Gene­ral­an­griff von Regie­rung & Kapi­tal – Was tun?“

Mut­ma­chen­der Info­abend der ISO Rhein-Neckar

 

A. N.

Gene­ral­an­griff von Regie­rung und Kapi­tal – Was tun?“ lau­te­te die Fra­ge­stel­lung, um die sich der Info­abend der ISO in Mann­heim am 17. Juli 2026 dreh­te. In sei­nem inter­es­san­ten Vor­trag ging unser Refe­rent auf die aktu­el­le Offen­si­ve der Herr­schen­den und deren Hin­ter­grün­de ein.

DGB-Kundgebung in Mannheim, 1. Mai 2026. (Foto: Helmut Roos.)

DGB-Kund­ge­bung in Mann­heim, 1. Mai 2026. (Foto: Hel­mut Roos.)

Zunächst beschrieb er die Viel­schich­tig­keit der zahl­rei­chen Wider­sprü­che in der kapi­ta­lis­ti­schen Gesell­schaft. Zum Bei­spiel die öko­no­mi­sche Kri­se als Fol­ge der Kon­kur­renz, die zuneh­men­de Armut und sozia­le Ungleich­heit bei gleich­zei­tig explo­die­ren­dem Reich­tum, die öko­lo­gi­sche Zer­stö­rung als Fol­ge unge­brems­ten Wachs­tums und die beschleu­nig­te Auf­rüs­tung und Kriegstreiberei.

Anhal­ten­der Rechtsruck
Die­se Ent­wick­lun­gen för­dern die Aus­brei­tung neo­li­be­ra­ler, auto­ri­tä­rer und faschis­ti­scher Posi­tio­nen. Durch die neo­li­be­ra­le Aus­rich­tung der vor­herr­schen­den Poli­tik führt das zu Angrif­fen auf öffent­li­che Diens­te und Sozi­al­sys­te­me. Deren mas­si­ve Ein­schrän­kung ver­tieft wie­der­um die Kri­se der par­la­men­ta­ri­schen Demo­kra­tie und för­dert deren zuneh­men­de Infragestellung.

Ange­sichts der nicht über­wun­de­nen Kri­se der Lin­ken und der Gewerk­schafts­be­we­gung wer­den Lösun­gen aber eher nicht im soli­da­ri­schen Lager, son­dern viel mehr im rech­ten Spek­trum gesucht. Die Fol­gen sind wach­sen­de Aus­gren­zung von Geflüch­te­ten, die für ihre eige­ne Mise­re ver­ant­wort­lich gemacht wer­den, oder von quee­ren Men­schen und von Frau­en. Men­schen­wür­de, Grund­rech­te und Soli­da­ri­tät blei­ben dabei auf der Strecke.

Unser Refe­rent stell­te dar, dass die Viel­fach­kri­sen alle die glei­che Wur­zel haben, näm­lich das kapi­ta­lis­ti­sche Pro­fit­sys­tem. Es beruht auf all­sei­ti­ger Kon­kur­renz und ver­hin­dert wirk­sa­me Krisenlösungen.

Glo­ba­ler Neoliberalismus
Der Neo­li­be­ra­lis­mus, der sich nach dem Mili­tär­putsch in Chi­le 1973 erst­mals durch­set­zen konn­te, hat sich seit­dem glo­bal ver­brei­tet. Neo­li­be­ra­lis­mus bedeu­tet: Rück­füh­rung der Staats­quo­te, Pri­va­ti­sie­rung ehe­mals staat­li­cher Auf­ga­ben und Dere­gu­lie­rung des Kapi­tal­ver­kehrs. Alle Berei­che des Lebens wer­den der Pro­fit­ma­xi­mie­rung unter­ge­ord­net. Für Deutsch­land bedeu­tet das seit rund 50 Jah­ren Sozi­al­ab­bau, unab­hän­gig von der jewei­li­gen Regierungskoalition.

Im wei­te­ren Ver­lauf des Vor­trags ging es um den gewerk­schaft­li­chen Wider­stand gegen die neo­li­be­ra­le Poli­tik. Es wur­de deut­lich, dass die Gegen­wehr fast immer viel zu schwach war und des­halb, wenn über­haupt, nur gewerk­schaft­li­che Teil­erfol­ge erzielt wer­den konnten.

Dies war und ist im Wesent­li­chen auf den sozi­al­part­ner­schaft­li­chen Kurs der Gewerk­schafts­füh­run­gen zurück­zu­füh­ren. Die­se Ori­en­tie­rung ver­hin­dert in Ver­bin­dung mit der Stand­ort­lo­gik und dem Co-Manage­ment von Betriebs­rä­ten die Ent­wick­lung poli­ti­schen Klas­sen­be­wusst­seins. Sie schwächt nicht nur die Gewerk­schaf­ten, son­dern die gesam­te arbei­ten­de Klasse.

Des­halb muss die­ser Kurs bekämpft wer­den. Das Kräf­te­ver­hält­nis kann nur dann zu Guns­ten der arbei­ten­den Klas­se ver­än­dert wer­den, wenn jene sich ihrer eige­nen Inter­es­sen wie­der bewusst wird. Durch ihren gemein­sa­men Kampf kann sie die Ent­schei­dungs­ho­heit des Kapi­tals in Poli­tik und Wirt­schaft in Fra­ge stellen.

Wach­sen­der Unmut
Unser Refe­rent gab der Hoff­nung Aus­druck, dass sich gera­de in die­ser Hin­sicht etwas tut. In ver­schie­de­nen Gewerk­schafts­ba­sis­grup­pen wächst der Unmut über die Untä­tig­keit der Führungen.

Ein beson­ders posi­ti­ves Bei­spiel ist der IGM-Ver­trau­ens­leu­te­kör­per bei Mer­ce­des-Benz Unter­türk­heim. In einer mut­ma­chen­den Reso­lu­ti­on for­dert er, einen ent­schie­de­nen gewerk­schaft­li­chen Wider­stand „gegen die Gier der Bos­se, gegen die Regie­rung und für eine bes­se­re Zukunft zu organisieren“.

Soli­da­ri­sche Diskussion
In der nach­fol­gen­den Dis­kus­si­on kam unter ande­rem der Zusam­men­hang zwi­schen Sozi­al­kür­zun­gen und der enor­men Auf­rüs­tung zur Spra­che. Die Kos­ten der „Kriegs­tüch­tig­keit“ wer­den vor allem von den abhän­gig Beschäf­tig­ten bezahlt. Das für Auf­rüs­tung ver­geu­de­te Geld fehlt für sozia­le und öko­lo­gi­sche Belan­ge. Gewerk­schaf­ten, Frie­dens- und Umwelt­be­we­gung müs­sen des­halb viel enger kooperieren.

Unse­re Ver­an­stal­tung hat Mut gemacht, sich dem Gene­ral­an­griff und der damit ver­bun­de­nen Mili­ta­ri­sie­rung noch mehr zu widersetzen.

Aus Avan­ti² Rhein-Neckar Sep­tem­ber 2026
Tagged , , , , , , . Bookmark the permalink.