Gemein­sam gegen Merz und Kapital

Abbau stop­pen!

 

U. D.

Spä­tes­tens mit Unter­zeich­nung des Koali­ti­ons­ver­tra­ges von CDU/CSU und SPD am 25. Mai 2025 wur­den die Zie­le der Regie­rung Merz/Klingbeil klar: mehr Auf­rüs­tung, weni­ger Kli­ma­schutz, mas­si­ver Sozi­al­ab­bau, schlech­te­re Arbeits­ge­set­ze, weni­ger Asyl­recht, mehr Ras­sis­mus, aber wei­te­re Ent­las­tun­gen für Unter­neh­men und Begüns­ti­gung von Reichen.

DGB-Demo in Mannheim, 1. Mai 2013. (Foto: Helmut Roos.)

DGB-Demo in Mann­heim, 1. Mai 2013. (Foto: Hel­mut Roos.)

Seit dem Jahr 2000 ist das der zwei­te Gene­ral­an­griff von Poli­tik und Kapi­tal auf das Sozi­al­sys­tem und die Arbeits­ge­set­ze. Der ers­te wur­de 2003 gestar­tet. Es war die Agen­da 2010 der dama­li­gen SPD/­Grü­nen-Regie­rung unter Schröder/Fischer.

Die Agen­da 2010 brach­te Sozi­al­ab­bau und schlech­te­re Arbeits­ge­set­ze. Die Leis­tun­gen der Arbeits­lo­sen­ver­si­che­rung, der Kran­ken­ver­si­che­rung und der Ren­ten­ver­si­che­rung wur­den gekürzt, das Ren­ten­al­ter auf 67 ange­ho­ben. Der Kün­di­gungs­schutz wur­de gelo­ckert, befris­te­te Beschäf­ti­gung, Leih­ar­beit und der Nied­rig­lohn­sek­tor mas­siv aus­ge­wei­tet. Kon­zer­ne und Rei­che wur­den dage­gen geschont und belohnt. „For­dern statt för­dern“ galt auch damals nur für die arbei­ten­de Klasse.

Die Agen­da 2030
Bereits im August 2023 for­der­te CDU-Gene­ral­se­kre­tär Lin­ne­mann eine Agen­da 2030. Im April 2024 ver­lang­te dies auch Spahn. Im Janu­ar 2025, kurz vor der Bun­des­tags­wahl im März 2025, ver­öf­fent­lich­te die CDU ihr Posi­ti­ons-Papier „Agen­da 2030 − Neu­er Wohl­stand für Deutschland“.

Im Sep­tem­ber 2025 bezog sich Kling­beil posi­tiv auf die Agen­da 2010. „Schrö­der hat muti­ge Refor­men ange­packt“, sag­te der SPD-Chef der Zeit. Die­sen Ball griff Lin­ne­mann sofort auf: „So wie Ger­hard Schrö­der die Agen­da 2010 gemacht hat, müs­sen wir jetzt die Agen­da 2030 machen.“

Im März 2026 erklär­te Lars Kling­beil in einer Rede in der Ber­li­ner Nie­der­las­sung der Ber­tels­mann-Stif­tung, dass wir (!) ins­ge­samt mehr arbei­ten müs­sen. Der Ort war wohl kein Zufall. Die Ber­tels­mann-Stif­tung hat­te schon dem SPD-Kanz­ler Schrö­der die Kern­ideen zur Agen­da 2010 geliefert.

Doch das alles war „nur“ media­le Vor­ar­beit. Jetzt wird die Agen­da-Poli­tik tat­säch­lich umge­setzt, und alle Sozi­al­ver­si­che­run­gen und Arbeits­ge­set­ze wer­den ange­grif­fen. Selbst der 8-Stun­den­tag – eine his­to­ri­sche Errun­gen­schaft der Arbei­ter­be­we­gung – ist kein Tabu mehr und wird in Fra­ge gestellt.

