Von ALSTOM zu GE

War­um ein Groß­kon­zern zer­schla­gen wur­de

 

H. N.

Protestaktion von Alstom-KollegInnen im Februar 2015 in Mannheim, Foto: Avanti²

Pro­test­ak­ti­on von Alstom-Kol­le­gIn­nen im Febru­ar 2015 in Mann­heim, Foto: Avan­ti²

In die­sem Jahr wer­den die Kol­le­gIn­nen von Gene­ral Elec­tric (GE) und frü­her ALSTOM noch mas­si­ver als bis­her mit den Fol­gen der Zer­schla­gung kon­fron­tiert wer­den. Ins­be­son­de­re im tra­di­ti­ons­rei­chen Käfer­ta­ler Werk dro­hen har­te Atta­cken des neu­en US-Eigen­tü­mers. 

Am 21. Juni 2014 mel­de­te die Kon­zern­lei­tung von ALSTOM Voll­zug. In der Bie­ter­schlacht um den fran­zö­si­schen Mul­ti hat­ten Sie­mens und sein Part­ner Mitsu­bi­shi Hea­vy Indus­tries das Nach­se­hen. Der Gigant GE kam hin­ge­gen zum Zug.
Die Vor­ga­be des ALSTOM-Haupt­ak­tio­närs Bou­y­gues (29,4 % Antei­le) aus dem zwei­ten Halb­jahr 2013 war damit umge­setzt wor­den. ALSTOM - ein glo­bal agie­ren­des Unter­neh­men in den Berei­chen Kraft­wer­ke (Power), Strom­über­tra­gung (Grid) und Schie­nen­ver­kehrs­tech­nik (Trans- port) mit rund 96.000 Beschäf­tig­ten und 20,3 Mrd. Euro Umsatz (Geschäfts­jahr 2013 / 2014) - wur­de in der Fol­ge zer­schla­gen. Der Mul­ti­mil­li­ar­där Bou­y­gues benö­tig­te „Cash“. Er woll­te ver­stärkt im Mobil­funk­markt aktiv sein, weil sich dort mit gerin­ge­rem Ein­satz schnel­le­re und höhe­re Pro­fi­te erzie­len las­sen.

Mil­li­ar­den-Deal

Patrick Kron, Vor­stands­vor­sit­zen­der von ALSTOM, Rit­ter der fran­zö­si­schen Ehren­le­gi­on und Haupt­ver­ant­wort­li­cher für die Pro­ble­me des Kon­zerns, rühm­te sich bei der Bekannt­ga­be des Han­dels mit GE, dass er „sei­nen“ ursprüng­li­chen Plan durch­ge­setzt hät­te. Alle wären Gewin­ner - ALSTOM, GE und der fran­zö­si­sche Staat.
Gewin­ner sind jedoch vor allem die Aktio­nä­re und das Manage­ment von ALSTOM. Als Bonus für die jah­re­lan­ge Aus­plün­de­rung des Kon­zerns, das kri­mi­nel­le Miss­ma­nage­ment und die Zer­schla­gung von ALSTOM füll­ten sie ihre bereits pral­len Geld­sä­cke noch mehr.

