Land und Freiheit

Bewe­gen­der ISO-Info­abend zum spa­ni­schen Bürgerkrieg

 

A. N.

Zum 90. Mal jährt sich die spa­ni­sche Revo­lu­ti­on von 1936. Auf unse­rem Info­abend im August konn­ten wir uns durch einen sehr gut recher­chier­ten Film einen Ein­blick in die dama­li­gen Gescheh­nis­se verschaffen.

Milizionärinnen in Katalonien, 1936. (Foto: Gemeinfrei [Bearbeitung A²].)

Mili­zio­nä­rin­nen in Kata­lo­ni­en, 1936. (Foto: Gemein­frei [Bear­bei­tung A²].)

Dabei beka­men wir auch eine Ahnung davon, was der Kampf gegen die put­schen­den Fran­co-Trup­pen für die oppo­si­tio­nel­len, lin­ken Aktivist:innen per­sön­lich bedeutete.

Von damals für heu­te lernen?
Aber war­um soll­ten wir uns mit die­sem Ereig­nis aus­ein­an­der­set­zen? Ist es nicht viel drin­gen­der, dass wir uns mit den aktu­el­len poli­ti­schen Ent­wick­lun­gen und Mög­lich­kei­ten der Gegen­wehr befassen?

In der Aus­ein­an­der­set­zung mit der spa­ni­schen Revo­lu­ti­on sto­ßen wir auf vie­le The­men und Fra­gen, die uns brand­ak­tu­ell erschei­nen: Wie kann eine faschis­ti­sche Bewe­gung zurück­ge­schla­gen wer­den? Wie gehen wir mit poli­ti­schen Unter­schie­den inner­halb der anti­fa­schis­ti­schen Bewe­gung um? Wel­che Rol­le spie­len Geschlech­ter­ver­hält­nis­se dabei? Wie las­sen sich Poli­tik, Betrie­be und Mili­tär anders, basis­de­mo­kra­tisch organisieren?

Wor­um ging es ?
Zunächst wol­len wir hier einen kur­zen Ein­blick in die geschicht­li­chen Zusam­men­hän­ge geben, um dann eini­ge die­ser Fra­gen in ihrem his­to­ri­schen Kon­text zu betrachten.

Am 16. Febru­ar 1936 setz­te sich in der Zwei­ten Spa­ni­schen Repu­blik das Volks­front-Bünd­nis Fren­te Popu­lar von Sozia­lis­ten, „Kom­mu­nis­ten“ und Repu­bli­ka­nern bei den Wah­len gegen die „Natio­na­le Front“ aus Rech­ten, Mon­ar­chis­ten und Groß­grund­be­sit­zern durch.

Am 17. Juli 1936 begann das Mili­tär einen Putsch gegen die Volks­front-Regie­rung. Die orga­ni­sier­ten Arbeiter:innen reagier­ten mit einem Gene­ral­streik und began­nen eine sozia­le Revo­lu­ti­on. Sie ver­ei­tel­ten einen Erfolg der Put­schis­ten. Sie stell­ten Betrie­be unter Arbei­ter­kon­trol­le und ermu­tig­ten die arme Land­be­völ­ke­rung zur Ent­eig­nung des Großgrundbesitzes.

Es ent­brann­te ein Bür­ger­krieg. Er soll­te sich über drei Jah­re hin­zie­hen, bis schließ­lich die Put­schis­ten sieg­ten. Die nach­fol­gen­de Dik­ta­tur Fran­cos blieb bis zu des­sen Tod 1975 bestehen.

No pas­sa­ran“?
Den spa­ni­schen Wider­stand ein­te – zunächst – die Paro­le „No pasa­ran“: Die Faschis­ten wer­den nicht durch­kom­men. Die­se Paro­le hat­te eine sehr rea­le Bedeu­tung. Antifaschist:innen und Faschis­ten kämpf­ten mili­tä­risch gegen­ein­an­der um Gebie­te und ins­be­son­de­re um die wich­tigs­ten Städte.

