über­zu­ge­hen, hat­te sie die Auf­ga­ben der demo­kra­ti­schen Revo­lu­ti­on (Agrar­re­form, Säku­la­ri­sie­rung des Staa­tes …) auf der Stre­cke gelas­sen. Sie lehn­te die­se Refor­men, die ihre unmit­tel­ba­ren Inter­es­sen berühr­ten, vehe­ment ab.

Im Bas­ken­land und in Kata­lo­ni­en, wo sie eine gewis­se Prä­senz hat­te, for­der­te die Indus­trie­bour­geoi­sie Unab­hän­gig­keit, um sich aus den feu­da­len Über­res­ten des Zen­tral­staa­tes befrei­en zu kön­nen. Wie im Russ­land von 1917 oblag es den Arbei­ter- und Bau­ern­mas­sen, die Auf­ga­ben der demo­kra­ti­schen Revo­lu­ti­on zu voll­enden. Doch das erfor­der­te, den Weg bis zum Ende zu gehen, hin zur Errich­tung ihrer eige­nen Klas­sen­herr­schaft auf den Trüm­mern der bür­ger­li­chen Repu­blik, die­ser neu­en Form der Herr­schaft der Bour­geoi­sie. Die sozia­le Revo­lu­ti­on stand also auf der Tagesordnung.

Trotz­ki ver­trat die­se The­se bereits seit 1930 in ver­schie­de­nen Schrif­ten, ins­be­son­de­re in sei­nem Brief­wech­sel mit Andrés Nín, dem Füh­rer der „trotz­kis­ti­schen“ Lin­ken Oppo­si­ti­on in Spa­ni­en. Es war Trotz­ki zufol­ge drin­gend not­wen­dig, sich auf die schwie­ri­ge Auf­ga­be der Füh­rung die­ser Revo­lu­ti­on vor­zu­be­rei­ten und dabei die Fal­len sowohl des „Lega­lis­mus“ als auch des „Aben­teu­rer­tums“ zu ver­mei­den. Denn die­se wür­den zur Mas­sa­krie­rung der auf­stän­di­schen, aber unor­ga­ni­sier­ten Mas­sen führen.

Trotz­ki warn­te: „[E]ine unmit­tel­ba­re Gefahr droht der pro­le­ta­ri­schen Revo­lu­ti­on in Spa­ni­en sei­tens der heu­ti­gen Lei­tung der Kom­in­tern. Jede Revo­lu­ti­on, auch die viel­ver­spre­chends­te, kann zu Grun­de gerich­tet wer­den: das hat die Erfah­rung der deut­schen Revo­lu­ti­on von 1923 bewie­sen, aber noch grel­ler die Erfah­rung der chi­ne­si­schen Revo­lu­ti­on von 1925-27. In bei­den Fäl­len war die unmit­tel­ba­re Ursa­che des Zusam­men­bruchs die fal­sche Lei­tung.“ [Leo Trotz­ki, „Die Spa­ni­sche Revo­lu­ti­on und die ihr dro­hen­den Gefah­ren“; in: Ders., Revo­lu­ti­on und Bür­ger­krieg in Spa­ni­en, Köln 2016, S.114 f.,]

Die Repu­blik zwi­schen zwei Fronten
Sofort ent­brann­te ein Kon­flikt zwi­schen der Regie­rung und den herr­schen­den Klas­sen über eini­ge weni­ge Refor­men, die die Regie­rung auf den Weg brach­te: sozia­le Absi­che­rung für die Klein­bau­ern, ein Son­der­sta­tus für Kata­lo­ni­en, eine schein­ba­re Agrar­re­form … Ein Dekret, das den Zwang für Fami­li­en auf­hob, ihre Kin­der in den Reli­gi­ons­un­ter­richt zu schi­cken, brach­te das Fass zum Über­lau­fen. Die Kir­che rief zum Sturz die­ser „pro­vi­so­ri­schen Repu­blik“ auf, um zum „alt­be­kann­ten Spa­ni­en“ zurück­keh­ren zu kön­nen. Die anti­kle­ri­ka­le Jugend schlug zurück, Kir­chen und Klös­ter gin­gen in Flam­men auf. Die Regie­rung ent­zog der Kir­che ihren Sta­tus als Staats­re­li­gi­on. Die Minis­ter der Rech­ten tra­ten zurück.