Rund 4 Mil­li­ar­den Euro flos­sen auf ALSTOM-Kon­ten. Der Löwen­an­teil davon ging an Bou­y­gues. Kon­zern­boss Kron erhielt laut fran­zö­si­scher Pres­se einen Zusatz­bo­nus von über 4 Mil­lio­nen Euro, die 2.000 Kon­zern­ma­na­ger ins­ge­samt 60 Mil­lio­nen Euro. Das war der Judaslohn für die Zer­schla­gung. Die­se Unsum­men gehö­ren genau betrach­tet den Beschäf­tig­ten, die durch ihre Arbeit die­sen Geld­se­gen ermög­licht haben.
In einer eilig erstell­ten Infor­ma­ti­on für Inves­to­ren und Ana­lys­ten hat­te ALSTOM bereits am 23. Juni 2014 die Ergeb­nis­se des Mega-Deals wie folgt skiz­ziert:
•    GE erwirbt für 12,35 Mil­li­ar­den Euro die kon­ven­tio­nel­le Ener­gie­spar­te von ALSTOM, die für rund 70 Pro­zent des Gesamt­um­sat­zes des fran­zö­si­schen Kon­zerns  steht.
•    Es wer­den drei neue Gemein­schafts­un­ter­neh­men (Joint Ven­tures) zwi­schen ALSTOM und GE gebil­det, deren Grund­la­ge bis­he­ri­ge ALSTOM-Geschäfts­fel­der sind.
•    Die­se soge­nann­ten 50:50-Joint Ven­tures haben zur Fol­ge:
    - Die Strom­über­tra­gung- und ver­tei­lung von ALSTOM (Grid) wird mit GE Digi­tal Ener­gy zusam­men­ge­legt.
    - Bei den Erneu­er­ba­ren Ener­gi­en (Was­ser­kraft, Off­shore-Wind­an­la­gen, Tiden­kraft­wer­ke) wird ALSTOM das Recht zuge­stan­den, die­ses Gemein­schafts­un­ter­neh­men kom­plett zu über­neh­men.
    - Der welt­wei­te Dampf­tur­bi­nen­be­reich für Atom­kraft­wer­ke und das kon­ven­tio­nel­le inner­fran­zö­si­sche Dampf­tur­bi­nen­ge­schäft sowie die ent­spre­chen­den Ser­vices wur­den zusam­men­ge­fasst.
    Dies war ins­be­son­de­re im Inter­es­se des fran­zö­si­schen Staa­tes. Er woll­te sich so den Zugriff auf die „fried­li­che“ und damit natür­lich auch die mili­tä­ri­sche Nut­zung der Atom­kraft sichern.
•    ALSTOM wol­le etwa 2,5 Mil­li­ar­den Euro aus dem Erlös der Ener­gie­spar­te in die­se Gemein­schafts­un­ter­neh­men inves­tie­ren.
Von ALSTOM ist der­zeit noch die Trans­port­s­par­te übrig geblie­ben, die von der Stra­ßen­bahn bis zum Hoch­ge­schwin­dig­keits­zug TGV fast alles her­stellt, was auf Schie­nen fah­ren kann. Dort sind welt­weit etwa 28.000 Men­schen tätig, die etwa 30 % des frü­he­ren Gesamt­kon­zern­um­sat­zes erzeu­gen. Das größ­te Werk befin­det sich in Salz­git­ter.
Mitt­ler­wei­le ver­dich­ten sich die Gerüch­te, dass auch die Trans­port­s­par­te nicht mehr lan­ge in der bis­he­ri­gen Form exis­tie­ren wird.

Gene­ral Elec­tric

GE hat bereits damit begon­nen, sowohl die von ALSTOM erwor­be­ne kon­ven­tio­nel­le Ener­gie­spar­te als auch die von dem US-Kon­zern de fac­to beherrsch­ten Gemein­schafts­un­ter­neh­men einem bru­ta­len Gewinn­ma­xi­mie­rungs­plan zu unter­wer­fen. Dadurch soll der Kauf­preis schnellst­mög­lich wie­der her­ein­holt wer­den.
Die von die­ser Stra­te­gie betrof­fe­nen Beleg­schaf­ten, ihre Inter­es­sen­ver­tre­tun­gen und ihre Gewerk­schaf­ten - in Deutsch­land ist das die IG Metall (IGM) - müs­sen sich auf sehr har­te Zei­ten ein­stel­len. GE hat näm­lich abso­lut kein Ver­ständ­nis für „Pro­fit-Hemm­nis­se“ wie akti­ve Betriebs­rä­te oder eine wirk­sa­me Tarif­bin­dung.