Bemer­kens­wert ist dabei auch der inter­na­tio­na­lis­ti­sche Cha­rak­ter des Anti­fa­schis­mus: In den Inter­na­tio­na­len Bri­ga­den und ande­ren Miliz­ein­hei­ten schlos­sen sich tau­sen­de Antifaschist:innen aus ande­ren Län­dern dem Kampf an. Sie wuss­ten: Den Auf­stieg des Faschis­mus welt­weit konn­ten sie nur gemein­sam verhindern.

Sozia­le Revo­lu­ti­on: Mensch­lich sein
Zu Beginn der Revo­lu­ti­on spiel­ten anar­chis­ti­sche und gewerk­schaft­li­che Kräf­te eine gro­ße Rol­le. Sie arbei­te­ten eng mit der POUM (Arbei­ter­par­tei der Mar­xis­ti­schen Ein­heit) zusam­men, die unse­rer revo­lu­tio­när-sozia­lis­ti­schen Bewe­gung nahe­stand. Neben dem poli­ti­schen und mili­tä­ri­schen Kampf stand für sie die sozia­le Revo­lu­ti­on im Vor­der­grund. Die­se zeig­te sich etwa in dem Abbau gesell­schaft­li­cher Hier­ar­chien. Auch Frau­en konn­ten erst­mals öffent­lich poli­tisch in Erschei­nung tre­ten. Sie über­nah­men Ver­ant­wor­tung und kämpf­ten für weni­ge Mona­te auch in den revo­lu­tio­nä­ren Mili­zen gegen die Faschisten.

Kon­ter­re­vo­lu­ti­on …
Letzt­lich konn­ten die revo­lu­tio­nä­ren Antifaschist:innen ihre Erfol­ge nicht hal­ten. Das hat­te zum einen äuße­re Grün­de. So wur­den Fran­cos faschis­ti­sche Trup­pen mas­siv von den faschis­ti­schen Dik­ta­tu­ren Deutsch­lands und Ita­li­ens unterstützt.

Die Antifaschist:innen erhiel­ten ihre ver­al­te­ten Waf­fen ins­be­son­de­re aus der Sowjet­uni­on. Dort hat­ten gera­de die bru­ta­len Schau­pro­zes­se gegen revo­lu­tio­nä­re Geg­ner Sta­lins begon­nen. Die sta­li­nis­ti­sche Ver­fol­gung und Ermor­dung von Revo­lu­tio­nä­ren hielt bald auch in Spa­ni­en Einzug.

Das sta­li­nis­ti­sche Regime in Mos­kau streb­te „Glaub­wür­dig­keit“ bei den „west­li­chen Demo­kra­tien“ an. Des­halb ver­knüpf­te es sei­ne Waf­fen­lie­fe­run­gen an die spa­ni­sche Repu­blik mit der Unter­drü­ckung der sozi­al­re­vo­lu­tio­nä­ren Bewe­gung und der Auf­lö­sung ihrer Milizen.

Die spa­ni­sche Volks­front­re­gie­rung unter­drück­te daher die sozia­le Revo­lu­ti­on von unten. Sie lös­te die revo­lu­tio­nä­ren Mili­zen der anar­chis­ti­schen CNT/FAI und der POUM auf. Bei der Stär­kung der „repu­bli­ka­ni­schen“ Kon­ter­re­vo­lu­ti­on spiel­te der Sta­li­nis­mus eine ent­schei­den­de Rolle.

… und Sieg des Faschismus
Der Sieg des Faschis­mus wur­de also auch durch die kon­ter­re­vo­lu­tio­nä­ren Kräf­te auf­sei­ten der Repu­blik und ihrer Rol­le in der Volks­front­re­gie­rung ermög­licht. Ein Feh­ler, der sich in Zei­ten der erneu­ten – ato­ma­ren − Auf­rüs­tung und der sich ent­rol­len­den Kli­ma­ka­ta­stro­phe nicht wie­der­ho­len darf. Hier muss ein ver­ein­tes und kon­se­quen­tes „No pasa­ran“ gelten!

Aus Avan­ti² Rhein-Neckar Sep­tem­ber 2026
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