In den unte­ren Bevöl­ke­rungs­klas­sen wichen die durch den Regie­rungs­an­tritt der „bel­la niña“ geweck­ten Hoff­nun­gen sehr schnell der Wut. Auf Initia­ti­ve der CNT gab es ver­mehrt Auf­stän­de auf dem Land und Streiks in den Fabri­ken. Sie wur­den von der Regie­rung hart nie­der­ge­schla­gen. Unter dem Vor­wand, die Repu­blik gegen ihre rech­ten Fein­de zu ver­tei­di­gen, kam ein gan­zes Arse­nal von Maß­nah­men gegen mili­tan­te Arbei­ter zum Einsatz.

Sozia­lis­ti­sche Minis­ter und Füh­rungs­kräf­te sahen sich mit dem Auf­stand ihrer Basis kon­fron­tiert. Er wen­de­te sich gegen eine Regie­rung, die nicht nur unfä­hig war, auch nur die gerings­ten Ant­wor­ten auf sozia­le und demo­kra­ti­sche Fra­gen zu geben, son­dern auch die Arbei­ter­be­we­gung mit aller Här­te unter­drück­te. Schließ­lich lie­ßen sie die Repu­bli­ka­ner im Stich, die die Kom­mu­nal­wah­len von 1933 ver­lo­ren. Im Okto­ber lös­te Prä­si­dent Zamo­ra die Cor­tes auf. Sozia­lis­ten und Repu­bli­ka­ner tra­ten bei den Par­la­ments­wah­len im Novem­ber getrennt an, so dass die in der CEDA (Spa­ni­scher Ver­band der auto­no­men Rech­ten) zusam­men­ge­schlos­se­ne Rech­te sie­gen konn­te, zumal der Auf­ruf der CNT zur Wahl­ent­hal­tung Rekord­wer­te erreichte.

Rück­kehr zum „star­ken Staat“: das „bie­nio negro“
Im April 1931 hat­te sich die Bour­geoi­sie für die Repu­blik in der Hoff­nung ent­schie­den, dass die­se die Begeis­te­rung der Bevöl­ke­rung dämp­fen wür­de. Danach begann sie jedoch sehr schnell wie­der, auf die Rück­kehr eines „star­ken Staa­tes“ hin­zu­ar­bei­ten. Bereits im August 1932 ver­such­te ein Gene­ral namens San­jur­jo einen „Pro­nun­cia­mi­en­to“, der jedoch sofort durch den brei­ten Wider­stand von unten ver­ei­telt wur­de. Die­se Lek­ti­on zeig­te Wir­kung, denn ein Teil der Füh­rer der reak­tio­nä­ren Rech­ten wand­te sich einer ande­ren Opti­on zu − dem Faschismus.

Dies war der Fall beim Grün­der der CEDA, Gil Robles, einem Bewun­de­rer Mus­so­li­nis. Er beab­sich­tig­te, durch Wah­len an die Staats­füh­rung zu gelan­gen. Der Erfolg bei den Par­la­ments­wah­len schien ihm die­se Chan­ce zu bie­ten. Doch der mon­ar­chis­ti­sche Prä­si­dent Zamo­ra war durch das Schei­tern San­jur­jos vor­sich­tig gewor­den. Er fürch­te­te den Wider­stand der Bevöl­ke­rung, zumal Hit­lers Macht­an­tritt die Wach­sam­keit der spa­ni­schen Arbei­ter­be­we­gung erhöht hatte.

Zamo­ra über­ging Gil Robles und ernann­te einen gewis­sen Ler­roux, einen kor­rup­ten „radi­ka­len“ Bour­geois, zum Regie­rungs­chef des neu­en Kabi­netts, in der kein ein­zi­ges Mit­glied der CEDA ver­tre­ten war. Es begann eine Zeit der Reak­ti­on − des „bie­nio negro“, der „zwei schwar­zen Jah­re“. Die Agrar­re­form wur­de gestoppt. Die Kir­che erhielt ihre Vor­rech­te zurück und bekam enor­me „finan­zi­el­le Ent­schä­di­gun­gen“. Kata­lo­ni­en und das Bas­ken­land ver­lo­ren ihre Autonomie.