Doch wer­fen wir zunächst einen Blick zurück. Gene­ral Elec­tric wur­de 1892 in den USA gegrün­det. GE ist einer der größ­ten und pro­fi­ta­bels­ten Misch­kon­zer­ne der Welt. Es ist das ein­zi­ge Unter­neh­men, das seit der Ein­füh­rung des 1896 neu ein­ge­führ­ten Dow Jones-Index dort bis heu­te gelis­tet wird.

Der US-Mul­ti ist unter ande­rem in den Berei­chen Ener­gie, Finan­zie­rung, Gesund­heit, Luft­fahrt­tech­nik und Trans­port aktiv. GE war in den Jah­ren von 2001 bis 2005 laut Finan­ci­al Times Glo­bal 500 das teu­ers­te bör­sen­no­tier­te Unter­neh­men der Welt.
Rund 300.000 Beschäf­tig­te, davon etwa 80.000 in Euro­pa, erzeu­gen in über 100 Län­dern laut Capi­tal vom 22. Mai 2014 einen Jah­res­um­satz von rund 147,5 Mil­li­ar­den US-Dol­lar (2013) und einen aus­ge­wie­sen Net­to­ge­winn von rund 24,6 Mil­li­ar­den Dol­lar.
In Deutsch­land ist GE an mehr als 70 Stand­or­ten mit rund 7.500 Beschäf­tig­ten ver­tre­ten. Ener­gie, „Grü­ne“ Tech­no­lo­gi­en, Medi­zin­tech­nik, For­schung und Ent­wick­lung sowie Finanz­dienst­leis­tun­gen sind hier­zu­lan­de die haupt­säch­li­chen Geschäfts­fel­der.
Die US-Kon­zer­ni­ko­ne voll­zieht einen stän­di­gen Wan­del ihrer Struk­tu­ren. Hun­der­te Fusio­nen und Unter­neh­mens­über­nah­men wur­den allein in den letz­ten Jah­ren gezählt.

Jack Welch

Maß­geb­lich geprägt wur­de Gene­ral Elec­tric in sei­ner jet­zi­gen Form von John Fran­cis „Jack“ Welch jr., der 20 Jah­re lang als Vor­stands­vor­sit­zen­der amtier­te. Welch ließ sich 1999 vom Wirt­schafts­ma­ga­zin For­tu­ne zum „Mana­ger des Jahr­hun­derts“ küren.
Unter sei­ner Füh­rung wuchs der Kon­zern­um­satz von 27 Mil­li­ar­den US-Dol­lar (1981) auf 130 Mil­li­ar­den (2001). Wäh­rend der Jah­res­ge­winn sich ver­sie­ben­fach­te, ver­rin­ger­te sich gleich­zei­tig die Zahl der Beschäf­tig­ten von 400.000 auf 300.000. Die­se Poli­tik brach­te Welch auch den Bei­na­men „Neu­tro­nen-Jack“ ein.

Welch galt als radi­ka­ler Ver­tre­ter des „Share­hol­der values“, das heißt der Ori­en­tie­rung aus­schließ­lich an den Inter­es­sen der (Haupt-)Aktionäre. Er erfand die „Dik­ta­tur der Zah­len“ als Prin­zip der Unter­neh­mens-Füh­rung. Sei­ne Stra­te­gie war sim­pel: Repa­rie­ren, Ver­kau­fen oder Schlie­ßen („Fix it, sell it or clo­se it“).
Unter­neh­mens­tei­le mit zu gerin­ger Mar­ge wer­den geschlos­sen oder ver­kauft, wenn sie nach zwei Jah­ren nicht die vor­ge­ge­ben Zah­len errei­chen. Ande­rer­seits wer­den pro­fi­ta­ble­re oder mehr Gewinn ver­spre­chen­de Geschäf­te zuge­kauft. Für die GE-Beschäf­tig­ten stell­te Welch die „20-70-10-Regel“ auf. Ihr zufol­ge wer­den die „bes­ten 20 Pro­zent“ - die „Stars“ - mit Boni belohnt. Die 70 % in der Mit­te wer­den so gut als mög­lich gefor­dert und geför­dert. Die „schwächs­ten“ 10 Pro­zent – ver­ächt­lich „Lemons“ (Zitro­nen) genannt – hin­ge­gen wer­den ent­las­sen.

