Bewegender ISO-Infoabend zum spanischen Bürgerkrieg
A. N.
Zum 90. Mal jährt sich die spanische Revolution von 1936. Auf unserem Infoabend im August konnten wir uns durch einen sehr gut recherchierten Film einen Einblick in die damaligen Geschehnisse verschaffen.
![Milizionärinnen in Katalonien, 1936. (Foto: Gemeinfrei [Bearbeitung A²].) Milizionärinnen in Katalonien, 1936. (Foto: Gemeinfrei [Bearbeitung A²].)](https://iso-4-rhein-neckar.de/wp-content/uploads/2026/09/s-10.jpg)
Milizionärinnen in Katalonien, 1936. (Foto: Gemeinfrei [Bearbeitung A²].)
Dabei bekamen wir auch eine Ahnung davon, was der Kampf gegen die putschenden Franco-Truppen für die oppositionellen, linken Aktivist:innen persönlich bedeutete.
Von damals für heute lernen?
Aber warum sollten wir uns mit diesem Ereignis auseinandersetzen? Ist es nicht viel dringender, dass wir uns mit den aktuellen politischen Entwicklungen und Möglichkeiten der Gegenwehr befassen?
In der Auseinandersetzung mit der spanischen Revolution stoßen wir auf viele Themen und Fragen, die uns brandaktuell erscheinen: Wie kann eine faschistische Bewegung zurückgeschlagen werden? Wie gehen wir mit politischen Unterschieden innerhalb der antifaschistischen Bewegung um? Welche Rolle spielen Geschlechterverhältnisse dabei? Wie lassen sich Politik, Betriebe und Militär anders, basisdemokratisch organisieren?
Worum ging es ?
Zunächst wollen wir hier einen kurzen Einblick in die geschichtlichen Zusammenhänge geben, um dann einige dieser Fragen in ihrem historischen Kontext zu betrachten.
Am 16. Februar 1936 setzte sich in der Zweiten Spanischen Republik das Volksfront-Bündnis Frente Popular von Sozialisten, „Kommunisten“ und Republikanern bei den Wahlen gegen die „Nationale Front“ aus Rechten, Monarchisten und Großgrundbesitzern durch.
Am 17. Juli 1936 begann das Militär einen Putsch gegen die Volksfront-Regierung. Die organisierten Arbeiter:innen reagierten mit einem Generalstreik und begannen eine soziale Revolution. Sie vereitelten einen Erfolg der Putschisten. Sie stellten Betriebe unter Arbeiterkontrolle und ermutigten die arme Landbevölkerung zur Enteignung des Großgrundbesitzes.
Es entbrannte ein Bürgerkrieg. Er sollte sich über drei Jahre hinziehen, bis schließlich die Putschisten siegten. Die nachfolgende Diktatur Francos blieb bis zu dessen Tod 1975 bestehen.
„No passaran“?
Den spanischen Widerstand einte – zunächst – die Parole „No pasaran“: Die Faschisten werden nicht durchkommen. Diese Parole hatte eine sehr reale Bedeutung. Antifaschist:innen und Faschisten kämpften militärisch gegeneinander um Gebiete und insbesondere um die wichtigsten Städte.
Bemerkenswert ist dabei auch der internationalistische Charakter des Antifaschismus: In den Internationalen Brigaden und anderen Milizeinheiten schlossen sich tausende Antifaschist:innen aus anderen Ländern dem Kampf an. Sie wussten: Den Aufstieg des Faschismus weltweit konnten sie nur gemeinsam verhindern.
Soziale Revolution: Menschlich sein
Zu Beginn der Revolution spielten anarchistische und gewerkschaftliche Kräfte eine große Rolle. Sie arbeiteten eng mit der POUM (Arbeiterpartei der Marxistischen Einheit) zusammen, die unserer revolutionär-sozialistischen Bewegung nahestand. Neben dem politischen und militärischen Kampf stand für sie die soziale Revolution im Vordergrund. Diese zeigte sich etwa in dem Abbau gesellschaftlicher Hierarchien. Auch Frauen konnten erstmals öffentlich politisch in Erscheinung treten. Sie übernahmen Verantwortung und kämpften für wenige Monate auch in den revolutionären Milizen gegen die Faschisten.
Konterrevolution …
Letztlich konnten die revolutionären Antifaschist:innen ihre Erfolge nicht halten. Das hatte zum einen äußere Gründe. So wurden Francos faschistische Truppen massiv von den faschistischen Diktaturen Deutschlands und Italiens unterstützt.
Die Antifaschist:innen erhielten ihre veralteten Waffen insbesondere aus der Sowjetunion. Dort hatten gerade die brutalen Schauprozesse gegen revolutionäre Gegner Stalins begonnen. Die stalinistische Verfolgung und Ermordung von Revolutionären hielt bald auch in Spanien Einzug.
Das stalinistische Regime in Moskau strebte „Glaubwürdigkeit“ bei den „westlichen Demokratien“ an. Deshalb verknüpfte es seine Waffenlieferungen an die spanische Republik mit der Unterdrückung der sozialrevolutionären Bewegung und der Auflösung ihrer Milizen.
Die spanische Volksfrontregierung unterdrückte daher die soziale Revolution von unten. Sie löste die revolutionären Milizen der anarchistischen CNT/FAI und der POUM auf. Bei der Stärkung der „republikanischen“ Konterrevolution spielte der Stalinismus eine entscheidende Rolle.
… und Sieg des Faschismus
Der Sieg des Faschismus wurde also auch durch die konterrevolutionären Kräfte aufseiten der Republik und ihrer Rolle in der Volksfrontregierung ermöglicht. Ein Fehler, der sich in Zeiten der erneuten – atomaren − Aufrüstung und der sich entrollenden Klimakatastrophe nicht wiederholen darf. Hier muss ein vereintes und konsequentes „No pasaran“ gelten!