Die Arbei­ter­al­li­anz und die Kom­mu­ne von Asturien
Vie­le Akti­vis­ten der Arbei­ter- und Bau­ern­or­ga­ni­sa­tio­nen, dar­un­ter auch Mit­glie­der der PSOE und der UGT, die durch die zweit­wei­se Regie­rungs­be­tei­li­gung ihrer Par­tei tief radi­ka­li­siert wor­den waren, wur­den sich der sich nun auf­drän­gen­den poli­ti­schen Alter­na­ti­ve bewusst. Sie kam in der Losung „sozia­le Revo­lu­ti­on oder Faschis­mus“ zum Aus­druck, die von den Genoss:innen der Izquier­da Comu­nis­ta (Kom­mu­nis­ti­sche Lin­ke, die neue Bezeich­nung für die Lin­ke Oppo­si­ti­on in Spa­ni­en) ver­brei­tet wurde.

Der faschis­ti­schen Bedro­hung setz­ten sie die Bil­dung einer „Ein­heits­front“ der Arbei­ter­or­ga­ni­sa­tio­nen ent­ge­gen. Ihre Poli­tik kon­kre­ti­sier­te sich in der Arbei­ter­al­li­anz. Sie wur­de im Dezem­ber 1933 in Kata­lo­ni­en auf Initia­ti­ve der Izquier­da Comu­nis­ta und des BOC (dem Arbei­ter- und Bau­ern­block) gegrün­det. Gene­ral­se­kre­tär des BOC war Mau­rín, ein 1930 aus der PCE aus­ge­schlos­se­nes Lei­tungs­mit­glied. Der Arbei­ter­al­li­anz tra­ten zudem der radi­ka­li­sier­te lin­ke Flü­gel der PSOE und der UGT, die Sozia­lis­ti­sche Jugend sowie eini­ge anar­chis­ti­sche Orga­ni­sa­tio­nen bei.

Die Bewe­gung für die Arbei­ter­al­li­anz brei­te­te sich auf Madrid, Valen­cia und die Regi­on Astu­ri­en aus. Die PCE schloss sich ihr im Sep­tem­ber 1934 an. Sei­tens der CNT trat ledig­lich deren astu­ri­sche Orga­ni­sa­ti­on dem Bünd­nis bei.

Ein Füh­rer der Alli­anz schrieb: „Die Rea­li­tät der faschis­ti­schen Bedro­hung in Spa­ni­en hat die Fra­ge der Ver­ei­ni­gung des revo­lu­tio­nä­ren Pro­le­ta­ri­ats ernst­haft auf­ge­wor­fen. Statt sich auf ein rein defen­si­ves Agie­ren zu beschrän­ken, geht es jetzt dar­um, Aktio­nen von grö­ße­rer Wirk­macht und radi­ka­le­rer Aus­rich­tung zu ermög­li­chen. Da sich die der­zeit ein­zig mög­li­che Poli­tik auf die Alter­na­ti­ve Faschis­mus oder sozia­le Revo­lu­ti­on kon­zen­triert, ist es uner­läss­lich, dass die Arbei­ter­kräf­te eine Front aus Gra­nit bilden.“

Die Arbei­ter­al­li­anz wur­de schon bald auf die Pro­be gestellt. Am 1. Okto­ber 1934 tra­ten drei Mit­glie­der der CEDA in die Regie­rung ein. Die UGT und die Arbei­ter­al­li­anz reagier­ten dar­auf mit dem Auf­ruf zum Gene­ral­streik. Die CNT hielt sich, außer in Astu­ri­en, zurück. Das führ­te dazu, dass der Auf­ruf nur in weni­gen Städ­ten befolgt wur­de und sei­ne Wir­kung schnell wie­der verpuffte.