Manage­ment-Bonus

Kei­nes­wegs für die GE-Beschäf­tig­ten, aber für Welch per­sön­lich zahl­te sich die­se Poli­tik aus. Sein Pri­vat­ver­mö­gen wur­de 2006 auf rund 720 Mil­lio­nen US-Dol­lar geschätzt.
Welch hat­te sich vor sei­nem Abtritt neun Mil­lio­nen US-Dol­lar als Jah­res­pen­si­on garan­tie­ren las­sen. Auf eini­ge ande­re klei­ne Bon­bons ver­zich­te­te er angeb­lich, nach­dem Kri­tik laut gewor­den war (wie die freie Nut­zung eines GE-Flie­gers, ein Luxus-Appar­te­ment in New York und das kos­ten­lo­ses Spei­sen in einem Edel­re­stau­rant…).

Im Früh­jahr 2009 bezeich­ne­te Welch übri­gens unter dem Ein­druck der „Finanz­kri­se“ das Share­hol­der-Value-Kon­zept als „dum­me Idee“. Sein Nach­fol­ger Jef­frey Immelt hat mitt­ler­wei­le die GE-Finanz­spar­te zurecht­ge­stutzt und den Kon­zern wie­der auf indus­tri­el­le Berei­che kon­zern­triert. Aber Welchs Stra­te­gie der „Dik­ta­tur der Zah­len“ ver­folgt auch er wei­ter. Vor eini­gen Mona­ten hat GE des­halb zum Bei­spiel sei­ne tra­di­tio­nel­le Haus­halts­ge­rä­te­spar­te abge­ge­ben.
Durch die Zer­schla­gung von ALSTOM wer­den gewis­ser­ma­ßen neben­bei auch die bis­he­ri­gen Inter­es­sen­ver­tre­tun­gen der Beschäf­tig­ten auf euro­päi­scher und natio­na­ler Ebe­ne erle­digt. GE hat bereits ent­spre­chen­de unter­neh­mens­kon­for­me „Interessenvertretungs“-Strukturen vor­be­rei­tet, um die Tra­di­ti­on der gewerk­schaft­li­chen Gegen­macht bei ALSTOM rei­bungs­los „inte­grie­ren“ zu kön­nen.

Zudem hat­te das deut­sche ALSTOM-Manage­ment auf Geheiß der Pari­ser Kon­zern­zen­tra­le die hier­zu­lan­de bis 2016 gel­ten­den Stand­ort­si­che­rungs- und Beschäf­ti­gungs­ga­ran­ti­en für Ende 2014 gekün­digt. Bereits vor­her waren auf Befehl der Kon­zern­lei­tung zahl­rei­che Restruk­tu­rie­rungs­plä­ne aus­ge­ar­bei­tet wor­den. Sie haben im Power-Bereich von ALSTOM mas­si­ven Arbeits­platz­ab­bau bis hin zu Betriebs­schlie­ßun­gen zum Ziel (Bex­bach, Mann­heim, Neu­mark, Stutt­gart…).
„Dedi­ca­ted to Excel­lence“ (D2E - „Der Spit­zen­leis­tung ver­pflich­tet“) wur­de die­ses natür­lich als „alter­na­tiv­los“ pro­pa­gier­te Kahl­schlag­pro­gramm des Top-Manage­ments getauft. D2E-Ansteck­na­deln am Sak­ko gehör­ten seit­dem zur Pflicht­aus­stat­tung des guten ALSTOM-Mana­gers.

