U. D.
1973 putschten in Chile die Militärs gegen die Regierung Allende. Mit Gewalt, Folter und Mord setzten sie zum ersten Mal in einem Land das neoliberale Profitprogramm der Milliardäre durch. Sie beseitigten soziale und demokratische Rechte und verboten linke Parteien und Gewerkschaften.
![Musk und Milei in Washington, 21. Februar 2025. ( Foto: Gage Skidmore [Gemeinfrei CC BY-SA 2.0].) Musk und Milei in Washington, 21. Februar 2025. ( Foto: Gage Skidmore [Gemeinfrei CC BY-SA 2.0].)](https://iso-4-rhein-neckar.de/wp-content/uploads/2026/09/s-5.jpg)
Musk und Milei in Washington, 21. Februar 2025. ( Foto: Gage Skidmore [Gemeinfrei CC BY-SA 2.0].)
Der aktuelle Putsch der Superreichen wird diesmal nicht von Generälen, sondern in Konzernzentralen, Stiftungen, Medien- und Tech-Konzernen und Lobbybüros organisiert. Eine winzige Kapital- und Machtclique will Staat und Gesellschaft libertär und autoritär umbauen. Ihre Ziele sind dieselben wie vor 50 Jahren. So wollen sie ihren Reichtum und ihre Macht auf Kosten von Mensch und Natur noch weiter vergrößern.
Die Konzentration der Macht
Laut dem World Inequality Report (dt. Bericht zur weltweiten Ungleichheit) besitzt das reichste Prozent der Welt rund 37 Prozent des globalen Vermögens. Forbes zählte am 1. März 2026 weltweit 3.428 Milliardäre mit zusammen rund 20,1 Billionen Dollar. An der Spitze stehen Hyperreiche wie Elon Musk, Jeff Bezos und Mark Zuckerberg. Dieses angehäufte Geld verleiht ihnen Einfluss und reale Macht.
Der Klassenkampf der Milliardäre
Der laufende Putsch der Superreichen wird zwar hinter verschlossenen Türen geplant, aber er ist keine geheime Verschwörung. Er wird offen umgesetzt: Mit Lobbyismus, Stiftungen, Finanzierung von Thinktanks, Einflussnahme auf Forschung und Lehre, bezahlten Studien, Manipulation durch Medien, wirtschaftlicher Erpressung und politischen Kampagnen.
Seit Jahrzehnten verfolgen die Superreichen dabei die gleichen Ziele: niedrigere Steuern für Unternehmen und Reiche, weniger Regulierung für Unternehmen, mehr Rüstung, weniger Klimaschutz, mehr Kürzung und Privatisierung öffentlicher Dienste, weniger Demokratie, noch mehr Sozialabbau, schlechtere Arbeitsgesetze und entscheidende Schwächung der Gewerkschaften.
Um dies zu erreichen, nutzen die Milliardäre ihre Kapitalmacht. Sie kaufen Zeitungen, betreiben TV-Sender und Online-Plattformen. Sie bezahlen „Experten“, die politische Programme und Gesetze formulieren. Sie laden Politiker in exklusive Zirkel ein und finanzieren konservative, libertäre und faschistische Parteien. Sie führen Kampagnen gegen die politische Linke und bekämpfen Gewerkschaften. Sie versprechen nationalen Wohlstand und Freiheit, wollen aber einen autoritären Staat errichten, der ausschließlich ihren Profitinteressen dient.
Die ideologischen Netzwerke der Milliardäre
Weltweit fördern die Superreichen den Aufbau konservativer und libertärer Netzwerke und Stiftungen. Zum Beispiel das Atlas Network, das mit über 500 Partnerorganisationen in mehr als 100 Ländern zusammenarbeitet: in Deutschland mit dem Institut Prometheus, in Argentinien mit der Fundación Libertad y Progreso, die den ultra-libertären Präsidenten Milei unterstützt, in den USA mit der Heritage Foundation, die mit dem Project 2025 wesentlich die Politik des US-Präsidenten Trump beeinflusst.
Diese globalen Netzwerke sorgen dafür, dass neoliberale und autoritär-libertäre Ideen überall und jederzeit verfügbar sind – in Politik, Medien, Wissenschaft oder schulischer und universitärer Ausbildung. Auf diese Weise werden gezielt gesellschaftliche Diskussionen und politische Entscheidungen beeinflusst.
Die Regierung der Milliardäre
Angesichts des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine und der verschärften globalen Konkurrenz wittern diese Kreise auch in Deutschland ihre Chance. Sie fordern die Umsetzung eines harten neoliberalen Kurses. Tagtäglich stellen sie in den Medien diese Politik als alternativlos dar.
Die Regierung Merz/Klingbeil folgt aktiv diesem Kurs. Sie rüstet auf, kappt öffentliche Dienste, verschlechtert das Arbeitsrecht und die Sozialsysteme. Sie senkt Unternehmenssteuern, verringert den Klimaschutz, demontiert weiter das Asylrecht und betreibt eine Politik der gesellschaftlichen Spaltung.
Jetzt die gemeinsame Gegenwehr organisieren
Wenn wir der Kapitalmacht und ihren politischen Helfershelfern nicht entschlossen entgegentreten, werden wir am Ende mit einem weiteren Aufschwung der extremen Rechten, einer weiteren Verschlechterung unserer Lebens- und Arbeitsbedingungen und der weiteren Einschränkung unserer demokratischen Grund- und Menschrechte bezahlen.
Aber der Putsch der Milliardäre kann nicht alleine, sondern nur durch die solidarische Gegenmacht der arbeitenden Klasse gestoppt werden. Dazu müssen wir überall wo wir leben, lernen und arbeiten über die Politik und die Ziele der Superreichen aufklären und die Gegenwehr gegen deren Politik organisieren.
Tipp zum Thema:
www.ituc-csi.org/das-trump-musk-modell?lang=en