In Astu­ri­en hin­ge­gen hat­te die Arbei­ter­al­li­anz den Auf­stand vor­be­rei­tet. Bereits ab dem 5. Okto­ber besetz­ten bewaff­ne­te Berg­leu­te Städ­te und Dör­fer. Die Haupt­stadt Ovie­do wur­de ein­ge­nom­men. Die Arbei­ter orga­ni­sier­ten das gesell­schaft­li­che und wirt­schaft­li­che Leben. Doch die Astu­ri­sche Kom­mu­ne war ange­sichts der Repres­si­on iso­liert. Die Berg­leu­te leis­te­ten – man­gels ande­rer Waf­fen mit Dyna­mit – erbit­ter­ten Wider­stand gegen die Regie­rungs­trup­pen. Das Mili­tär konn­te erst am 18. Okto­ber den Auf­stand nie­der­schla­gen. 3.000 Men­schen wur­den getö­tet und 7.000 ver­letzt. 30.000 Per­so­nen wur­den inhaftiert.

Von der Ein­heits­front zur Volksfront
Für Trotz­ki stell­te die Nie­der­la­ge in Astu­ri­en die Tak­tik der Ein­heits­front nicht in Fra­ge. Sie bestä­tig­te für ihn viel­mehr, wie wich­tig der Kampf um die Ein­heit der Arbei­ter­klas­se ange­sichts einer Offen­si­ve der Bour­geoi­sie ist – eben­so wie der Auf­bau einer revo­lu­tio­nä­ren Füh­rung, die wäh­rend des Gene­ral­streiks so bit­ter fehlte.

Die­ser Kampf, des­sen bei­de Aspek­te untrenn­bar mit­ein­an­der ver­bun­den sind, muss­te von der Izquier­da Comu­nis­ta geführt wer­den. Doch sie war zah­len­mä­ßig schwach und hat­te kaum Ver­bin­dun­gen zu den Mas­sen. Des­halb hat­te Trotz­ki bereits im Juli 1934 die Par­tei von Nín dazu gedrängt, der PSOE beizutreten.

Letz­te­re, ins­be­son­de­re ihr lin­ker Flü­gel und ihre Jugend, hat­te sich im Lau­fe der Jah­re der Regie­rungs­be­tei­li­gung tief­grei­fend gewan­delt und revo­lu­tio­nä­ren Ideen zuge­wandt. Für die Jung­so­zia­lis­ten waren die Füh­rer der Izquier­da Comu­nis­ta „die bes­ten Mar­xis­ten Spa­ni­ens“. Ein Bei­tritt zur PSOE hät­te letz­te­ren ermög­licht, tau­sen­den jun­ger sozia­lis­ti­scher Akti­vis­ten die poli­ti­schen Ant­wor­ten zu geben, die sie such­ten. So hät­ten sie poli­ti­schen Ein­fluss gewin­nen und sich als Füh­rung in der poli­ti­schen Aus­ein­an­der­set­zung und der demo­kra­ti­schen Debat­te bewäh­ren können.

Die Izquier­da Comu­nis­ta ant­wor­te­te Trotz­ki erst im Sep­tem­ber 1934 und sag­te Nein zum Ein­tritt in die PSOE. Die Sozia­lis­ti­sche Jugend schloss sich letzt­lich 1936 der PCE an.

Im Okto­ber 1935 ver­ei­nig­te sich fast die gesam­te Izquier­da Comu­nis­ta, dar­un­ter auch Nín, mit dem BOC von Mau­rín und grün­de­te die POUM (Arbei­ter­par­tei der Mar­xis­ti­schen Ver­ei­ni­gung). Nur eine Hand­voll Akti­vis­ten blieb an der Sei­te Trotz­kis, der poli­tisch mit Nín brach. Trotz­ki hielt den Zusam­men­schluss mit einer Orga­ni­sa­ti­on, die die Izquier­da Comu­nis­ta wegen ihrer „kata­la­nis­ti­schen“ Ten­den­zen und der Unklar­heit ihres Pro­gramms immer wie­der kri­ti­siert hat­te, für völ­lig falsch. Dies umso mehr, als die zuge­spitz­te Lage im Gegen­teil größ­te poli­ti­sche Klar­heit erfor­der­te. Denn eine neue poli­ti­sche Grund­strö­mung mach­te sich bemerkbar.