Aktio­nen des Wider­stands

Gegen die Abbau­plä­ne reg­te sich seit 2014 viel­fäl­ti­ger, auch in der Öffent­lich­keit wahr­nehm­ba­rer Wider­stand. Zum Bei­spiel Ende April 2014, als in der Mann­hei­mer ALSTOM-Fabrik ein schar­fer Kon­flikt um den Abtrans­port von Tur­bi­nen­bau­tei­len in einer mehr­tä­gi­gen Tor­blo­cka­de eska­lier­te. Oder am 12. Mai 2014, als rund 1.500 Beschäf­tig­te wäh­rend der Arbeits­zeit vom Käfer­ta­ler Werk zum Mann­hei­mer Alten Meß­platz demons­trier­ten.
Fer­ner am 2. Juni  2014, als rund 600 Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen aus Bex­bach (Saar­land) und aus vie­len ande­ren ALSTOM-Stand­or­ten gegen den geplan­ten Stel­len­ab­bau in der ört­li­chen Fabrik für Tur­bi­nen­schau­feln demons­trier­ten.
Dann am 23. Juni 2014, erneut in Mann­heim, wo sich die Beleg­schaft zu einer Betriebs­rats-Info unter dem Mot­to „Fünf vor Zwölf“ ver­sam­mel­te und laut­stark gegen den dro­hen­den Arbeits­platz­ab­bau pro­tes­tier­te.

Im Jahr 2015 hat zunächst die Warn­streik­kund­ge­bung der ALSTOM-Beschäf­tig­ten am 10. Febru­ar in der Qua­dra­te­stadt erneut Akzen­te des Pro­tests gesetzt. Die Unru­he über befürch­te­ten Arbeits­platz­ab­bau in der Pro­duk­ti­on führ­te zu einer spon­ta­nen Info-Akti­on der Mann­hei­mer Fabrik­be­leg­schaft am 13. Febru­ar. Am 19. Febru­ar folg­te eine wei­te­re Kund­ge­bung im Rah­men der Tarif­run­de der Metall- und Elek­tro­in­dus­trie mit anschlie­ßen­der Demons­tra­ti­on in das Zen­trum der nord­ba­di­schen Groß­stadt.
Die ALSTOM-Beleg­schaft nutz­te die­sen Pro­test­marsch, um Ihre For­de­run­gen an Gene­ral Elec­tric, den Käu­fer der Ener­gie­spar­te von ALSTOM, öffent­lich zu machen: Erhalt aller Arbeits- und Aus­bil­dungs­plät­ze sowie Aner­ken­nung der Tarif­ver­trä­ge und der Betriebs­rats­struk­tu­ren auf allen Ebe­nen.

Stel­lungs­krieg

Bei ALSTOM war der hef­ti­ge Streit zwi­schen Manage­ment und Kon­zern­be­triebs­rat um die Kün­di­gung der Beschäf­ti­gungs- und Stand­ort­si­che­run­gen sowie die „Restruk­tu­rie­rungs­plä­ne“ im Kraft­werks­be­reich in einer Art Stel­lungs­krieg gemün­det.
Der Ver­such, über eine Eini­gungs­stel­le zur Kon­flikt­lö­sung in die­sem lang andau­ern­den Streit zu gelan­gen, war geschei­tert. Der Abbruch die­ses Ver­fah­rens war ein Alarm­si­gnal. Das ALSTOM-Manage­ment berei­te offen­sicht­lich Betriebs- bzw. Bereichs­schlie­ßun­gen mit betriebs­be­ding­ten Kün­di­gun­gen in enger Abstim­mung mit den neu­en Kon­zern­her­ren vor. Die Schlie­ßung des Neu­mar­ker Kes­sel­bau­werks im letz­ten Jahr war nur der ers­te Schritt.

