DGB-Sozi­al­staats­kon­fe­renz in Mannheim

Kämp­fe­ri­sche Stim­mung für Streiks

 

O. T.

Am 24. Juli 2026 fand im gro­ßen Saal des Mann­hei­mer Gewerk­schafts­hau­ses die Sozi­al­staats­kon­fe­renz des DGB-Nord­ba­den statt. Das Mot­to lau­te­te: „Nicht geschenkt – hart ver­dient – Sozi­al­staat schützen!“

Kundgebung „SOS Sozialstaat“ in Mannheim, 28. Juli 2026. (Foto: Helmut Roos.)

Kund­ge­bung „SOS Sozi­al­staat“ in Mann­heim, 28. Juli 2026. (Foto: Hel­mut Roos.)

Etwa 140 inter­es­sier­te Gewerk­schafts­mit­glie­der, dar­un­ter vie­le Ver­trau­ens­leu­te, aber auch eini­ge Betriebs­rats­mit­glie­der und Haupt­amt­li­che waren der Ein­la­dung des DGB gefolgt. The­men der Zusam­men­kunft waren der 8-Stun­den­tag (Refe­rent: Frank Bren­scheidt, Bun­des­an­stalt für Arbeits­schutz und Arbeits­me­di­zin), Gesund­heit (Refe­rent: Lars Treusch, Geschäfts­füh­rer DGB-Nord­ba­den), Ren­te (Refe­rent: Kai Bur­meis­ter, DGB-Vor­sit­zen­der BA-WÜ) und Pfle­ge (Manue­la Wie­land, AWO-Mannheim).

Strei­ken statt Wegducken
Nach den jewei­li­gen inhalt­li­chen Ein­lei­tun­gen konn­te über die aktu­el­len Angrif­fe von Kapi­tal und Bun­des­re­gie­rung auf den Sozi­al­staat dis­ku­tiert wer­den. Inter­es­sant war, dass nach den aus­führ­li­chen Refe­ra­ten ver­gleichs­wei­se weni­ge Nach­fra­gen inhalt­li­cher Art gestellt wur­den. Die aller­meis­ten Bei­trä­ge der vie­len Diskussionsredner:innen hin­ter­frag­ten kri­tisch das bis­her sehr pas­si­ve Ver­hal­ten der Gewerkschaften.

Ange­sichts des Gene­ral­an­griffs auf die sozia­len und tarif­li­chen Errun­gen­schaf­ten wur­de bemän­gelt, dass die bis­her geplan­ten Pro­tes­te wie der bun­des­wei­te Akti­ons­tag am 26. Sep­tem­ber 2026 zu defen­siv und viel zu spät ange­setzt wor­den sind. In die­sem Zusam­men­hang wur­den von ver­schie­de­nen Teilnehmer:innen umfas­sen­de Streiks bis hin zum Gene­ral­streik gefordert.

Mas­siv wur­de die poli­ti­sche Anbin­dung der Gewerk­schafts­füh­run­gen an die Regie­rungs­par­tei SPD und der immer noch anhal­ten­de sozi­al­part­ner­schaft­li­che Kurs des DGB und sei­ner Orga­ni­sa­tio­nen kri­ti­siert. Oft hieß es, dass sich Gewerk­schaf­ten nicht vor den Kar­ren irgend­ei­ner Par­tei span­nen las­sen dürfen.

Das gilt nicht zuletzt für die Pro­ble­ma­tik der mas­si­ven Auf­rüs­tung und Mili­ta­ri­sie­rung der Gesell­schaft. Die Regie­rungs­par­tei­en pro­pa­gie­ren die­se als not­wen­dig und alter­na­tiv­los. Sei­tens der Gewerk­schafts­spit­zen wird zu die­ser ver­häng­nis­vol­len Poli­tik − wenn über­haupt − nur zag­haft Wider­spruch geäu­ßert. Das ist umso fata­ler, als die feh­len­den Gel­der für Sozia­les eine beson­ders ver­hee­ren­de Fol­ge der mas­si­ven und extrem teu­ren Auf­rüs­tung sind.

Auf­rüs­tung und Sozialabbau
Sozi­al­ab­bau und Auf­rüs­tung sind, so die mehr­fach geäu­ßer­te Mei­nung, die zwei Sei­ten einer Medail­le. Des­halb müs­sen sie auch zusam­men bekämpft wer­den. Ins­be­son­de­re der schon begon­ne­ne Umbau von Zivil­wirt­schaft auf Rüs­tungs- bzw. Kriegs­wirt­schaft etwa in der Auto­in­dus­trie darf nicht zuge­las­sen werden.

Bezüg­lich der anste­hen­den Tarif­run­den sowohl bei der IG Metall als auch bei ver.di und allen ande­ren Gewerk­schaf­ten waren die geäu­ßer­ten Posi­tio­nen ein­deu­tig: Ohne Streiks wird sich nichts Wesent­li­ches bewe­gen. Des­halb, so die Schluss­fol­ge­rung, müs­sen die Beleg­schaf­ten früh­zei­tig auf den Arbeits­kampf vor­be­rei­tet wer­den. Ange­sichts der geplan­ten Mas­sen­ent­las­sun­gen in der Auto­in­dus­trie aber auch in ande­ren Bran­chen gilt es, die Aktua­li­tät der For­de­rung nach Arbeits­zeit­ver­kür­zung bei vol­lem Lohn- und Per­so­nal­aus­gleich end­lich wie­der zu betonen.

Ins­ge­samt war die Stim­mung eines Groß­teils der Kolleg:innen, die an der Sozi­al­staats­kon­fe­renz teil­nah­men, sehr kämp­fe­risch. Man­che waren aber auch wegen der bis­he­ri­gen pas­si­ven Gewerk­schafts­po­li­tik in Sachen Sozi­al­ab­bau sehr frustriert.

Es bleibt zu hof­fen, dass die anwe­sen­den ehren- und haupt­amt­li­chen Funktionär:innen die kämp­fe­ri­schen Posi­tio­nie­run­gen als Auf­trag wahr­ge­nom­men haben. Denn jetzt gilt es, sich gemein­sam dem Kapi­tal und der Regie­rung zu widersetzen.

Aus Avan­ti² Rhein-Neckar Sep­tem­ber 2026
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