Ange­sichts der Bedro­hung nach Hit­lers Sieg 1933 in Deutsch­land voll­zog die sta­li­nis­ti­sche Büro­kra­tie im August 1935 eine Kehrt­wen­de um 180 Grad: Abrup­te Been­di­gung des sek­tie­re­ri­schen und „ultra­lin­ken“ Kur­ses, wäh­rend­des­sen die Sozia­lis­ten als „Sozi­al­fa­schis- ten“ beschimpft wur­den, und statt­des­sen Beginn einer Poli­tik der aus­ge­streck­ten Hand gegen­über den „Demo­kra­tien“, um sich mit „Volks­fron­ten“ dem Faschis­mus ent­ge­gen­zu­stel­len. Die­ses Bekennt­nis der sta­li­nis­ti­schen Füh­rung, Bünd­nis­se mit Ver­tre­tern der Bour­geoi­sie ein­zu­ge­hen, konn­te nur eines bedeu­ten: näm­lich die Zusi­che­rung, sich jeder Revo­lu­ti­on zu widersetzen.

In Spa­ni­en folg­ten die eta­blier­ten Arbei­ter­par­tei­en die­ser Ori­en­tie­rung und schlos­sen ein Wahl­bünd­nis mit den bür­ger­li­chen Repu­bli­ka­nern. Die Ver­ein­ba­rung für die Wah­len zu den Cor­tes wur­de am 15. Janu­ar 1936 unter­zeich­net. Im Bünd­nis ver­eint waren drei bür­ger­lich-repu­bli­ka­ni­sche Par­tei­en, die PSOE, die JS, die UGT, die PCE, die Syn­di­ka­lis­ti­sche Par­tei (ent­stan­den aus einer Abspal­tung der CNT-FAI) − und die POUM. Die­sel­be grund­le­gen­de Ori­en­tie­rung, die die Izquier­da Comu­nis­ta zur POUM getrie­ben hat­te, führ­te sie nun in die „Fren­te Popular“.

Nín argu­men­tier­te, eine Nicht­teil­nah­me hät­te bedeu­tet, „sich von den Mas­sen abzu­schnei­den“. Dar­auf ant­wor­te­te Trotz­ki: „Die Wahl­tak­tik kann nicht eine ver­rä­te­ri­sche Poli­tik recht­fer­ti­gen, die in der Auf­stel­lung eines gemein­sa­men Pro­gramms mit der Bour­geoi­sie besteht.“ [L. Trotz­ki, „Der Ver­rat der Arbei­ter­par­tei der Mar­xis­ti­schen Ver­ei­ni­gung‘“; in: Revo­lu­ti­on und Bür­ger­krieg, S. 237.] Ein Pro­gramm, das sich an das der repu­bli­ka­ni­schen Regie­rung von 1931 anlehn­te: Wie­der­auf­nah­me der Agrar­re­form, Rück­kehr zur Auto­no­mie für das Bas­ken­land und Kata­lo­ni­en, dazu das Ver­spre­chen, inhaf­tier­te Akti­vis­ten frei­zu­las­sen, dar­un­ter 30.000 Berg­ar­bei­ter aus Asturien.

16. Febru­ar - 16. Juli 1936: Die Repu­blik der „Fren­te Popular“
Das Wahl­bünd­nis gewann die Wah­len vom 16. Febru­ar 1936. Die neue Regie­rung, die von der PSOE und der PCE unter­stützt wur­de, bestand aus­schließ­lich aus Repu­bli­ka­nern. Die Mas­sen ergrif­fen die Initia­ti­ve und öff­ne­ten die Gefäng­nis­se, ohne auf die Dekre­te zur Frei­las­sung der poli­ti­schen Gefan­ge­nen zu war­ten. Bau­ern besetz­ten das Land. In Madrid betrie­ben die Stra­ßen­bahn­an­ge­stell­ten den Ver­kehr auf eige­ne Faust.

Bei den Zusam­men­stö­ßen zwi­schen faschis­ti­schen Ban­den und bewaff­ne­ten Arbei­ter­or­ga­ni­sa­tio­nen gab es täg­lich Tote. Anfang Juli erschos­sen Mit­glie­der einer faschis­ti­schen Grup­pe einen Mili­tär- aus­bil­der der JS, einen Offi­zier der Sturm­trup­pen. Mit ihm befreun­de­te Ange­hö­ri­ge der Sturm­trup­pen rich­te­ten den Anfüh­rer der Grup­pie­rung, Cal­vo Sote­lo, einen bekann­ten Bewun­de­rer Mus­so­li­nis, hin.