Rea­le Aus­wir­kun­gen hat­ten auch die „Befrie­dungs­ver­su­che“ des Manage­ments gegen­über den Beleg­schaf­ten und ihren Inter­es­sen- ver­tre­tun­gen. Die von einer Bera­tungs­fir­ma namens Hoss orches­trier­ten Angrif­fe mit geziel­ten Ein­schüch­te­rungs- und Spal­tungs­ma­nö­vern wur­den immer deut­li­cher. Ers­tens gab es Atta­cken gegen Wort­füh­rer der Inter­es­sen­ver­tre­tun­gen bis hin zur Kör­per­ver­let­zung. Zwei­tens miss­ach­te­te das Manage­ment die Rech­te der Betriebs­rä­te aus dem Betriebs­ver­fas­sungs­ge­setz. Und drit­tens waren immer mehr koor­di­nier­te Bestre­bun­gen der Geschäfts-und Bereichs­lei­tun­gen zu regis­trie­ren, die Beleg­schaf­ten von ihren Betriebs­rä­ten zu tren­nen. Die­sem Zweck dien­ten zum Bei­spiel vor­ab ter­mi­nier­te „Beleg­schafts­in­for­ma­tio­nen“ der Geschäfts­lei­tung, um die Beschäf­tig­ten im Sin­ne des Manage­ments zu beein­flus­sen und sie vom Besuch der ange­kün­dig­ten Betriebs­ver­samm­lun­gen abzu­hal­ten.

Ins­be­son­de­re nach dem Kon­flikt Ende April 2014 – Nicht­in­for­ma­ti­on des Betriebs­rats über den Abtrans­port von Tur­bi­nen­tei­len aus dem Käfer­ta­ler Werk – ver­stärk­te die Geschäfts­lei­tung den Druck. Sie warf der Mann­hei­mer Inter­es­sen­ver­tre­tung zu Unrecht vor, kei­ne Betriebs­rats-Infor­ma­tio­nen durch­ge­führt, son­dern „Blo­cka­den“ und „wil­de Streiks“ orga­ni­siert zu haben.

Fai­re Chan­ce“ ?

Die GE-Beleg­schaf­ten, ihre IGM-Ver­trau­ens­kör­per und Betriebs­rats­gre­mi­en sind gut bera­ten, sich gegen die­ses Trei­ben ver­stärkt gemein­sam zu weh­ren und die Anstren­gun­gen für die Durch­set­zung des vom Betriebs­rat 2014 gefor­der­ten Schutz­schirms zu ver­stär­ken. Schließ­lich sol­len auch unter GE alle Stand­or­te sowie alle Arbeits- und Aus­bil­dungs­plät­ze ver­tei­digt und tarif­lich abge­si­chert wer­den – nicht nur in Deutsch­land son­dern auch inter­na­tio­nal.

Am 1. Novem­ber 2015 wur­de der for­mel­le Über­gang der kon­ven­tio­nel­len Ener­gie­spar­te von ALSTOM zu GE wirk­sam. Die EU-Kar­tell­be­hör­de hat­te dafür grü­nes Licht gege­ben - aller­dings mit der Auf­la­ge, den Bereich schwe­re Gas­tur­bi­nen an den ita­lie­nisch-chi­ne­si­schen Kon­kur­ren­ten Ansal­do zu ver­kau­fen. Die­se Ent­schei­dung schwächt beson­ders das Mann­hei­mer Werk.
Die vom Betriebs­rat offi­zi­ell von GE gefor­der­te „fai­re Chan­ce“ wird sich - wenn über­haupt - nur durch mas­si­ven Kampf gegen die Pro­fit­ma­xi­mie­rer von GE durch­set­zen las­sen. Das soll­ten die Käfer­ta­ler Kol­le­gIn­nen nach über 30 Jah­ren Wider­stand gegen Arbeits­platz­ab­bau nie­mals ver­ges­sen.

aus der Rhein-Neckar Bei­la­ge zur Avan­ti 240, Janu­ar 2016
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