Liber­tä­re Poli­tik im Sin­ne des Kapitals
Die­se Poli­tik ord­net Leben und Arbeit den Pro­fit­in­ter­es­sen des Kapi­tals unter. Mit der „Kapi­tal­ren­te“ wird ein wei­te­rer Teil des Sozi­al­sys­tems in den „pri­va­ten“ Kapi­tal­markt inte­griert. Staat­li­che Sozi­al­leis­tun­gen sol­len nur noch eine „Grund­ver­sor­gung“ bie­ten. Wer mehr will, muss pri­vat vorsorgen.

Wie bei der Agen­da 2010 gehen die „Refor­men“ nur zu Las­ten der arbei­ten­den Men­schen. Höhe­re Steu­ern und Abga­ben auf Ver­mö­gen, Erb­schaf­ten, Unter­neh­mens­ge­win­ne, Divi­den­den und hohe Ein­kom­men sind nicht vorgesehen.

IGM-Protest gegen Abbau bei ZF-Wabco in Mannheim, 10. September 2024. (Foto: Helmut Roos.)

IGM-Pro­test gegen Abbau bei ZF-Wab­co in Mann­heim, 10. Sep­tem­ber 2024. (Foto: Hel­mut Roos.)

Vor dem Hin­ter­grund sich ver­schär­fen­der glo­ba­ler Kon­flik­te um Roh­stof­fe, Märk­te und geo­po­li­ti­schen Ein­fluss wird die vor­herr­schen­de Poli­tik immer mehr von liber­tä­ren und auto­ri­tä­ren Posi­tio­nen geprägt. In die­ser Poli­tik gibt es kei­nen Spiel­raum mehr für „zu viel“ Kli­ma­schutz, für „zu viel“ Sozi­al­staat, für „zu viel“ Men­schen­rech­te oder für „star­re“ Arbeitsgesetze.

Nicht zuletzt wird der rus­si­sche Ukrai­ne-Krieg als zusätz­li­ches „Argu­ment“ genutzt. Mit ihm wird Natio­na­lis­mus geför­dert, Mili­ta­ri­sie­rung und Auf­rüs­tung begrün­det und am Ende – ange­sichts „lee­rer Kas­sen“ – auch Sozi­al­ab­bau gerechtfertigt.

Gegen Gene­ral­an­griff hilft nur Generalstreik
Seit Jahr­zehn­ten nimmt die Mehr­heit der Gewerk­schafts­spit­zen lie­ber an Gesprächs­run­den mit Poli­tik und „Sozi­al­part­nern“ teil, statt den Wider­stand in den Betrie­ben und auf der Stra­ße zu orga­ni­sie­ren. Sie hofft auf den Dia­log mit Poli­tik und Kapi­tal und gibt sich mit „Kor­rek­tu­ren“ an einer unso­zia­len Poli­tik zufrieden.

Doch gegen Gene­ral­an­grif­fe hel­fen weder Run­de Tische noch sozi­al­part­ner­schaft­li­che Reden, son­dern nur die Gegen­wehr in den Betrie­ben und auf der Stra­ße bis hin zum Generalstreik.

War­ten wir nicht ab, son­dern wer­den wir selbst aktiv. Über­all wo wir leben, ler­nen und arbei­ten kön­nen wir über die Agen­da-Poli­tik auf­klä­ren und Gegen­wehr orga­ni­sie­ren. Wir kön­nen uns ver­net­zen und soli­da­risch unse­ren gemein­sa­men Wider­stand auf die Stra­ße bringen.

Beson­de­re Bedeu­tung hat dabei die Unter­stüt­zung aller gewerk­schaft­li­chen und betrieb­li­chen Initia­ti­ven und Mobi­li­sie­run­gen. Nur so kann es gelin­gen, die arbei­ten­de Klas­se in Bewe­gung zu brin­gen. Und nur sie allein hat die gesell­schaft­li­che Kraft, den Agen­da-Irr­sinn zu stoppen.

Aus Avan­ti² Rhein-Neckar Juli/August 2026
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