Das war der Aus­lö­ser für einen Mili­tär­putsch, der seit Mona­ten unter der Füh­rung eini­ger Gene­rä­le, dar­un­ter Fran­co, vor­be­rei­tet wor­den war. Der Auf­stand begann am 17. Juli in Marok­ko und griff auf die Gar­ni­so­nen in ver­schie­de­nen Städ­ten Spa­ni­ens über. Am Mor­gen des 19. Juli trat die Regie­rung zurück: Die Repu­blik beug­te sich dem Gewalt­streich der Generäle.

Doch die Arbei­ter­or­ga­ni­sa­tio­nen waren sich der töd­li­chen Gefahr, die ihnen droh­te, sehr wohl bewusst. Die CNT und die UGT rie­fen zum Gene­ral­streik auf. In meh­re­ren Städ­ten, dar­un­ter Bar­ce­lo­na, Madrid und Valen­cia, mobi­li­sier­ten sich die Arbeiter:innen, gin­gen auf die Stra­ße, stell­ten sich der mili­tä­ri­schen Rebel­li­on ent­ge­gen und konn­ten sich durch­set­zen. Am Abend des 20. Febru­ar war es den Putsch-Gene­rä­len nur gelun­gen, die Kon­trol­le über ein Drit­tel des Staats­ge­biets zu erlan­gen. Die Kriegs­ma­ri­ne befand sich jedoch in den Hän­den der gegen die Put­schis­ten meu­tern­den Matrosen.

Bür­ger­krieg und sozia­le Revolution
Der Mili­tär­putsch schei­ter­te zwar am Wider­stand von unten, doch es begann ein Bür­ger­krieg, der fast drei Jah­re andau­ern soll­te. Die Armee, unter­stützt von faschis­ti­schen Ban­den wie der Falan­ge, ver­brei­te­te Ter­ror. Sie erhielt mas­si­ve Hil­fe in Form von Mate­ri­al und Trup­pen aus Nazi-Deutsch­land und dem faschis­ti­schen Italien.

Ihr stan­den die Mili­zen der Arbei­ter­or­ga­ni­sa­tio­nen gegen­über, in denen sich die der Repu­blik treu geblie­be­nen Trup­pen auf­ge­löst hat­ten. Schlecht bewaff­net, untrai­niert und ohne zen­tra­les Kom­man­do erhiel­ten sie kei­ner­lei Hil­fe von den west­li­chen „Demo­kra­tien“, die eine heuch­le­ri­sche „Nicht­ein­mi­schung“ ver­tra­ten. Für die „Hil­fe“ der sta­li­nis­ti­schen UdSSR zahl­te der anti­fa­schis­ti­sche Wider­stand einen extrem hohen Preis.

Der wich­tigs­te Trumpf des „anti­fa­schis­ti­schen“ Lagers lag in der Ent­schlos­sen­heit und Selbst­auf­op­fe­rung der Arbei­ter und Bau­ern, die die­se seit Jah­ren schlum­mern­de und nun gera­de aus­ge­bro­che­ne sozia­le Revo­lu­ti­on ver­tei­dig­ten. Ins­be­son­de­re in Bar­ce­lo­na tra­ten bewaff­ne­te Arbeiter:innen an die Stel­le der Staats­po­li­zei. Komi­tees über- nah­men die Ver­sor­gung. Die Betrie­be lie­fen unter der Kon­trol­le der Arbeiter:innen wei­ter. Die Mili­zen von Bar­ce­lo­na befrei­ten Ara­go­ni­en, hal­fen den Bau­ern bei der Land­nah­me und ihrer Organisierung.

Die spa­ni­sche Revo­lu­ti­on war mit einer Viel­zahl von zu beant­wor­ten­den Fra­gen kon­fron­tiert, dar­un­ter der ent­schei­den­den Fra­ge nach der Macht. Bereits ab dem 20. Juli 1936 koexis­tier­ten im „anti­fa­schis­ti­schen“ Lager die Über­res­te der bür­ger­li­chen Repu­blik und die sich gera­de her­aus­bil­den­de Macht der Arbeiter:innen.
Der Erfolg oder das Schei­tern von Revo­lu­tio­nen ent­schei­det sich dar­an, wie sol­che Situa­tio­nen der Dop­pel­herr­schaft gelöst wer­den: Sieg der Kon­ter­re­vo­lu­ti­on oder Sieg der Revo­lu­ti­on. Doch die spa­ni­sche Revo­lu­ti­on sah sich zwei Geg­nern gegen­über: der faschis­ti­schen Bedro­hung natür­lich, aber auch der „repu­bli­ka­ni­schen Macht“. Letz­te­re wur­de von den Sta­li­nis­ten unter­stützt. Unter dem Vor­wand, dass die Ein­heit der Repu­blik Vor­aus­set­zung für den Sieg im Krieg gegen Fran­co sei, unter­nah­men sie alles, um die Revo­lu­ti­on zu zerschlagen.

