Gesund­heit statt Profite

Wider­stand jetzt

 

U. D.

Die Merz-Kling­beil-Regie­rung hat am 29. April 2026 das GKV-Bei­trags­satz­sta­bi­li­sie­rungs­ge­setz beschlos­sen. Für Merz „eine der größ­ten Sozi­al­staats­re­for­men der letz­ten Jahr­zehn­te“. In Wirk­lich­keit ist es ein Kür­zungs­pro­gramm, das bis 2027 rund 17 Mil­li­ar­den Euro „ein­spa­ren“ soll.

DGB-Demo in Mannheim, 1. Mai 2018. (Foto: Avanti².)

DGB-Demo in Mann­heim, 1. Mai 2018. (Foto: Avanti².)

Das deut­sche Gesund­heits­sys­tem hat im Jahr 2025 rund 580 Mrd. Euro gekos­tet und gehört damit zu den teu­ers­ten der Welt. Laut dem Public Health Index des Deut­schen Krebs­for­schungs­zen­trums und des AOK-Bun­des­ver­bands belegt Deutsch­land im euro­päi­schen Gesund­heits­ver­gleich trotz­dem „nur Rang 17 von 18“. Die jet­zi­ge „Reform“ wird an die­sem Zustand nichts zum Bes­se­ren ändern.

Geplan­te Kürzungen
Die „Reform“ greift direkt die Ver­si­cher­ten sowie die Beschäf­tig­ten in Kli­ni­ken, Pfle­ge und gesetz­li­chen Kran­ken­kas­sen an.

Geplant sind unter ande­rem höhe­re Zuzah­lun­gen zu Medi­ka­men­ten und Heil­mit­teln, Ein­schrän­kung der kos­ten­lo­sen Fami­li­en­mit­ver­si­che­rung, Teil­krank­schrei­bun­gen, eine Decke­lung der Kran­ken­haus- und Pfle­ge­bud­gets, die Fest­le­gung einer Ober­gren­ze für die staat­li­che Refi­nan­zie­rung von Tarif­er­hö­hung und eine Begren­zung der Ver­wal­tungs­kos­ten der gesetz­li­chen Krankenkassen.

Vor­her­seh­ba­re Folgen
Die Fol­gen sind vor­her­seh­bar und von der Regie­rung gewollt. Wenn dem Sys­tem weni­ger Geld zur Ver­fü­gung steht, führt dies unmit­tel­bar zu wei­te­ren Leis­tungs­kür­zun­gen der gesetz­li­chen Kas­sen. Die Kür­zun­gen im Kran­ken­haus­be­reich füh­ren zu schlech­te­ren Arbeits­be­din­gun­gen, weni­ger Per­so­nal und bedro­hen die Exis­tenz der Krankenhäuser.

Höhe­re Zuzah­lun­gen zu Medi­ka­men­ten tref­fen ins­be­son­de­re chro­nisch Kran­ke, Men­schen mit nied­ri­gen Ein­kom­men, Rentner:innen und Arme. Die Kür­zun­gen im ambu­lan­ten Bereich wer­den die Suche nach Haus­ärz­ten und Fach­ärz­ten wei­ter erschwe­ren. Die geplan­te Teil­krank­schrei­bung soll Erkrank­te frü­her zurück an den Arbeits­platz drän­gen, um so Aus­fall­ta­ge und Kran­ken­geld­zah­lun­gen zu reduzieren.

Reform“ für Pro­fi­te statt für Gesundheit
Die „Gesund­heits­re­form“ ist Teil des Gene­ral­an­griffs auf die sozia­len Siche­rungs­sys­te­me zu Las­ten der arbei­ten­den Klas­se. Poli­ti­ker wie Merz, Kling­beil & Co betrach­ten Gesund­heit nicht als Men­schen­recht und als gesell­schaft­li­che Auf­ga­be, son­dern als Kos­ten­fak­tor. Sie wol­len das Gesund­heits­sys­tem wei­ter „markt­kon­form“ zurichten.

Auch wenn sie es nicht offen aus­spre­chen, die gesetz­li­che Kran­ken­ver­si­che­rung soll wie die Ren­te und die Pfle­ge nur noch eine Grund­si­che­rung sein. Wer „mehr“ und „bes­se­res“ will, soll zah­len. Mit die­ser Poli­tik sor­gen sie dafür, dass das Gesund­heits­sys­tem für das Kapi­tal wei­ter­hin eine gut geschmier­te Pro­fit­ma­schi­ne und ein siche­res Anla­ge­feld bleibt.

Die Phar­ma­bran­che hat im Jah­re 2025 allein in Deutsch­land mit Arz­nei­mit­teln 58,5 Mil­li­ar­den Euro umge­setzt. Die Phar­ma­in­dus­trie erzielt auf­grund ihrer Markt­macht und ihren Inter­es­sen die­nen­der Geset­ze enor­me Profite.

Immer mehr Arzt­pra­xen und Kran­ken­häu­ser wer­den von „Inves­to­ren“ über­nom­men. Die­sen geht es nicht um ein gute Ver­sor­gung, son­dern um hohe Pro­fi­te. Durch die „Reform“ steigt der Kos­ten­druck auf Kran­ken­häu­ser, Pfle­ge­hei­me und Arzt­pra­xen und damit auch der Zwang, zu verkaufen.

Die pri­va­ten Kran­ken­ver­si­che­rer pro­fi­tie­ren von den geplan­ten Kür­zun­gen. Denn wenn die Gesetz­li­chen Kran­ken­kas­sen weni­ger Leis­tun­gen anbie­ten, dann schlie­ßen mehr Men­schen Kran­ken­zu­satz­ver­si­che­run­gen ab.

Jetzt den Wider­stand organisieren
Gegen die „Gesund­heits­re­form“ von Merz, Kling­beil & Co ist die gemein­sa­me Gegen­wehr not­wen­dig. Ein ers­ter Schritt ist die soli­da­ri­sche Unter­stüt­zung der von ver.di durch­ge­führ­ten Aktio­nen an den Kran­ken­häu­sern und die Betei­li­gung an der von ver.di geplan­ten Demons­tra­ti­on vor der Gesund­heits­mi­nis­ter­kon­fe­renz am 10. Juni 2026 in Hannover.

Bis­lang reagie­ren die Füh­run­gen der ande­ren Gewerk­schaf­ten auf die­sen Angriff nur mit schwa­chen Wor­ten, „Gesprächs­be­reit­schaft“ oder Schwei­gen, anstatt mas­sen­haft Pro­test und Gegen­wehr in den Betrie­ben und auf der Stra­ße zu organisieren.

Umso wich­ti­ger ist es, dass wir selbst über­all dort, wo wir leben, ler­nen und arbei­ten aktiv und soli­da­risch den Wider­stand organisieren.

Kei­ne Pro­fi­te auf Kos­ten unse­rer Gesundheit!

Aus Avan­ti² Rhein-Neckar Juni 2026
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