Die Ver­tei­di­gung der Revo­lu­ti­on setz­te zwangs­läu­fig vor­aus, sich auf die Kon­fron­ta­ti­on mit den repu­bli­ka­ni­schen Par­tei­en und ihren Ver­bün­de­ten PSOE und PCE vor­zu­be­rei­ten. Doch die Füh­rung der ein­fluss­reichs­ten revo­lu­tio­nä­ren Orga­ni­sa­ti­on, der liber­tä­ren CNT-FAI, war sich die­ser über­le­bens­wich­ti­gen Not­wen­dig­keit gar nicht bewusst. Sie ging davon aus, dass der repu­bli­ka­ni­sche Staat, dem sie Minis­ter stell­ten, dazu die­nen kön­ne, die Revo­lu­ti­on anzuführen.

Die mar­xis­ti­sche POUM erkann­te die Her­aus­for­de­run­gen und brach­te dies in ihren Schrif­ten zum Aus­druck. Doch sie erwies sich als unfä­hig, den not­wen­di­gen poli­ti­schen Kampf zu füh­ren und der CNT wie der UGT, die Füh­rung der revo­lu­tio­nä­ren Bewe­gung strei­tig zu machen. Zudem ver­sag­te sie dar­in, die­ser Bewe­gung zu hel­fen, ihre Struk­tu­ren der Selbst­or­ga­ni­sa­ti­on auf­zu­bau­en und sie auf die Kon­fron­ta­ti­on mit der repu­bli­ka­ni­schen Staats­macht vor­zu­be­rei­ten. Statt­des­sen trat Nín im Sep­tem­ber 1936 in die Regie­rung der Gene­ra­li­tat von Kata­lo­ni­en ein, bevor er zwei Mona­te spä­ter unter sta­li­nis­ti­schem Druck aus ihr ver­trie­ben wurde.

Die Repu­bli­ka­ner, die PCE und die PSOE hat­ten sich ihrer­seits ganz bewusst für die Wie­der­her­stel­lung der bür­ger­li­chen Staats­macht ein­ge­setzt. Die PCE, die zu Beginn der 1930er Jah­re noch eine klei­ne, ein­fluss­lo­se Par­tei war, nutz­te die refor­me­ri­sche Poli­tik der Volks­front, um sich wei­ter­zu­ent­wi­ckeln. Mit der Unter­stüt­zung des sta­li­nis­ti­schen Appa­rats, der im Rah­men der mili­tä­ri­schen Hil­fe Sta­lins für die Repu­blik auf­ge­baut wor­den war, und gestärkt durch die Prä­senz der von der Kom­mu­nis­ti­schen Inter­na­tio­na­le rekru­tier­ten Inter­na­tio­na­len Bri­ga­den, war sie es, die die Drecks­ar­beit ver­rich­ten sollte.

Im Namen der „Effi­zi­enz“ wur­den die Mili­zen der POUM und der CNT gezwun­gen, sich in die offi­zi­el­le Armee zu inte­grie­ren. In den Städ­ten trat die Staats­po­li­zei an die Stel­le der Arbei­ter­mi­li­zen. Die Betrie­be wur­den ihren Eigen­tü­mern zurück­ge­ge­ben, die land­wirt­schaft­li­chen Genos­sen­schaf­ten zer­schla­gen. Die Ver­tei­di­ger der Revo­lu­ti­on wur­den der Kol­la­bo­ra­ti­on mit den Faschis­ten beschul­digt. Wäh­rend in der UdSSR die Mos­kau­er Schau­pro­zes­se statt­fan­den, auf­grund derer die alten Revo­lu­tio­nä­re ermor­det wur­den, schrieb die Praw­da, das Par­tei­or­gan der KPdSU: „In Spa­ni­en hat die Liqui­die­rung der Trotz­kis­ten und Anar­chis­ten begon­nen. Sie wird mit der­sel­ben Ent­schlos­sen­heit durch­ge­führt wer­den wie in der Sowjetunion.“

Doch die Revo­lu­tio­nä­re wei­ger­ten sich, nach­zu­ge­ben. Die Repu­blik brauch­te Mona­te, um sie zu besie­gen. Den ent­schei­den­den Angriff star­te­ten die Sta­li­nis­ten im Mai 1937, als sie in Bar­ce­lo­na ver­such­ten, die von Aktivist:innen der CNT und der UGT kon­trol­lier­te Tele­fó­ni­ca (die Tele­fon­zen­tra­le) gewalt­sam zu über­neh­men. Als die Nach­richt von die­ser Pro­vo­ka­ti­on bekannt wur­de, errich­te­ten die Arbei- ter:innen in Bar­ce­lo­na Bar­ri­ka­den, und Kolon­nen der CNT und der POUM ver­lie­ßen die Front, um sie unter­stüt­zen. Doch zum Kampf kam es nicht: Gar­cia Oli­ver und Fede­ri­ca Mont­se­ny, zwei anar­chis­ti­sche Minis­ter, eil­ten aus Valen­cia her­bei, um die Arbei­ter davon zu über­zeu­gen, die Waf­fen nie­der­zu­le­gen. Damit lie­ßen sie der Kon­ter­re­vo­lu­ti­on freie Hand.

Die POUM wur­de ver­bo­ten und ihre Füh­rer wegen „Kom­pli­zen­schaft mit den Faschis­ten“ inhaf­tiert. Nín und ande­re Genos­sen wur­den in sta­li­nis­ti­schen Geheim­ge­fäng­nis­sen gefol­tert und ermor­det. Die anar­chis­ti­schen Minis­ter blie­ben jedoch in der Regierung …

Indem sie die Revo­lu­ti­on ent­waff­ne­te, die Staats­macht wie­der­her­stell­te und die Fabri­ken und Län­de­rei­en an ihre frü­he­ren Besit­zer zurück­gab, schnitt sich die Repu­blik von den arbei­ten­den Klas­sen ab, die Fran­cos Putsch ver­ei­telt hat­ten. Damit ver­ur­teil­te sie sich selbst zum Unter­gang. Ende März 1939 errich­te­te Fran­co eine Dik­ta­tur, die die spa­ni­sche Mehr­heits­be­völ­ke­rung bis zu sei­nem Tod im Jahr 1975 unter­drück­te und alles zer­stör­te, was von den Arbei­ter­or­ga­ni­sa­tio­nen noch übrig war.


Chro­no­lo­gie
Janu­ar 1930: Sturz des Dik­ta­tors Pri­mo de Rivera.
April 1931: Sturz von Alfons XIII., Aus­ru­fung der Zwei­ten Republik.
Novem­ber 1933: Wahl­sieg der Rechten.
Okto­ber 1934: Arbei­ter­auf­stand in Asturien.
Febru­ar 1936: Wahl­sieg der „Fren­te Popular“.
Juli 1936: Faschis­ti­scher Putsch, Arbeiterwiderstand. 
Mai 1937: Sta­li­nis­ti­sche Unter­drü­ckung der Revo­lu­ti­on in Barcelona.
März 1939: Nie­der­la­ge der Republik.


* Redak­tio­nel­le Bemerkung
Wir geben im Fol­gen­den den von uns aus dem Fran­zö­si­schen über­setz­ten und redak­tio­nell bear­bei­te­ten Text Dani­el Min­vil­les wie­der. Er ist ursprüng­lich unter dem Titel „Espa­gne Juil­let 1936: fascis­me ou révo­lu­ti­on socia­le“ von unse­ren fran­zö­si­schen Genoss:innen in der Zeit­schrift L’Anticapitaliste, Nr. 78 von Juli 2016, ver­öf­fent­licht worden.
H. N., 5. August 2026


Aus Theo­rie­bei­la­ge Avan­ti² Rhein-Neckar Sep­tem­ber 2026
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